Und wenn sie nicht gestorben sind, reden sie noch heute… Kennst du solche Menschen, die scheinbar nie den Mund zumachen? Du begegnest ihnen, gezielt oder zufällig, und ehe du dich versiehst, bist du in einem endlosen Monolog gefangen. Egal wie sehr du dich bemühst, du kommst einfach nicht zu Wort oder lieferst dem anderen nur das Stichwort für sein nächstes Thema.
Mir geht es oft so mit einem Bekannten. Vor einiger Zeit stellte er in seinem langen Redefluss tatsächlich die Frage, wie es mir gehe. Auf mein „Nicht so gut“ antwortete er „Super“, um dann direkt weiterzusprechen.
Sogenannte Talkaholics können unsere Geduld ziemlich strapazieren. Wie kannst du mit ihnen umgehen, ohne unhöflich zu wirken, und wie kannst du ihnen helfen, bewusster zu kommunizieren?
Gründe für gesteigertes Redebedürfnis
Zunächst einmal ist es hilfreich, dir zu verdeutlichen, warum Menschen überhaupt so viel reden.
1. Unsicherheit
Manche Menschen reden viel, um Bestätigung zu erhalten. Sie fühlen sich vielleicht unsicher und versuchen dies durch einen gesteigerten Redefluss zu kompensieren. Eventuell glaubt die Person auch, dass sie mit ihren Argumenten mehr überzeugen oder mehr Aufmerksamkeit schaffen kann, wenn sie diese auswalzt oder wiederholt.
2. Einsamkeit
Viele Menschen haben daheim wenig Personen, mit denen sie reden können, sei es, weil sie allein leben oder weil sie sich mit ihren Familienangehörigen nicht viel zu sagen haben. Wenn sie dann auf einen willigen Gesprächs- oder vielmehr Zuhörpartner stoßen, quatschen sie ihn förmlich voll.
3. Angst vor Stille
Für manche ist Stille in einem Gespräch unangenehm. Sie fürchten sich vor peinlichen Pausen oder unangenehmen Gedanken, die in der Stille aufkommen könnten, und füllen daher jede Lücke mit Worten. Vielleicht wurde Stille in der Vergangenheit auch als bedrohlich erlebt.
Eventuell hat ein Elternteil oder der Partner geschwiegen, um Missbilligung auszudrücken. Oder sie haben erlebt, dass ihnen in einer Gesprächspause sofort die Kontrolle über das Gespräch entglitten ist. Also lassen sie es erst gar nicht dazu kommen.
4. Persönlichkeitseigenschaft
Manche Menschen reden grundsätzlich gern und viel. Oft wissen sie um diese Eigenschaft, sehen sie aber nicht als Problem an. Entweder dominieren sie gerne inhaltlich das Geschehen oder sie empfinden sich selbst als jemanden, der aufgrund seiner Kompetenz zu vielem etwas zu sagen hat.
Vielleicht entschuldigen sie sich sogar für ihren Wortschwall, machen dann aber einfach weiter. Andere wiederum haben Schwierigkeiten, sich kurz zu fassen und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
4 Tipps für den Umgang mit Talkaholics
Wie du mit besonders gesprächigen Menschen umgehst, hängt zum einen davon ab, wie nah ihr euch steht und zum anderen, welche mögliche Ursache hinter dem Redefluss steckt. Wenn es Unsicherheit oder Einsamkeit ist, kann es schon helfen, dem anderen bewusst Zeit zu widmen und ihm zu vermitteln, dass man ihn gernhat. Bei einem Familienmitglied oder engen Freund kannst du vielleicht sogar einfühlsam ansprechen, dass der andere sehr viel redet.
Im beruflichen Umfeld oder bei flüchtigen Bekannten solltest du hingegen etwas indirekter vorgehen. Bei gänzlich fremden Personen wiederum kannst du situativ entscheiden, wie du auf den anderen reagierst.
Folgende Tipps können dir helfen, den Redefluss des anderen zu unterbrechen:
1. Körpersprache verwenden
Signalisiere mit deiner Körpersprache, dass du gerne etwas sagen möchtest. Ein leichtes Heben der Hand oder ein Vorbeugen kann deinem Gegenüber zeigen, dass du das Wort ergreifen möchtest. Diese nonverbalen Hinweise sind besonders in beruflichen oder flüchtigen Bekanntschaften hilfreich, um das Gespräch auf sanfte Weise zu lenken, ohne den Gesprächspartner direkt zu konfrontieren.
2. Freundlich unterbrechen und umlenken
Wenn subtile Zeichen nicht ausreichen, trau dich, dem oder der Redseligen ins Wort zu fallen. Zeige, dass du zuhörst, aber lenke das Gespräch geschickt um. Dies kannst du beispielsweise so tun: „Das klingt spannend. Übrigens ist…“ Dann machst du mit deinem Thema weiter.
Oder du kannst den Inhalt des Gesagten kurz zusammenfassen, um das Gespräch auf den Punkt zu bringen: „Es geht dir also um Folgendes …“. Wenn eine dritte Person dabei ist, wende dich an sie und binde sie durch eine Frage ins Gespräch ein.
3. Grenzen setzen
Wenn das Gespräch zu einseitig wird, ist es wichtig, deine eigenen Bedürfnisse zu artikulieren. Besonders bei flüchtigen Bekannten oder im Arbeitsumfeld kannst du freundlich, aber bestimmt formulieren: „Ich möchte auch etwas dazu sagen.“ Dies hilft manchmal bereits, das Redegleichgewicht wiederherzustellen.
4. Exit-Strategie
Wenn gar nichts hilft, musst du manchmal die Notbremse ziehen. Bei engen Freunden oder der Familie kannst du das Gespräch behutsam beenden, indem du erklärst, dass du weitermusst. Vielleicht reicht schon ein „Danke fürs Teilen. Also, dann mal …“
Am Telefon ist ein einfaches „Tut mir leid, ich kann gerade nicht weiterreden“ eine effektive Methode, um die Konversation höflich zu beenden. Wenn der andere dann immer noch nicht aufhört, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und klarzustellen, dass das Gespräch jetzt beendet wird.
Bei höhergestellten Personen ist es manchmal schwierig, aus der Situation herauszukommen. Oft kann es helfen, den Spieß umzudrehen und zu sagen: „Nun will ich aber wirklich nicht noch mehr von Ihrer kostbaren Zeit in Anspruch nehmen.“ Damit wird der Führungskraft bewusst, dass sie eigentlich anderes Wichtiges zu tun hat, statt dich zuzutexten.
Wenn das nicht hilft, kann es helfen, einen dringenden Anschlusstermin zu erwähnen, sich kurz auf die Toilette zu entschuldigen oder anzubieten, die vielen Gesprächsinhalte zusammenfassen zu gehen.
Die Mischung aus Geduld und Mut macht‘s
Talkaholics können nerven. Aber denk daran, dass diese die wenigsten Menschen aus böser Absicht viel reden. Wenn du unsicher bist, was du in der jeweiligen Situation tun sollst: Schick doch mal ein Stoßgebet nach oben und bitte Gott, dir die richtigen Worte zu geben. Mit Geduld, Einfühlungsvermögen und etwas Mut kannst du das Gespräch besser steuern und deine eigenen Bedürfnisse wahren.
Wie sind deine Erfahrungen mit diesem Thema? Was hilft dir, im Gespräch mit einem Talkaholic auch zu Wort zu kommen? Schreibe es uns gerne in die Kommentare.
Ihr Kommentar