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© Jan Tinneberg / unsplash.com

22.07.2021 / Service-Artikel / Lesezeit: ~ 2 min

Autor: Susanne Ospelkaus

Neustart

Warum ein Neustart ein Privileg ist und wie er gelingen kann.


Der Mensch ist so geschaffen, dass er auf Veränderung reagieren und sie sogar herbeiführen kann. Zeitlebens sind wir lernfähig. Wir können neue Sprachen und Tanzen lernen, ungute Angewohnheiten ablegen und Neues ausprobieren – psychologisch und physiologisch haben wir die Voraussetzungen. Doch was braucht es, um neu durchzustarten?
 

Platz schaffen

Unser Hirn lässt sich mit einem Computer vergleichen. Wenn zu viele Programme gleichzeitig laufen oder veraltet sind, wird das Hirnkastl immer langsamer. Wir fühlen uns überfordert, antriebslos oder müde. Die Fragen lauten: „Was will ich nicht mehr tun? Was kann ich weglassen, um Platz schaffen? Was möchte ich verändern?“ Klarheit lässt sich finden, indem wir Ideen notieren, denn je präziser die Gedanken sind, umso besser lassen sie sich umsetzen.
 

Motivationsbilder suchen

Gefühle aktivieren unser Denken und Handeln. Positive Gefühle wie Freude, Interesse, Ehrfurcht, Lust oder Hoffnung geben uns die Schubkraft, um sich ins in Neuland zu bewegen. Welche Emotionen schwingen mit, wenn ich an einen Neustart denke? Was sehe ich, wenn ich mir den neuen Job vorstelle? Wie fühlt es sich an, wenn ich mich von Stereotypen und Erwartungshaltungen befreie?

Auf positive Emotionen reagieren Hirn und Herz. Wir sind motiviert, und um diese Energie nicht zu verlieren, sollten wir uns ein unterstützendes Umfeld suchen, denn Miesmacher und Meckertanten verharren im Alten und hassen Neustarts.
 

Zeit lassen

Wenn wir uns eine neue Gewohnheit aneignen oder auf neuen Wegen gehen wollen, brauchen wir Zeit, um uns psychisch und physisch darauf einzustellen. Erkenntnisse in der Astronautenforschung zeigten: Unser Körper braucht bis zu 40 Tage, damit sich Lerneffekte in uns festigen. Astronauten lernten, mit der Schwerelosigkeit umzugehen, wenn sie mindestens 30 Tagen in dieser lebten. Erst dann stellte sich ein Lerneffekt im Gehirn ein, der sich auch auf den Körper erstreckte. Brach ein Astronaut vorher ab, musste er das Training von vorn beginnen.

Diese Kenntnis lässt sich auch auf andere Lernprozesse übertragen. Um eine Verhaltensweise zu ändern, müssen wir Zeit einplanen. Ist mit einem Neustart ein neuer Lebensabschnitt verknüpft, stellen sich neben Vorfreude auch Wehmut ein. Man verlässt eine Phase, die auch viel Schönes hatte, die nie wiederkommt oder die einen die eigenen Grenzen aufzeigt. In diesem Prozess brauchen wir Geduld, um das Eine loszulassen und das Andere willkommen zu heißen.

Auch hier passt der Vergleich mit einem Computerprogramm. Wenn eine Neuinstallation ansteht, fordert mich der PC auf: „Bitte haben Sie Geduld!“ Wir brauchen Geduld mit unseren ambivalenten Gefühlen, wenn Trauer und Zweifel, Mut und Vorfreude nebeneinander existieren, bis Neues in unserer Seele heimisch geworden ist.
 

Wir sind privilegiert

Selbst wenn der Neustart schmerzhaft ist, dürfen wir für die Möglichkeit dankbar sein, sich oder das Umfeld aktiv zu verändern. Uns wurden Zeit und Ressourcen, Mut und Hoffnung geschenkt. Und wenn ich keinen Neustart brauche? Ja, dann sei ein Ermutiger, der anderen beim Neustart zujubelt.

 

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