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13.03.2023 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Katrin Faludi

Bot oder Gott?

Künstliche Intelligenz gab es schon in der Bibel.

Telekommunikationsanbieter sind lustig. Sie verkaufen uns die theoretische Möglichkeit der Telekommunikation. Kommt es bei der praktischen Umsetzung aber zu Problemen, liegt die Bedeutung des Wörtchens tele, was übersetzt „fern“ bedeutet, plötzlich sehr nah: Telekommunikationsanbieter heißen so, weil es ihnen fernliegt, mit ihren Kunden zu kommunizieren. Wussten Sie das?

Um den direkten Kontakt mit den Kunden zu umgehen, nutzen die Anbieter sogenannte „Künstliche Intelligenz“. Das sind zum Beispiel automatisierte Chats, die Kundenfragen beantworten, oder Telefonmenüs, die sich per Sprache steuern lassen. Künstlich klingen die Stimmen, keine Frage.

Intelligenz ist mir in diesem Zusammenhang bislang jedoch noch nicht begegnet. Die KI kann vorprogrammierte Antworten auf Standardfragen liefern, alles andere übersteigt ihre Fähigkeiten. Das war mir bewusst, als ich mit einem speziellen Anliegen bei meinem Anbieter anrief und mit künstlicher Freundlichkeit begrüßt wurde:

„Bitte sagen Sie mir (!) deutlich (!) Ihr Anliegen.“
– „ICH MÖCHTE MIT EINEM ECHTEN MITARBEITER SPRECHEN, NICHT MIT EINEM COMPUTER!“
„Vielen Dank für Ihren Anruf. Auf Wiederhören!“


Das ist wirklich so passiert. Es war nicht möglich, mittels Künstlicher Intelligenz mit einem atmenden, denkenden Wesen aus Fleisch und Blut in Kontakt zu treten, das mir bei meinem speziellen Anliegen weiterhelfen konnte. Und wenn es nur ein trainierter Affe gewesen wäre.

Wissen Sie, woran mich das erinnert? An Psalm 115. Das mag Sie überraschen, aber in gewisser Weise geht es auch da um Telekommunikation und künstliche (Nicht-)Intelligenz. Schauen Sie mal:

„Warum dürfen die anderen Völker sagen: „Wo ist denn ihr Gott?“ – Unser Gott ist im Himmel, und er tut alles, was er will“ (Psalm 115,2-3).

Hier haben wir es zunächst mit Telekommunikation zu tun. Für die „anderen Völker“ (fremden Glaubens) ist Gott so tele, also fern, dass sie gar nicht wissen, wo er sich befindet. Der Verfasser des Liedes aber kennt Gottes Aufenthaltsort: Im Himmel.

Etliche der Psalmen sind Gebete an diesen Gott im Himmel. Telekommunikation at its finest. Denn sie funktioniert, auch wenn sie zuweilen den Eindruck erweckt, nur einseitig stattzufinden und die Warteschleifen manchmal unerträglich lang erscheinen.

Die „anderen Völker“ können mit einem „Gott im Himmel“ nichts anfangen. Sie halten sich lieber an Götter, die sie selbst gemacht haben und die man deshalb sehen und anfassen kann:

„Ihre Götzen sind aus Silber oder Gold, von Menschenhand gemacht“ (Psalm 115,4).

Künstliche Intelligenz ist keineswegs neumodischer Kram. Die ältesten Belege hierfür finden wir schon im Alten Testament vor Tausenden von Jahren. Denn der Psalm geht noch weiter:

„Obwohl sie einen Mund haben, können sie nicht reden, obwohl sie Augen haben, sehen sie doch nicht! Mit ihren Ohren können sie nicht hören, mit ihren Nasen nicht riechen, mit ihren Händen nicht fühlen, mit ihren Füßen nicht gehen und aus ihren Kehlen kommt kein Laut hervor!“ (Psalm 115,5-7).

Diese Menschen haben etwas Künstliches geschaffen, in der Erwartung, dass es ihr Leben erleichtert. Sie haben konkrete Hilfe erwartet. Intelligente Reaktionen auf ihre individuellen Anliegen. Tatsächlich haben sie mit Legierungen aus den chemischen Elementen Aurum und Argentum geredet. Das war damals genauso hilfreich als würde ich heute einen Chatbot fragen, ob ich mir bei ihm den Code fürs Ewige Leben downloaden kann.

Ich finde den Begriff „Künstliche Intelligenz“ irreführend. Denn Intelligenz setzt selbständiges Denken voraus. Selbständig ist aber das Gegenteil von „vorprogrammiert“. Menschen können Maschinen bauen und programmieren, aber sie können daraus noch lange keine intelligenten, selbständigen, mitfühlenden, kreativen Wesen schaffen.

Mitgefühl ist kein Algorithmus. Kreativität ist keine Datenbank. Gott ist nicht Gold. Gott ist nicht Silber. Gott ist auch kein Plüschpinguin, den ich mir als Glücksbringer an die Tasche hänge. Ein Gott, der mit uns kommuniziert, ist nichts, was wir mit unseren Händen herstellen können, um ihn an einem sichtbaren Ort zu platzieren.

Gott ist Telekommunikation: Fern, unverortbar, unerreichbar – und zugleich so nah, dass wir ohne technische Mittel von Herz zu Herz mit ihm kommunizieren können. Wenn mich jemand fragt: „Wo ist denn dein Gott?“ Dann kann ich antworten: „Mein Gott ist im Himmel – und er tut alles, was er will.“

 Katrin Faludi

Katrin Faludi

  |  Redakteurin

Katrin Faludi hat Medienwissenschaft und Amerikanistik studiert. Hauptberuflich arbeitet sie seit vielen Jahren als Radioredakteurin, nebenberuflich ist sie Buchautorin. Zu ihren Themen gehören Lebenshilfe und seelische Gesundheit, denen sie mit einer Prise Humor sehr gerne die Schwere nimmt. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und mag alles, was mit Sprache(n) zu tun hat.

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