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© Samantha Peralta / unsplash.com

03.02.2025 / Andacht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Annegret Schneider

Hilfe von unerwarteter Seite

Eine achtsame Sklavin, ein gewagter Vorschlag und eine Genesung auf Umwegen. Eine Andacht.

Manchmal wünsche ich mir ein Wunder – und dann soll es, bitte schön, schnell gehen! Hier und da höre ich von schwierigen Situationen, die sich von einem Moment auf den anderen lösten, von wundersamen Heilungen oder von Menschen, die von jetzt auf gleich frei von unguten Gewohnheiten wurden.

Die Regel ist das allerdings nicht. Oft legen Betroffene, ob von Krankheiten, Süchten oder Sorgen aller Art, einen langen Weg zurück, bevor Besserung oder gar Heilung in Sicht ist.

Wenn du schon einmal in Not warst, weißt du, wie gut es ist, dann Menschen an der Seite zu haben, auf die du dich verlassen kannst.

Die zuhören und, wo es notwendig ist, mit anpacken. Die deine Not sehen und nicht schulterzuckend oder gar achtlos vorbeigehen.

Besonders schlimm aber ist es, wenn jemand einsam ist – aus welchen Gründen auch immer. Sei es, dass die Familie weit entfernt wohnt oder man sich in Quarantäne begeben muss. Was Quarantäne bedeutet, ist uns aus den letzten Jahren schmerzlich nahe gerückt, während wir bis dahin höchstens davon gelesen haben.

Angesehen, erfolgreich und krank

In der Bibel steht in 2. Könige 5 die Geschichte eines Feldhauptmanns. Dieser Hauptmann hat von Berufs wegen sicherlich ein beachtliches Netzwerk an Kontakten. Er ist angesehen bei seinem Vorgesetzten, dem König von Aram. Außerdem wird berichtet, dass er Familie hat. Zumindest wird seine Frau im biblischen Bericht erwähnt.

Doch dieser einflussreiche Mann hat ein Problem. Ein massives Problem. Er leidet an Aussatz und das bedeutete zu jener Zeit: ab in die Quarantäne. Denn die Krankheit war schlimm, ansteckend und gefährlich.

Ein unvorhergesehener Hoffnungsschimmer

Eines Tages aber kommt Hoffnung in Naamans Leben. Das muss vollkommen überraschend gewesen sein. In Naamans Haushalt, genauer gesagt in den Diensten seiner Ehefrau, ist ein fremdes Mädchen beschäftigt. Dieses Mädchen hatten die Soldaten Naamans aus Israel verschleppt und ausgerechnet sie sieht nicht nur das Leid Naamans, sondern macht einen – zu jener Zeit und unter diesen Umständen – gewagten Vorschlag:

Naaman soll einen Propheten in Samaria aufsuchen. Einen Propheten des Gottes Israels, auf den dieses Mädchen auch in der Fremde hofft.

Naaman spürt offenbar die ehrliche Absicht und die selbstlose Hilfsbereitschaft der jungen Dienerin und lässt sich auf ihren Vorschlag ein, der ihm einiges abverlangt. Denn dass er als Feldhauptmann nach Samaria, der damaligen Hauptstadt Israels, zu einem Propheten geht, hätte einen Gesichtsverlust bedeuten können. Schließlich hatten seine Leute genau von dort das Mädchen verschleppt!

Ganz ohne Weiteres ist die Einreise wohl auch nicht möglich, denn bevor Naaman nach Israel einreisen kann, wird erst einmal ein Brief von König zu König geschrieben. Naaman nimmt – außer diesem offiziellen Brief – auch noch jede Menge Silber, Gold und kostbare Gewänder mit auf die Reise. Damit spricht Naaman beim Propheten Elisa vor, wie es ihm die junge, namenlose Sklavin empfohlen hat.

Eine unerhörte Zumutung

Bis dahin „spielt“ Naaman noch mit, doch als der Prophet Elisa ihm nur durch einen Boten ausrichten lässt, was dieser tun muss, um seinen Aussatz loszuwerden, wird Naaman ärgerlich. Aus verletztem Stolz etwa? Hat er erwartet, dass der Prophet ihn in allen Ehren empfängt?

Diese Vermutung liegt nahe, denn in 2. Könige 5,11 steht: „Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand über der Stelle bewegen und mich so von dem Aussatz befreien.“

Naaman hat offenbar erwartet, dass die Heilung flott und ohne sein eigenes Zutun vonstattengeht. Stattdessen aber lässt Elisa ihm sagen: „Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden“ (2. Könige 5,10).

Das ist zu viel für den Feldhauptmann. Schließlich hat er zentnerweise edle Metalle und Stoffe angekarrt, steht direkt vor der Tür des Propheten Elisa und bekommt nun eine Anweisung, die er als Zumutung empfinden muss. Denn weiter heißt es im Bibeltext: „Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, sodass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn“ (Vers 12).

Achtsame Menschen bewirken Veränderung

Zu seinem eigenen Glück ist Naaman nicht allein unterwegs. Seine Reisegefährten überreden ihn, das zu tun, was der Prophet von ihm verlangt.

Ob er wirklich überzeugt ist oder sich zähneknirschend dem Rat seiner Vertrauten beugt, ist nicht überliefert. Das Ergebnis seines Handelns aber sehr wohl: Naaman wird gesund.

Mir fällt auf, dass in dieser Geschichte Hilfe von Menschen kommt, die sich von Gott gebrauchen lassen und auf das hören, was er ihnen zu sagen hat:

  1. Von einer Sklavin: einem jungen Mädchen, das allen Grund gehabt hätte, sich selbst zu bedauern, muss es doch in einem fremden Land fremden Menschen dienen. Doch statt verbittert ihr Schicksal zu beklagen, hält sie an ihrem Glauben fest und sorgt sogar dafür, dass ihr Gott, der Gott Israels, auch mächtigen Menschen aus Aram helfen kann.
  2. Vom Propheten Elisa: einem Mann, der sich nicht durch die Macht und das Ansehen Naamans beeindrucken lässt, sondern tut, was er tun muss, um einem kranken Menschen zu helfen. Ohne falsche Rücksicht auf dessen Befindlichkeiten.
  3. Von Naamans Dienern, die dem Zorn ihres Vorgesetzten besonnen und mit Vernunft begegnen, weil sie erkannt haben, dass die Anweisungen des Propheten Elisa die einzige Heilungschance für ihn sind.


Diese Geschichte lehrt mich zum einen, dass es weder auf Macht und Ansehen noch auf Reichtum ankommt, wenn Menschen in Not sind. Es gilt, wie in der Geschichte von Naaman noch immer: Hilfe ist bei Gott zu finden, der allein heilen und retten kann.

Zum anderen lerne ich aus dieser Geschichte, dass das feste Vertrauen auf Gott und das mutige Weitersagen von ihm Dinge wirklich zum Guten verändern kann.
 

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Kommentare (2)

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Vera /

Letztes Jahr hörte ich auch eine Predigt über diesen Text. Ich war heftig erkältet und konnte abends wegen krampfartigen Hustens schwer einschlafen. Dann träumte ich vom nahegelegenen Fluß: Ich mehr

Margareta Hari-W. /

Gestern im Gottesdienst Ref. Kirche Küsnacht war diese Geschichte Predigt www.rkk.ch aber bdeutend Bibel näher. Naaman ging zuerst zu seinem Herrn (er war nicht Quarantäne) der gab einen Brief für mehr

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