Andacht

Du wirst dich noch wundern

Wie Jesu Tod alle Zweifel ausräumt. Eine Andacht.

Das war nicht zu erwarten gewesen. Wirklich nicht. Immerhin war man sich doch weitestgehend einig, dass es sich hier um einen Betrüger übelster Sorte handelte. Einen Lügner, Hochstapler, Angeber – ach, einen linken Hund eben, der das Volk in die Irre führen wollte. Einen, der nur Schaden anrichten würde, der von sich sprach, als wäre er etwas Besonderes, Höheres. Gottes Sohn zu sein gab er vor. Einfach absurd, unvorstellbar, lächerlich!

Ist doch klar, wohin das führt

Gut, dass es aufrichtige Männer im Volk gab, die sich seiner annahmen. Die dafür sorgten, dass er bekam, was er verdiente. Und was er verdiente, war ja wohl klar. Er würde sterben müssen. Und man würde eine ganz große Sache daraus machen. Damit allen, die ihm nachgelaufen waren, unmissverständlich klar wurde, wohin so was führt. Zugegeben: Er hatte keinem was getan. Mal davon abgesehen, dass er einigen gehörig auf die Füße getreten war. Weil die nicht so gut damit klar kamen, dass er offen und ehrlich war, dass er die Wahrheit forderte. Und dass er forderte, sich Gott und dem Volk zuzuwenden. Beides tat er. Von Gott sprach er immer – egal wo er war. Und davon, was Gott für Ideen mit und für die Menschen hatte. Den Menschen hatte er immer etwas zu geben. Respekt. Orientierung. Perspektive. Hoffnung. Gnade. Liebe. Aber jetzt sah er ja, wohin das führte, wenn man sich mit den führenden Köpfen des Klerus anlegte und von sich selbst behauptete zu wissen, was Gott will. Und wenn man meinte, sein Sohn zu sein.

Damit die Hoffnung ein Ende hat

So hing er da, auf diese unbearbeiteten und rauen Holzbalken gebunden und genagelt. Als sichtbares Zeichen für Alle. Für die einen ein Statement, für die anderen zur Abschreckung. Gut so. Damit wieder Ruhe einkehrt im Volk und im Land. Damit das Reden ein Ende hat. Damit das Zweifeln ein Ende hat. Damit die Hoffnung ein Ende hat. Die aberwitzige Hoffnung, es könne tatsächlich doch wahr sein, was er gesagt hatte und wofür er gelebt hatte und an diesem Tag auch zu sterben bereit war. Und sterben würde er zweifelsohne. Lange konnte es nicht mehr dauern.

Der Himmel verfinsterte sich, obwohl es nicht die Zeit dafür war. Wie aus dem Nichts tauchte Dunkelheit auf und hüllte den Tag in tristes Grau und undurchdringliche Finsternis. Ein Grollen durchzog die Gegend, ein unerklärliches Beben der Erde. Felsen zersprangen, Gräber lagen plötzlich offen da. Im Tempel riss der Vorhang vor dem Allerheiligsten von oben bis unten in zwei Stücke. So lag dieser heilige Raum offen und für alle sichtbar und zugänglich da.

Erkenntnis macht sich breit

Niemand wusste so recht, was vor sich ging. Panik ergriff die Menschen. Und die, die eben noch stolz und siegesgewiss waren, spürten plötzlich nackte Angst. Unglaubliches Durcheinander beendete ein Spektakel, das hohe Herren inszeniert hatten, um das Volk zu Räson zu bringen. Während all dem erstarb das Leben im Körper des Mannes, den sie als Hochstapler auf Balken genagelt zur Schau gestellt hatten. Tot war er und mit dem Vorhang im Tempel zerriss vielen auch der Schleier vor den Augen. Erkenntnis machte sich breit. Erkenntnis darüber, etwas Fürchterliches getan zu haben. Der Evangelist Matthäus beschreibt die Situation folgendermaßen: „Den römischen Offizier und die anderen Soldaten, die ihn gekreuzigt hatten, überkam Todesangst bei dem Erdbeben und den anderen Ereignissen. Sie sagten: »Es stimmt, das war wirklich der Sohn Gottes!« “ (Matthäus 27,54) Die wachhabenden Soldaten, die den getöteten eben noch verhöhnt hatten, erschraken zutiefst. Sie wussten plötzlich unwiderlegbar, dass Jesus die Wahrheit gesagt hatte. Wahrhaftig: Jesus war der Sohn Gottes gewesen. Und sosehr sein kurzes Leben schon für Aufruhr gesorgt hatte, sein Sterben würde es noch viel mehr tun.


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