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© Jacob Sapp / unsplash.com

03.06.2024 / Andacht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Wolf-Dieter Kretschmer

Auf das Wesentliche achten

4 Schritte, die mir helfen, mein Ziel zu erreichen. Eine Andacht.

Endlich den Lappen haben! Das war für mich als 18-Jähriger das ganz große Ziel. Mit dem Lappen ist das amtlich-graue Stück Papier mit Foto und Stempel gemeint, das früher als Führerschein galt. Irgendwann war es so weit. Nachdem ich eine Weile Theorie gebüffelt hatte, sollte ich meine erste Fahrstunde haben. Aufgeregt bestieg ich das Fahrschulauto.

Binnen kürzester Zeit war ich reichlich gestresst. Ich musste so viel gleichzeitig tun: auf den Verkehr und die vielen Schilder achten, in den Rückspiegel schauen, Gangschaltung und Kupplung im richtigen Moment bedienen, Abstand zum vorausfahrenden Auto halten und bei alledem die Anweisungen meines Fahrlehrers beachten. Ich hatte viel zu tun!

Mein Fahrlehrer erklärte mir eines, was ich bis heute nicht vergessen habe: Ich steuere automatisch dorthin, wohin ich schaue. Und das war in der ersten Fahrstunde häufig der Bürgersteig.

Was ich betrachte, wird bedeutsam

Es spielt keine Rolle, ob ich als Fußgänger unterwegs bin oder in einem fahrenden Auto sitze: Ich muss darauf achten, wohin ich schaue, denn ich werde mich unwillkürlich darauf zubewegen.

Was ich in den Blick nehme, ist bedeutsam. Denn etwas länger anzuschauen, bedeutet letzten Endes, dass ich meine Aufmerksamkeit darauf richte. Früher oder später befasse ich mich also gedanklich mit dem, was ich mir ansehe. Das gilt auch für Fragen der Lebensgestaltung und des Glaubens.

Ein schönes Beispiel dafür finde ich im Neuen Testament. Dort rät der Apostel Paulus den Christen im antiken Kolossä, den Blick bewusst auf das zu richten, was zählt. Er schreibt: „Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist“ (Kolosser 3,2).

Mit droben meint Paulus das, was mit Gott zu tun hat. Die Übersetzung Hoffnung für alle gibt diesen Vers so wieder: „Richtet eure Gedanken auf Gottes himmlische Welt und nicht auf das, was diese irdische Welt ausmacht.“

Mir stellt sich dabei die Frage: Wie kann ich diese Aufforderung praktisch umsetzen? Die folgenden Schritte helfen mir dabei, mich innerlich immer wieder auf das Wesentliche auszurichten, die Anliegen Gottes. Sie helfen mir außerdem, um zu überprüfen, ob mein Fokus auch in anderen Lebensbereichen noch stimmt, und diesen gegebenenfalls zu korrigieren.   

Schritt 1: Beobachten

Zunächst werde ich mir dessen bewusst, was mich eigentlich beschäftigt. Das tue ich, in dem ich die Haltung eines stillen Beobachters einnehme. Ich schaue mir selbst zu und nehme das, was ich dabei beobachte, lediglich zur Kenntnis. Wie lange und umfangreich ich beobachte, bleibt mir überlassen. Mit Blick auf den eben zitierten Bibelvers kann ich mich dabei beobachten, wie sehr ich nach dem trachte, was mit Gottes himmlischer Welt zu tun hat.

Mir sind zum Beispiel folgende Dinge aufgefallen:

Mir fällt auf, wie häufig ich mein Handy zücke, um die neuesten Social Media Nachrichten anzuschauen. Ich nehme wahr, wie leicht ich mich durch Aussagen oder Verhaltensweisen anderer beeinflussen lasse. Während ich auf der Waage stehe, wird mir bewusst, dass ein paar unliebsame Angewohnheiten mein Bemühen abzunehmen sabotiert haben. Man sagt, dass man Mäuse mit Speck fängt - mich fängt man mit Schokolade!

Schritt 2: Bewerten

Bei der Gelegenheit fällt mir auf, dass vieles, worauf ich meinen Blick richte, unweigerlich zum Leben dazu gehört. Ob ich will oder nicht, ich muss mich damit beschäftigen, weil diese Dinge zum Leben und Arbeiten einfach dazugehören.

Aber mir werden auch andere Dinge auffallen, die nicht sein müssen. Hier kann ich mich fragen: Will ich mich damit weiterhin beschäftigen? Möchte ich meine Energie so ausführlich darauf verwenden? In einigen Fällen werde ich zu dem Schluss kommen, dass ich falsche Prioritäten gesetzt habe. Bei der Bewertung meiner Beobachtungen hilft mir der oben aufgeführte Bibelvers.

Schritt 3: Entscheiden und umsetzen

Und dann kommt der schwierigste Teil dieses Prozesses. Ich muss eine Entscheidung treffen und diese umsetzen. Dabei hilft es mir, wenn ich zu bestimmten Tricks greife. Wenn ich beispielsweise das Handy aus meinem Schlafzimmer verbanne, kann es mich nicht am späten Abend dazu verführen, durch endlose Insta-Reels oder YouTube-Videos zu scrollen.

Im Kampf gegen mein Übergewicht haben mir zwei Apps geholfen. Mit der einen protokolliere ich, was ich esse. Mit der anderen lasse ich meine Schritte zählen. – Und weil ich immer wieder meinen Fortschritt überprüfe, passiert genau das, was ich oben beschrieben habe. Die Anstrengungen für ein gesünderes Leben rücken wie von allein in den Vordergrund meiner Aufmerksamkeit.

Sollte ich festgestellt haben, dass ich zu wenig in meine Beziehung zu Gott investiere, kann ich das ändern, in dem ich täglich feste Zeiten dafür einplane. Ich bin morgens aufnahmefähiger, deshalb nehme ich mir nach dem Frühstück Zeit, lese in meiner Bibel und bete. Für mich ist das der Moment des Tages, in dem ich mich auf das ausrichte, „was droben ist“.

Schritt 4: Feiern

Ich weiß, das klingt ein bisschen albern. Aber für mich gehört es dazu, dass ich erreichte Ziele feiere, indem ich mir etwas Gutes tue und mich damit selbst belohne. Probiere es mal aus! Ich habe beste Erfahrungen damit gemacht.

Übrigens, das zu feiern, was man erreicht hat, ist ein Gedanke, den ich auch bei Jesus wiederfinde. In seinem Gleichnis der anvertrauten Talente (nachzulesen in Matthäus 25,14–30) geht es genau darum. Nach erfolgreicher Arbeit lädt der Gutsherr seine Verwalter ein. Sie sollen sich mit ihm über das freuen, was entstanden ist und kräftig feiern.

Zu guter Letzt

Wie sagte es mein Fahrschullehrer so treffend? Ich steuere automatisch dahin, wo ich hinschaue. Für mich ist das ein wesentlicher Gedanke. Deshalb habe ich mir angewöhnt, in größeren Abständen innezuhalten und mich zu fragen: Wo schaue ich gerade hin? Ist das die Richtung, in der ich eigentlich unterwegs sein möchte?

 Wolf-Dieter Kretschmer

Wolf-Dieter Kretschmer

Der Theologe, Autor und Redakteur war Pionier und Gründer der Fernsehabteilung des ERF. Er leitete die Redaktion Theologie und das Seelsorgeteam. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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