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© Mary Tayler / pexels.com

07.04.2024 / Serviceartikel / Lesezeit: ~ 8 min

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

Heute fange ich an

6 Tipps, um lästige Alltagspflichten anzugehen und neue Gewohnheiten zu etablieren.

Schon wieder ist das erste Quartal des Jahres um. Ruckzuck, vorbei. Meine kleine persönliche Bestandsaufnahme war gleichsam ernüchternd wie überraschend. Ich habe Dinge vorangebracht, von denen ich im Januar nie gedacht hätte, dass sie mal auf meiner To-Do-Liste landen würden, dafür ging es bei einigen Langzeit-To-Dos sehr schleppend voran.

Irgendwie klappt es mit dem „Früh ins Bett gehen“ und dem Sport immer noch nicht so wie erhofft. Wenn auch bei dir ein gewisser Frust nach dem ersten Quartal herrscht und du jetzt zum Frühling noch einmal richtig durchstarten willst, habe ich einige Tipps für dich parat, die Alissa Levy in ihrem Buch „Heute fange ich an“ auf knackig-kurze wie humorvolle Art zusammengetragen hat.

1. Zum Start: Mach eine Bestandsaufnahme!

Was will ich eigentlich und wo stehe ich jetzt? Wenn du merkst, dass du die Weichen in deinem Alltag gerne anders stellen möchtest, ist dies die erste und wichtigste Frage. Oft überspringen wir diesen Part. Denn wir wissen ja schon, was anders werden soll. Ja, das stimmt. Aber wissen wir es wirklich?

Ich habe zwar eine Vorstellung von meinem Zukunfts-Ich, aber oft nicht davon, welche Auswirkungen die nötigen Anpassungen auf meine heutigen Routinen haben. Früher ins Bett gehen würde bei mir bedeuten, meine einzige wirkliche Me-Time zu beschneiden. Daher mache ich es nicht. Erst wenn ich es schaffe, mir Me-Time zu einer vernünftigen Uhrzeit freizuräumen, werde ich freiwillig früher ins Bett gehen.

Daher lohnt es sich vor einem ersten Handlungsschritt alle Lebensbereiche anzuschauen:

  • Wie sieht meine Morgenroutine aus? Habe ich überhaupt eine?
  • Welchen Anteil haben Arbeit und Care-Arbeit in meinem Alltag?
  • Wie sieht mein Arbeitsweg aus und wie lange brauche ich dafür?
  • Wie organisiere ich meinen Haushalt und die Essenszubereitung?
  • Wie viel Zeit nehme ich mir für Sport und Freizeit?
  • Habe ich eine Abendroutine und hilft diese mir dabei abzuschalten?

Alle diese Fragen können mir helfen, ein rundes Bild meines jetzigen Alltags zu bekommen und dann kann ich weiterüberlegen: Wo besteht Optimierungsbedarf und womit bin ich zufrieden und möchte daher auch nichts ändern?

2. Kopf voller To-Dos? Halte das Wichtige fest!

Oft sind wir überfordert von den vielen Dingen, die wir angehen möchten. Da steht der große Frühjahrsputz an, der Jahresurlaub will gebucht werden und da war auch noch die Steuererklärung. Hier hilft es die „Brain-Dump-Methode“ anzuwenden, wie Levy sie nennt. Eine sehr ähnliche Methode kenne ich von Annika Bühnemann als „Alles-aus-dem-Kopf-Methode“.

Die Methode ist einfach und effektiv. Alles, was bedacht oder getan werden muss, wird festgehalten, und zwar in dem Moment, in dem es dir einfällt. Denn aus dem Kopf heißt Entspannung fürs Gehirn. Ob du dafür die Notizen-App nutzt, wie Levy es vorschlägt, oder die To-Do-App, was mein eigener Favorit dafür ist, oder klassisch zum Notizbuch, Kalender oder Journal greifst, das ist egal.

Wichtig ist nur: Den ganzen Wust aus dem Kopf aufs Papier oder in eine App zu bringen. Ob und nach welchem Muster du dann deine To-Dos sortierst, ist Typsache.

Levy empfiehlt, regelmäßig (im Idealfall wöchentlich) die Liste durchzugehen und die nächste Woche zu planen. Ich selbst schiebe eine Aufgabe oft schon direkt beim Erstellen in den richtigen Ordner.

In Notizen-Apps wie OneNote oder EverNote kann man längere Infos besser festhalten; in Aufgaben-Apps wie To-Do oder Trello wird Erledigtes durchs Abhaken automatisch unsichtbar. Bei einem haptischen Notizbuch oder einem Kalender ist der Brain-Dumping-Effekt durch das Schreiben mit Hand am größten. Es lohnt sich hier auszuprobieren, was einem selbst am meisten zusagt.

3. Neue Gewohnheiten: Tracke deinen Erfolg und belohne dich!

Neue Gewohnheiten zu etablieren ist schwer. Denn eine Gewohnheit ist quasi eine Autobahn aus bereits geebneten Nervenbahnen im Gehirn. Man muss keine großen Entscheidungen mehr treffen, sondern folgt einfach der bereits vorgebenden Straße.

Daran scheitern auch oft unsere Vorsätze. Denn wir müssen für neue Gewohnheiten quasi einen Trampelpfad durch den Dschungel unseres Gehirns bahnen, bis dieses versteht: Das ist der neue Weg. Erst ab diesem Punkt ist es für uns normal, dass wir abends zehn Minuten Sportübungen machen oder in der Bibel lesen, anstatt eine Serie zu gucken. Bis dahin ist es ein Kampf!

Um unserem Gehirn diesen Umlernprozess zu erleichtern, gibt es einige Tricks. Das Entscheidendste ist, die neue Gewohnheit mit positiven Gedanken zu verbinden.

Wenn ich abends denke: „Jetzt muss ich noch Bibel lesen“, sind meine Erfolgsaussichten gering. Wenn ich es aber mit einem positiven Gedanken verbinde wie „Wenn ich jetzt noch in der Bibel lese, erfahre ich Neues über Jesus“, steigen meine Erfolgschancen, die neue Routine zu etablieren, enorm.

Unser Gehirn reagiert positiv auf Belohnungen. Als ich mir 2020 eine Schreibroutine für meine Romanprojekte aufbauen wollte, habe ich mich belohnt, wenn ich ein gewisses Zeitpensum oder Ziel erreicht hatte. Damals war das der Kick, den ich brauchte, um ins Tun zu kommen. Heute schaue ich kaum noch auf meinen Belohnungszettel, das Vorankommen ist meine Belohnung.

Das Tracken einer neuen Gewohnheit funktioniert in vielen Fällen aber auch ohne Belohnung. Schon das regelmäßige Festhalten, ob ich eine Gewohnheit erfüllt habe oder nicht, schafft einen Anreiz, sich nicht zu drücken. Auf der Webseite des Knesebeck Verlags kann man sich eine Vorlage für einen Habit-Trackers herunterladen, auch in vielen Kalendern findet man mittlerweile Gewohnheitstracker.

Hilfreich ist auch, mit dem Etablieren einer neuen Gewohnheit nicht zu warten, bis mal weniger los ist. Erstens passiert das selten und ist oft nur eine Ausrede zum Prokrastinieren, zweitens sind die Erfolgsaussichten für Gewohnheiten, die man in stressigen Zeiten etabliert, höher. Denn eine Gewohnheit muss sich ja im normalen Alltag mit all seinen Stressmomenten bewähren.

Es ist ratsam, für neue Gewohnheiten erstmal einen Plan zu erstellen, die Gewohnheit zwei Wochen zu testen und dann noch einmal nachzujustieren. Vielleicht eignen sich jeden Tag fünf Minuten Sport besser als dreimal die Woche 30 Minuten oder vielleicht ist der Morgen ein besserer Zeitpunkt zum Bibellesen als der Abend. Das kann man mit einem solchen Testlauf herausfinden.

4. Entscheidungen: Zögere nicht mehr mit der 10-10-10-Methode!

Entscheidungen fallen mir seit jeher schwer. Als kreativer Mensch gehe ich oft alle Möglichkeiten im Kopf durch und irgendwie hat jede Option ihre Vor- und Nachteile. Soll ich im Sommer nach England oder in die Berge fahren? Schaue ich eine Actionserie oder einen Liebesfilm? Es gab Abende, wo die Auswahl eines Films fast so lange wie der Film dauerte. Was für eine Lebenszeit-Verschwendung!

Für alle Entscheidungs-Muffel wie mich hat Alissa Levy einen Tipp parat, um schneller gute Entscheidungen zu treffen – und zwar die 10-10-10-Methode. Bei dieser Methode stelle ich mir nacheinander vor: Wie fühle ich mich mit dieser Entscheidung in zehn Minuten, in zehn Monaten und in zehn Jahren?

Hier wird deutlich: Mein Filmdilemma wird in zehn Monaten keine Relevanz mehr haben. Darüber lange nachzudenken, ist völlig sinnlos. Das mit dem Urlaub wird mich vielleicht noch in zehn Monaten beschäftigen und eventuell werde ich sogar in zehn Jahren noch von dem großartigen Urlaub schwärmen, aber ob dafür entscheidend ist, an welchen Ort ich fahre, wage ich zu bezweifeln.

Die 10-10-10-Methode kann helfen, zu unterscheiden, welche Relevanz eine Entscheidung für mein zukünftiges Leben hat, und mich freisetzen, kleine Entscheidungen zügiger zu treffen.

Für die großen Entscheidungen hilft dann die berühmte Pro- und Kontra-Liste mit den Fakten, die für oder gegen eine Sache sprechen.

Hier hilft es übrigens sehr, auch das eigene Bauchgefühl abzuchecken. Denn meist trifft mein Bauch lange vor meinem Verstand eine Entscheidung. Mein Kopf ist dann nur noch damit beschäftigt, diese rational zu begründen. Wenn ich das einmal verstanden habe, lerne ich schneller und selbstbewusster zu entscheiden. Denn dann beginne ich meinem Bauch zu vertrauen und erspare mir den Umweg, meinen Verstand noch zwei Wochen alle Optionen gegeneinander abwägen zu lassen.

5. Haushalt: Bestimme deinen Standard und setze dir Regelaufgaben!

Wir alle kennen sie: Die lästigen Pflichten des Alltags, auf die niemand Bock hat, aber um die man auch nicht herumkommt. Dazu gehören Regelaufgaben im Haushalt ebenso wie die tägliche Frage, was es zum Essen geben soll.

Alissa Levy rät die Haushaltspflichten beherzt anzugehen. Auch hier schlägt sie erstmal eine Bestandsaufnahme vor. Statt darüber zu verzweifeln, wie unordentlich es bei mir im Gegensatz zu meiner besten Freundin aussieht, hilft es einmal kurz die Stopptaste zu drücken und mich zu fragen: Was ist mir genug? Wie ordentlich will ich es haben, damit ich mich wohlfühle?

Denn seien wir mal ehrlich: Jeder von uns hat bessere Dinge zu tun, als zu saugen, zu putzen oder Wäsche zu waschen. Die Frage ist aber hier nicht: Mache ich es oder mache ich es nicht? Diese Frage erledigt sich von selbst. Sondern die Frage sollte lauten: Wie viel, wie oft und wann mache ich es?

Levy rät dazu, erstmal den eigenen Standard festzulegen, und zwar nicht den Idealstandard („So war es immer bei Mama“), sondern einen Standard, den ich halten kann und will. Als zweiten Schritt lohnt es sich, die einzelnen Aufgaben in tägliche, wöchentliche und monatliche To-Dos einzuteilen.

Hier hilft es, bestimmte Aufgaben immer am selben Tag zu machen. Meine Wäsche erledige ich immer am Freitag. So vergesse ich das nicht und plane bewusst an diesem Tag Zeit dafür ein. Wie automatisch das mittlerweile funktioniert, merke ich immer dann, wenn ich spontan auf einen anderen Tag wechseln muss.

Auch ein täglicher kleiner Ordnungs-Reset von 10 bis 15 Minuten hilft, damit sich Aufgaben nicht aufstauen und am Wochenende wie ein Berg vor einem stehen.

Unregelmäßigere To-Dos wie Frühjahrsputz, Fensterputzen oder Rasenmähen kann man sich als Termin im Kalender notieren. So wird es nicht vergessen, ohne dass ich noch extra daran denken muss.

In puncto Essensvorbereitung rät Levy, einmal wöchentlich die Gerichte der nächsten Tage festzulegen und die Zutaten dafür einzukaufen. Auch hierfür kann man sich einen festen Wochentag setzen. In einer Rezeptbox oder einem Notizbuch kann man sich leckere Gerichte notieren, die man öfter machen will. Dann hat man eine Auswahl, wenn wieder die Frage ansteht: Was essen wir nächste Woche?

6. Finanzen: Verschaff dir einen genauen Überblick!

Finanzen sind für viele Menschen ein heikles Thema. Die einen geben nur das Nötigste aus und sparen für schlechte Zeiten“, andere denken sich eher „Hauptsache, es ist genug zum Leben da“. Das ist in Zeiten, wo man nahezu alles per App oder Karte zahlen kann und leicht den Überblick über die eigenen Finanzen verliert, umso wichtiger. Wie also sieht ein bedachtsamer Umgang mit Geld aus?

Levy rät dazu, die monatlichen Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen, am besten in einer Übersicht für das ganze Jahr. Ein weiterer Tipp von ihr ist, die Ausgaben zu unterteilen, damit man sieht, welche Fixkosten man hat. Sinnvoll ist es, 50 Prozent des Einkommens von vorneherein für Fixkosten und notwendige Ausgaben zu veranschlagen. Die anderen 50 Prozent kann man in Rücklagen (20 Prozent) und Ausgaben für das eigene Glück (Ausflüge, Hobbies, etc.) investieren.

Natürlich muss man anmerken, dass es etliche Haushalte gibt, in denen die Fixkosten mehr als die veranschlagten 50 Prozent ausmachen. Dann bleibt weniger zum Ansparen oder für persönliche Ausgaben. Aber auch das sieht man erst dann genau, wenn man sich einmal eine Übersicht zum Beispiel in Excel erstellt, und kann dann überlegen, wie man damit umgehen will.

Auch schützt keine noch so gute Finanzplanung vor Armut und die Auflistung der eigenen Finanzen vermehrt auch nicht mein Geld. Aber es kann helfen, sich mit diesem leidlichen Thema zu befassen, um herauszufinden, wo ich mehr sparen sollte oder beherzt einen größeren Kauf wagen kann.
 

 Rebecca Schneebeli

Rebecca Schneebeli

  |  Redakteurin

Rebecca Schneebeli ist Literaturwissenschaftlerin und arbeitet nebenberuflich als freie Lektorin und Autorin. Die Arbeit mit Büchern ist auch im ERF ihr Steckenpferd. Ihr Interesse gilt hier vor allem dem Bereich Lebenshilfe, Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungspflege. Mit Artikeln zu relevanten Lebensthemen möchte sie Menschen ermutigen.

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Kommentare (2)

G.W. /

PS: Natürlich für uns, die wir an JESUS glauben, ist klar: Eph. 2.10 wir sind geschaffen, um in den guten Werken zu leben, die unser HERR bereitet hat...
und: über kurz oder lang wird von IHM mehr

G.W. /

Danke für diese Lebenshilfe. Sehr zu empfehlen.
...das bringt praktischen Glaubensgehorsam, weil der HERR d i e Werke für mich vorbereitet, die ich tun soll, was mein Leben segens- und sinnerfüllt macht.

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