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© Mubariz Mehdizadeh / unsplash.com

25.09.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 10 min

Autor: Steffen Brack

Wie gewonnen ... (2)

Wo unser Leben wirklich gut aufgehoben ist.

 

 

Das Bedürfnis, unser eigenes Leben irgendwie abzusichern, ist offenbar tief in unserer menschlichen Natur verwurzelt. Doch der Versuch, das durch mehr Geld, mehr Besitz und mehr Erfolg zu erreichen, ist trügerisch. Jesus kommt zu dem Schluss: Der Glaube, dass ich durch immer noch mehr Geld und Besitz mein Leben absichern kann. Dieser Glaube ist ein Irrtum. Ein Denkfehler. Ein Trugschluss. Lesen Sie hier Teil 2 des Artikels.
 

„Du bist so dumm!“

Aber warum ist das eine Fehleinschätzung? Ein Irrtum? Eine falsche Annahme? Jesus erklärt das in seiner Beispielgeschichte von dem reichen Menschen. In den letzten beiden Sätzen spricht er davon. Da heißt es im Bericht des Arztes Lukas, Kapitel 12, Vers 20 und 21:

Aber Gott sagte zu ihm: ›Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich deine Seele – dein Leben – von dir zurückfordern! Wem gehört dann dein Besitz?‹« Und Jesus schloss: »So steht es mit allen, die für sich selber Besitz aufhäufen, aber bei Gott nichts besitzen.« (Lukas 12,20-21).

 

Natürlich weiß Jesus, dass wir etwas zu essen brauchen – und zu trinken. Und auch Kleidung. Natürlich brauchen wir das alles, sonst können wir nicht leben.

Die Frage ist jetzt aber: Vertraue ich auf meinen Besitz und mein Geld, damit ich das alles in Zukunft auch habe? Und genau das macht der reiche Mann in der Geschichte. Und Jesus‘ Meinung dazu ist eindeutig: „Du bist ein Narr.“ Das heißt im Grunde genommen: du bist ein Dummkopf. Deshalb übersetzt eine Bibelübersetzung auch sehr treffend: „Wie dumm du doch bist!“ (Lukas 12,20)

Das ist deutlich, wenn auch vielleicht nicht gerade schmeichelhaft. Warum ist es dumm, wenn ich die Grundbedürfnisse meines Lebens stillen will und dazu auf mein Geld und meinen Besitz vertraue? Die Antwort ist einfach. Kein Besitz und kein Geld der Welt können mein Leben und meine Existenz wirklich absichern. Denn wenn der Tod auf mich zukommt, dann nützt es mir überhaupt nichts, wenn mein Bankkonto phantastisch hohe Summen aufweist.

Jesus drückt das so aus: Aber Gott sagte zu ihm: Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich deine Seele – dein Leben – von dir zurückfordern! Wem gehört dann dein Besitz?‹“ Unser Leben, auch Ihres und meins, liegt in der Hand Gottes. Und zwar ganz und gar. Ich kann noch so viel besitzen. Wenn die Zeit gekommen ist, dass mein Leben zu Ende geht, dann kann daran kein Reichtum etwas ändern. Und selbst wenn er noch so groß ist.
 

Auf‘s „richtige Pferd“ setzten

Deshalb erzählt Jesus die Geschichte von dem reichen Mann. Denn er will nicht, dass wir auf’s falsche Pferd setzten, wenn es um unser Leben geht. Also nicht auf Reichtum, Geld und Besitz. Sondern dass wir unser Leben dem anvertrauen, bei dem es wirklich gut aufgehoben ist. Und das ist Gott. Und nur er – und nichts und niemand anderes.

Jesus formuliert das so: „So steht es mit allen, die für sich selber Besitz aufhäufen, aber bei Gott nichts besitzen.“ Es ergibt auf Dauer einfach keinen Sinn, immer mehr Geld zu verdienen, immer mehr Besitz anzuhäufen, weil der Hunger so groß ist – der Hunger nach mehr. Weil sich die Sehnsucht nach einem abgesicherten Leben einfach nicht stillen lässt. Jedenfalls nicht mit Geld und Besitz.

Aber Gott kann sie stillen. Gott kann sie stillen – die Sehnsucht nach einem Leben, das gut aufgehoben ist. Gut aufgehoben in den stärksten und liebevollsten Händen der Welt. In den ewigen Händen Gottes. Das meint Jesus, wenn er hier sagt: Es kommt darauf an, dass ihr bei Gott reich seid. Dass ihr ihm vertraut. Dass ihr das Wohlergehen eures Lebens ganz in seine Hände legt. Denn Gott ist vertrauenswürdig. Auf ihn könnt ihr euch verlassen. Hier in dieser Welt. Und ebenso in der neuen Welt, die Gott schaffen wird. Und in der es wieder so sein wird, wie es am Anfang gewesen ist. Eine Welt, vollkommen gut. Und nichts mehr wird unser Leben bedrohen. Und alle, die hier in diesem Leben ihr Vertrauen auf Gott setzen, die werden in der neuen Welt dabei sein.

Genau an diesem Punkt scheitert der reiche Mensch in der Geschichte von Jesus. Er hat nur irdische Reichtümer aufgehäuft. Und sein Vertrauen darauf gesetzt. Aber sein Verhältnis zu Gott hat er nicht geklärt. Er hat seinem Schöpfer nicht vertraut. Und wird in Gottes herrlicher neuer Welt nicht dabei sein. Und davor warnt Jesus. Seine Zuhörer damals und jeden von uns heute. Setzte nicht aufs falsche Pferd. Sondern vertraue Dich Gott an. Und lege Dein ganzes Leben in seine guten Hände. Und er wird für Dich sorgen. Hier in diesem Leben und weit darüber hinaus. Bis hinein in die Ewigkeit. In seine neue Welt.
 

Ein geheimnisvolles Wesen?

Auf ein Detail will ich noch hinweisen: Jesus spricht in seiner Geschichte drei Mal von der Seele. Da heißt es:

Dann kann ich das ganze Getreide und alle meine Vorräte dort unterbringen und kann zu meiner Seele sagen: Liebe Seele! Jetzt bist du auf viele Jahre versorgt. Gönne dir Ruhe, iss und trink nach Herzenslust und genieße das Leben!‹“ Und später noch einmal: „Du Narr, noch in dieser Nacht werde ich deine Seele von dir zurückfordern!‹

 

Das Wort für „Seele“ lautet im griechischen Bericht des Lukas „psychä“. Und das heißt übersetzt „die Seele“ oder „das Leben“. Im Deutschen leitet sich ein bekanntes Fremdwort von dem griechischen Begriff ab: „die Psyche“. Wenn im griechischen Teil der Bibel, im Neuen Testament, von der „Seele“ des Menschen die Rede ist, kommt i.d.R. genau dieser Begriff vor: „psychä“.

Nun verbindet Jesus hier „die psychä“ – „die Seele“ jedes Menschen – mit Essen und Trinken. Liebe Seele! Gönne dir Ruhe, iss und trink nach Herzenslust“. Das klingt für unsere westliche Vorstellungswelt merkwürdig, dass unsere Seele essen und trinken soll. Einige einflussreiche griechische Philosophen der Antike haben die Seele ganz anders verstanden. Sie meinten, die Seele sei eine Art eigenständiges Wesen, die die eigentliche Person des Menschen ausmacht.

Im Gegensatz zum Körper besteht die Seele hierbei nicht aus Materie. Und damit ist sie auch vom Körper unabhängig. Nach dieser Vorstellung bewohnt die Seele den Körper nur vorübergehend. Und sie gebraucht ihn wie ein Instrument oder Werkzeug. Und wenn der vergängliche Leib stirbt, werde die Seele vom Körper getrennt. Die Seele selbst aber lebt weiter. Sie gilt letztlich als unsterblich.

Der sterbliche Körper hat mit der eigentlichen Person des Menschen nichts zu tun. Und deshalb ist er nach dieser Vorstellung unwesentlich. Ja, er kann sogar als Belastung oder Hindernis für die Entfaltung der Seele verstanden werden. „Der Körper ist das Gefängnis der Seele!“ Diese bekannte Aussage fast dieses Verständnis von der menschlichen Seele treffend zusammen. Auch wenn jene Ansichten über die menschliche Seele mehrere tausend Jahre alt sind: bis heute prägen diese uralten Aussagen einiger griechischer Philosophen das Denken vieler Menschen in Europa und Nordamerika.

Jetzt sagt Jesus aber: Die psychä des Menschen, also seine Seele, sein Leben, braucht etwas zu essen und zu trinken, um am Leben zu bleiben. Damit macht er deutlich, dass er die Seele des Menschen völlig anders versteht als jene Philosophen der Antike. Zum Verständnis davon, wie der Mensch beschaffen ist, findet sich in der Bibel gleich zu Anfang eine ganz grundlegende Aussage:

[...] da bildete Gott, … den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele (1. Mose 2,7).

 

Hier werden bereits drei wesentliche Aspekte des Menschseins beschrieben. Aber die werden nicht so scharf voneinander abgegrenzt, wie das vielleicht in unseren Vorstellungen der Fall ist.

Gott erschafft den Menschen und bildet zunächst aus der Materie des Erdbodens offensichtlich dessen Körper. Und nachdem Gott ihm den Lebensatem eingehaucht hat, wird der Mensch eine „lebendige Seele“. So heißt es hier. Dem wohl noch leblosen Körper haucht Gott den Lebensatem ein. Und dadurch wird der Mensch eine „lebendige Seele“. Der Mensch bekommt also keine Seele. Sondern aus der Verbindung von Körper und Lebensgeist wird er zu einer lebendigen Seele.

Unter der Seele verstehen die biblischen Aussagen also mehr die untrennbare Einheit aus Körper und Lebensgeist, wie das Wort Lebensatem auch übersetzt werden kann. Die Seele wohnt also nicht im Körper. Wie gezeigt, stammt diese Vorstellung vielmehr von einem bestimmten Zweig der griechischen Philosophie der Antike. Dagegen bezeichnet „die Seele“ in der Bibel eher die Summe des äußeren Menschen und des inneren Menschen (Lukas 11,40; Römer 7,22; Epheser 3,16; 2. Korinther 4,16). Also die untrennbare Einheit von Körper und dem Inneren des Menschen. Also sein Denken, Fühlen und Wollen.

An manchen Stellen wird jener innere Mensch „Geist“ genannt (Sacharja 12,1; 1. Korinther 2,11). Ebenso gut kann aber auch einfach vom „Inneren“ des Menschen die Rede sein (Hiob 19,27; Psalm 39,4). Weil die Seele also nicht wie ein eigenständiges Wesen im Körper wohnt, wird der Leib auch nicht als „das Gefängnis der Seele“ betrachtet.

Dabei habe ich allerdings nicht den Eindruck, dass die biblischen Aussagen den Menschen in einer Art mathematischen Formel darstellen wollen. Etwa nach dem Motto Köper + Geist = Seele. Die Begriffe gehen vielmehr ineinander über. Soweit einmal diese Nebenbemerkung zu dem Umstand, dass Jesus davon spricht: Die Seele, das Leben jedes Menschen, braucht etwas zu essen und zu trinken.
 

Kein Besitz ist auch keine Lösung

Mit seiner Geschichte von dem reichen Menschen warnt Jesus uns. Denn es ist ein verhängnisvoller Irrtum, wenn ich mein Vertrauen auf Geld und Besitz setze, um mein Leben damit abzusichern. Mein Leben ist nur bei einem wirklich gut aufgehoben. Nämlich bei dem lebendigen Gott. Und dem kann ich vertrauen. Ganz und gar. Davon spricht Jesus. Er sagt damit aber nicht, dass jeglicher Besitz schon etwas Schlechtes ist.

In der Bibel gibt es dazu einen genialen Satz – wie ich finde. Und zwar im Alten Testament, im Buch der Sprüche. Da heißt es im Kapitel 30, Verse 8 und 9:

Gott, … lass mich weder arm noch reich sein! Gib mir nur, was ich zum Leben brauche! Habe ich zu viel, so sage ich vielleicht: »Wozu brauche ich Gott?« Habe ich zu wenig, so fange ich vielleicht an zu stehlen und bringe deinen Namen in Verruf.

 

Immer mehr – oder zuerst das Wichtigste?

Jesus geht es in der Geschichte von der Superernte und dem reichen Menschen nicht darum, dass wir gar nichts besitzen sollen. Sondern er warnt davor: Setze dein Vertrauen nicht auf den trügerischen Reichtum. Was nützt es denn, wenn du ständig auf der Jagd nach immer mehr bist, wenn du dabei das allerwichtigste in deinem Leben vergisst. Und das ist: dein Verhältnis zu deinem Schöpfer klären. Nach dem fragen, der es so unendlich gut mit dir meint. Nach Gott nämlich. Und dein Vertrauen auf den Lebendigen setzen, auf den Herrn über Himmel und Erde. Der dich sicher durch dieses Leben führen will. Und sicher über die Schwelle des Todes. Hinein in seine neue Welt. Die vollkommen gut ist.

Zusammengefasst hat Jesus das alles in einem Satz: Aufgeschrieben im Neuen Testament, im Bericht des Markus über Jesus, Kapitel 8, die Verse 36 und 37. Da sagt Jesus:

Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert? Womit will er es dann zurückkaufen?

 

Alles auf eine Karte

In den 1920er Jahren wird ein italienischer Artist weltberühmt. Der Jongleur Enrico Rastelli steigert seine Kunst auf ein bis dahin nicht gekanntes Niveau. Als erster soll er es geschafft haben, zehn Bälle gleichzeitig zu jonglieren. Nach seinem beispiellosen Erfolg, den er in den Jahren in New York gefeiert hat, kehrt er zurück nach Europa. Damals natürlich mit dem Schiff.

Wie bei vielen berühmten Menschen, rankt sich auch um ihn die ein oder andere Legende. Geschichten, die so nicht wirklich passiert sind. Aber das Thema vom Reichtum und wie trügerisch es ist, darauf zu vertrauen – dieses Thema macht die folgende Geschichte derart anschaulich, dass ich sie erzählen will.

Der junge Artist hat sein ganzes Vermögen genommen, das er in den vergangenen Jahren in New York verdient hat, und von dem Geld einen riesigen Diamanten gekauft. Den steckt er in seine Jackentasche und geht an Bord. Auf der Reise zurück nach Europa steht er eines Tages mit ein paar anderen Passagieren an Deck. Und zwar direkt an der Reling. Die Unterhaltung ist im vollen Gang. Und schließlich zieht er seinen Diamanten aus der Tasche und zeigt ihn stolz seinen Mitreisenden. Er funkelt in seiner Hand – fast wie Stern.

Gut gelaunt und übermütig wirft er ihn in die Luft. Und fängt ihn mit traumwandlerischer Sicherheit wieder auf – mit der gleichen Hand. Das Publikum johlt und applaudiert begeistert. Das veranlasst den Jongleur natürlich, seinen Schatz wieder in die Luft zu werfen. Diesmal schon deutlich höher. Aber auch jetzt fängt er den Diamanten wieder auf. Und das wieder absolut sicher. Und mit einer Leichtigkeit, als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt.

Nach einigen weiteren geglückten Versuchen kündigt er an: „Jetzt werde ich den Diamanten so hoch werfen, dass Sie ihn nicht mehr erkennen können. Meinen Diamanten, in dem mein ganzes Vermögen steckt.“ Die Umstehenden halten die Luft an. Und der junge Jongleur wirft. Der Diamant fliegt höher als je zuvor und ist nicht mehr zu erkennen. Da wird das Schiff von einer Welle erfasst und etwas zur Seite gedrückt. Nicht viel, aber doch genug, dass der Diamant nicht mehr auf dem Deck landet. Sondern mit einem leisen Platschen im Meer verschwindet. Und mit ihm das gesamte Vermögen des Artisten.

Hier finden Sie Teil 1 des Artikels.

 

 Steffen Brack

Steffen Brack

  |  Redakteur und Theologe
Theologe und Redakteur, verheiratet, drei Kinder. Begeistert von Gottes unerschütterlicher Liebe.

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Kommentare

Steffen Brack ERF Redaktion /

Sehr gerne.

Helene /

Danke für den sehr interessanten Beitrag und die tollen Ausführungen zur "Seele". Das war sehr faszinierend! :) Ich wünschte, wir alle würden dauerhaft verstehen, dass das übermäßige Streben nach vermeintlichen, weltlichen Sicherheiten nur "Haschen nach Wind" ist und das Wesen der Welt keine Sicherheit , sondern stete Veränderung bedeutet. Wie gut, dass aber Gott ewig und unveränderlich ist.

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