In eigener Sache

Konzentration auf die Zukunft

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Feste Gewissheit und dynamische Veränderung – beides gehört zum Reich Gottes, wie Jesus es gepredigt und ausgebreitet hat. Vor 500 Jahren haben Christen es in der Reformation neu entdeckt: Unser Glaube ist auf Gewissheiten gründet, die nicht von Menschen gemacht sind. Und genau deshalb ist unser Anker nicht, dass äußerlich alles so bleibt, wie es ist.

Das gilt auch für den ERF, den Gott als Organisation dazu berufen hat, das Reich Gottes durch Medien auszubreiten. Und Mediennutzung ist einer der Lebensbereiche, die sehr stark der Veränderung unterworfen sind. 1961 haben wir als ERF auf Kurzwelle gesendet – kaum jemand unter 50 weiß heute noch, dass es Kurzwelle einmal gab. Seitdem sind immer mehr mediale Möglichkeiten dazugekommen: Mittelwelle, Fernsehen, Kabel, Satellit, Internet, Digitalradio, soziale Netzwerke, Apps …

Wofür genau sind wir Gott gegenüber letztlich verantwortlich?

Gott hat den ERF berufen, das Reich Gottes durch Medien auszubreiten. Aber er hat den ERF nicht dazu berufen, in allen medialen Möglichkeiten, die seit 1961 entstanden sind, aktiv zu sein. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten in ihrer Summe geworden, zu unübersichtlich, zu teuer.

Deshalb haben wir als Organisation im letzten Jahr einen Visionsprozess gestartet, um die Berufung des ERF neu zu fokussieren: Was genau ist das, womit Gott uns beauftragt hat? Wozu genau sind wir als ERF berufen? Wofür genau sind wir Gott gegenüber letztlich verantwortlich?

Unsere Antwort auf diese Frage lautet: Wir möchten nichts lieber, als dass Menschen Gott kennenlernen und er ihr Leben verändert. Dafür suchen wir die besten medialen Möglichkeiten.

Inhaltliche und mediale Neuorientierung

Das ist unsere Vision. Das ist der Auftrag, den Gott uns – neu – aufs Herz und auf die Schultern gelegt hat. Er beinhaltet im Kern zwei große Herausforderungen für die Zukunft:

1. Inhaltlich: Wo müssen wir neu andockfähig sein für die Mehrheit der 80 Millionen Menschen in Deutschland, die keinen christlichen Hintergrund haben, die die Sprache in unseren Kirchen und Gemeinden nicht verstehen? Was können wir an unseren Inhalten verändern, damit mehr Menschen Gott kennenlernen und Lebensveränderung erfahren?

2. Medial: Welche Kanäle und Plattformen sind heute, im Jahr 2014, die „beste mediale Möglichkeit“, um diesen Auftrag umzusetzen? Welche Wege sind effektiv, weit verbreitet, zukunftssicher, kostengünstig? Konzentration auf die Zukunft – das heißt für uns, nach und nach alles auf den Prüfstand zu stellen, was wir tun. Ich glaube, das erwartet Gott vom ERF. Und er mutet uns zu, uns nicht auszuruhen auf dem, was er gestern geschenkt hat, sondern uns auf das zu konzentrieren, was er in der Zukunft tun will. Dazu gehört es gleichermaßen, Dinge zu beenden, die ihre Zeit hatten, und Dinge zu beginnen, deren Zeit gekommen ist.

Dinge beenden, um Neues zu schaffen

Zum Beispiel CrossChannel.de – unser Webradio, das vor ziemlich genau 10 Jahren die Nachfolge von „e. r. f. junge welle“ angetreten hat. 10 Jahre lang hat sich unser junges, kreatives Team mit großem Einsatz engagiert, vor dem Mikrofon genauso wie draußen im Land. Mit viel Leidenschaft für junge Hörer und einem Schwerpunkt auf christlicher Musik. In den 10 Jahren ist es für uns immer schwerer geworden, die dafür notwendigen Ressourcen aufrechtzuerhalten; die Höreranzahl ist schon länger nicht mehr gewachsen, die meisten davon waren Christen.

Mit Blick auf die bereits genannte Vision haben wir deshalb entschieden: Wir beenden CrossChannel.de und konzentrieren uns auf die beiden Radiokanäle, die wir über Digitalradio verbreiten. ERF Plus als klassisches Programm für Menschen mit Zeit zum Zuhören. ERF Pop als Begleitradio für Hörgewohnheiten, wie sie der Mehrheit der deutschen Radiohörer entspricht. Vielleicht wird der ERF eines Tages ein neues Kapitel für eine jugendliche Zielgruppe aufschlagen. Aber das wird im Jahr 2014 sicher kein Radiokanal mehr sein.

Zum Beispiel ERF 1 – unser Fernsehkanal. Schwerpunkt der ERF Fernseharbeit ist die Produktion eigener Sendungen mit hoher inhaltlicher und handwerklicher Qualität. Angesichts steigender Kosten für die Verbreitung haben wir deshalb entschieden: Wir wollen nicht die Qualität unserer Sendungen reduzieren. Wir werden von vielen Sendereihen weniger neue Sendungen produzieren und den neu gewonnenen Freiraum für neue Ideen nutzen.

Konzentration auf die Zukunft

Neue Ideen anpacken – auch das ist Konzentration auf die Zukunft. Wir bauen unser Engagement in den sozialen Netzwerken systematisch aus. Wir beginnen, YouTube intensiver als Vertriebsplattform zu nutzen – dem interaktiven Fernsehen gehört die Zukunft. Wir investieren in mobile Mediennutzung, dieses Jahr zum Beispiel bei unseren Online-Workshops und unseren Radio-Apps für das Smartphone.

Ich weiß heute nicht genau, wie unsere Inhalte und Vertriebswege in fünf Jahren aussehen werden. Aber ich weiß, dass Gott uns neu einen Auftrag deutlich gemacht hat: dass Menschen durch unsere medialen Möglichkeiten Gott kennenlernen und er ihr Leben verändert. Und ich weiß, dass wir damit noch nicht fertig sind, sondern gerade dabei sind, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

In der Bibel wird in Offenbarung 7 beschrieben, wie am Ende der Zeit eine „unzählbare Menge“ von Menschen vor dem Thron Gottes stehen wird, die ihm ihr Leben anvertraut haben. Ich möchte, dass möglichst viele darunter werden sagen können: „Der ERF hat mit dazu beigetragen, dass ich jetzt hier stehe.“ Diese Zukunftsperspektive ist es wert, dass wir heute notwendige Veränderungen in Angriff nehmen. Deshalb: Konzentrieren wir uns auf die Zukunft!

Dr. Jörg Dechert / Bereichsleiter Content