Andacht

Snowden hat Unrecht

Warum ich dem PRISM-Kritiker als Christ widerspreche

© Laura Poitras / Praxis Films / wikimedia unter CC-BY-3.0

Im Mai 2013 hat Edward Snowden geheime Dokumente über das bis dahin noch nicht öffentlich bekannte Spähprogramm PRISM an die Redaktionen der Washington Post und den Guardian verschickt. Damit hat er sich selbst einige Probleme und der Welt eine ausgewachsene Überwachungs- und Spionageaffäre beschert.

Als Motivation, die fragwürdigen Praktiken der NSA an die Öffentlichkeit zu bringen, äußerte Snowden gegenüber dem Guardian unter anderem: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Das ist nichts, was ich unterstützen oder wo ich leben möchte.“

Recht hat er. Zwar kann mir die NSA keinen Strick draus drehen, wenn sie meine E-Mails liest und weiß, was ich bei Facebook mag. Ich habe meines Wissens nichts zu verbergen, was geltendes Recht verletzt und entsprechend auch nichts zu befürchten. Trotzdem geht es niemanden etwas an, mit welchem Kosename ich meine Frau anrede oder welchen Kommentar ich unter das witzige Foto eines Freundes bei Facebook hinterlassen habe. Punkt.

Was Snowden nicht aufdeckt
Und trotzdem will ich als Christ Snowden widersprechen. Denn wir leben aus biblischer Sicht ohnehin in einer Welt, in der alles aufgezeichnet wird – nein, schon aufgezeichnet ist. Außerdem will ich in solch einer Welt leben. Ja, richtig gehört.

Die Hintergründe: David spricht zum Beispiel davon, dass Gott alle meine Taten kennt: „Du hast mich gesehen, bevor ich geboren war. Jeder Tag meines Lebens war in deinem Buch geschrieben.“, schreibt er in Psalm 139,16. Gott weiß alles. Schon vor meiner Geburt.

Schwer zu verstehen? Mehr als das. Es ist erschreckend! Welchen Kosename ich für meine Frau verwende und welche Fotos ich witzig finde, weiß Gott schon längst. Was PRISM herausfindet, ist ein Witz. Der eigentliche Skandal ist es, dass es nur wenige Menschen juckt, dass Gott alles weiß. Dabei hat sein Wissen eine viel größere Tragweite als es die Puzzlestücke von PRISM jemals haben könnten.

Ich will, dass einer alles weiß
Womit wir beim zweiten Punkt sind. Wir leben in einer Welt, in der so einiges schief läuft. Eine Welt, in der das Böse Macht hat und wo Menschen andere Menschen verhungern lassen, sie verletzen und sogar töten. Und ich will, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Dafür muss jemand wissen, wer für was die Schuld trägt.

Die Bibel bezeugt: Gott weiß Bescheid. Es wird ein Gericht geben am Ende der Zeit, und kein noch so kleines Vergehen wird unentdeckt bleiben. Johannes beschreibt es mit folgenden Worten: „Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken.“ (Offenbarung 20,12)

Es gibt einen Gott, der das letzte Wort hat und gerecht richten wird. Das finde ich tröstlich. Denn Menschen kommen in der Schuldfrage schnell an ihre Grenzen. Bei so manchen Familiendrama stellt sich die Frage, ob der Mann seine Frau aus purer Bosheit geschlagen hat, oder ob sie ihn jahrelang verbal gedemütigt oder beides oder waren es doch nur die finanziellen Probleme? Kein menschlicher Richter kann das abschließend klären. Gott hingegen wird für Klarheit sorgen. Mit ihm wird wirkliche Gerechtigkeit möglich. Sein Wissen wird heilsam sein.

In dieser Welt und mit diesem Gott möchte ich leben.

Joachim Bär