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© pat__ / unsplash.com

30.05.2024 / Buchauszug / Lesezeit: ~ 1 min

Autor/-in: Martina Weiss

Verlust

Warum es sich lohnt, Verluste zu betrauern. Ein Buchauszug aus „Trauer sucht Trost“.

Andi Weiss ist Songpoet und Logotherapeut, seine Frau Martina Weiss ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und arbeitet als Dozentin und Supervisorin. Gemeinam haben sie das Buch Trauer sucht Trost geschrieben, in dem auch dieser Text zu finden ist. Es ist ein Trauerbegleiter der ganz anderen Art: Bunt, kreativ und ohne Seitenzahlen.

Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung von Martina und Andi Weiss diesen Buchauszug. Hier können Sie unsere Podcastreihe Trauerzeiten mit ihnen finden.

Vielleicht denkst du: „Hab ich ich überhaupt das Recht, zu trauern?“ Ja, hast du. Hier kommt die Universal-Erlaubnis. Jeder darf trauern. Und zwar um vieles. Um einen geliebten Menschen, aber auch um ganz andere Dinge. Um einen verlorenen Job, eine soziale Rolle, einen Status, ein Tier, einen verpatzten Urlaub oder einen unerfüllten Wunsch.

Trauern ist nichts Schändliches, sondern im besten Fall heilsam. Trauer findet nicht geordnet statt, Phase für Phase. Sie kommt und geht, wann sie will. Trauer ist verzweigt. Wenn ich um meinen geliebten Hund trauere, kann es sein, dass ich damit gleichzeitig unbewusst (ohne es zu merken) um den Vater trauere, den mein Vater nie hatte, oder um ein Bedürfnis, das immer unerfüllt blieb.

Wenn ich auf einer Beerdigung weine wie verrückt, obwohl ich den Verstorbenen gar nicht richtig kannte, dann hat das sicher einen Grund. Einen guten Grund. Wir müssen uns nicht vergleichen und nicht nach einer Berechtigung suchen.

Wir werden alle sterben - früher oder später. Und wir dürfen gemeinsam trauern, um unsere Verluste und die des anderen.

Geteiltes Leid ist wahrscheinlich nicht halbes Leid, aber es ist tröstlich, zu wissen: Ich bin nicht allein.
 

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