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© N. / unsplash.com

13.02.2023 / Andacht / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Annegret Schneider

Schatzsuche

Das spannende Aufspüren verborgener Werte.

Ein kleines Abenteuer

Waren Sie schon einmal auf Schatzsuche? Wenn ich mich recht erinnere, dann habe ich als Kind einmal mit einer Freundin zusammen versucht, einen „Schatz zu heben“ – auf dem Gelände, wo vor einigen Jahrhunderten eine Burg stand, haben wir dort, wo mittlerweile längst Gras gewachsen war, ein paar Steine aufgehoben und uns vorgestellt, wie es wäre, wenn wir einen Schatz entdecken würden.

Was uns dazu bewogen hat, weiß ich heute nicht mehr. Vielleicht hatten wir einen Abenteuerfilm gesehen oder uns an Kapitän Langstrumpf und seine Piraten erinnert. Wie dem auch sei. Der Traum von einem sagenumwobenen Schatz ist vermutlich tief im Menschen verwurzelt.

In der kindlichen Vorstellung sehe ich eine uralte Holzkiste mit schweren Eisenbeschlägen aus längst vergangenen Zeiten vor mir – und natürlich mit einem schier unfassbaren Inhalt: funkelnde Edelsteine, glänzendes Gold, schimmerndes Silber und was man sonst so gerne mal mit eigenen Augen sehen würde. 

Diesen Schatz haben wir nicht gefunden. Sehr schnell – buchstäblich, nachdem wir zwei, drei Steine mit bloßen Händen von der Wiese aufgelesen hatten – haben wir unsere Forschungen damals aufgegeben. Und es nie wieder versucht.

Die unvermeidliche Einsicht

Wir waren wohl doch schon vernünftig genug, um im Grunde von Anfang an zu wissen, dass unsere halbherzigen Versuche, eine vorgestellte Truhe mit schillerndem Geschmeide aufzutun, zum Scheitern verurteilt sein würden.

Als Erwachsene lächelt man über die kindliche Einfalt, überhaupt eine solche Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben. Denn mit den Jahren wird man doch wesentlich realistischer und abgeklärter. 
Aber ist das wirklich so?

Ich stelle diese Frage bewusst, denn längst erwachsene und durchaus bedachte Menschen hängen dem Traum nach der märchenhaften Schatztruhe noch immer nach – wenn auch in etwas abgewandelter Form. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass der eine oder die andere vom großen Lottogewinn träumt und sich auf diese Weise eine Rente von X Tausend Euro monatlich erhofft?

Eine Schatzkiste der anderen Art

Einen Schatz der ganz anderen Art kann man aber vergleichsweise einfach „ausgraben“ – man braucht dafür weder Werkzeuge, um den Weg zu einer legendären Truhe freizuschaufeln, noch Stemmeisen oder Zangen, um schwere Eisenbeschläge oder rostige Schlösser zu öffnen.

Dieser Schatz ist hierzulande in vielen Haushalten frei zugänglich – er steht entweder repräsentativ (und mitunter leicht verstaubt) neben anderer Weltliteratur im Bücherregal oder befindet sich in der Nähe des Lieblingssessels, auf dem Nachttisch oder an einem anderen leicht zugänglichen Ort. Diese Schatzkiste, die Bibel, enthält Geschichten, die zu entdecken und zu erforschen es sich lohnt. 

Eine solche Geschichte steht zum Beispiel im Johannes-Evangelium, Kapitel 13. Hier wird berichtet, dass Jesus kurz vor seiner Hinrichtung, als er bereits weiß, dass sein Sterben quasi vor der Tür steht, mit seinen Jüngern zusammen zu Abend isst.

Doch mitten in diesem Vorgang steht er auf und wenn ich dabei gewesen wäre, hätte ich mich vermutlich gefragt: Was hat er denn jetzt vor? 

Die große Überraschung

Ohne vorherige Ankündigung zieht er sozusagen die Arbeitskleidung an, befüllt einen Behälter mit Wasser und versetzt seine Jünger in großes Erstaunen, als er mir nichts, dir nichts anfängt, seinen Jüngern, seinen Schülern, die Füße zu waschen.

Das muss seinen Nachfolgern wohl recht skandalös vorgekommen sein. Zumindest Petrus ist verwirrt: „Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen?“ (Johannes 13,6).

Dahinter steckt wohl der unausgesprochene Einwand: Was machst du da? Dass du deinen Untergebenen die Füße wäschst, müsste doch weit unter deiner Würde liegen, wo du schließlich unser Lehrer und Meister bist. Daraufhin antwortet Jesus mit einem kryptisch anmutenden Satz: „Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren“ (Johannes 13,7b)

Petrus bleibt zunächst dabei, dass er sich gegen diesen Dienst, den Jesus an ihm tut, wehrt, doch als Jesus dann zu bedenken gibt: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir“ (Johannes 13,8b), greift Petrus mit beiden Händen zu und will nicht nur die Füße, sondern auch Hände und Kopf von Jesus gewaschen bekommen. Typisch Petrus eben. Er ist ja bekannt dafür, dass er auf’s Ganze geht.

Doch Jesus wehrt ab: „Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle“ (Vers10). Der letzte Teil seiner Aussage bezieht sich auf Judas, von dem er weiß, dass dieser ihn sehr bald verraten wird. 

Der Auftrag

Und weiter berichtet Johannes in seinem Evangelium: „Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin's auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe“ (Verse 12-15).


Das ist ein völlig schnörkelloser Arbeitsauftrag. Klar, eindeutig, verständlich: Ich habe euch vorgemacht, wie es geht, macht es ebenso.

Die heutige Aufforderung, Menschen zum Füßewaschen ihrer Mitmenschen zu bewegen, müsste vermutlich lauten: „Ich biete euch die Chance, euch als Senior First Class Feet-Washing Manager zu betätigen. Selbstverständlich mit Aufstiegschancen.

Doch Jesus kommt es offenbar nicht auf eindrucksvoll klingende Begriffe an, sondern auf die Herzenshaltung.

Ich lerne aus dieser Geschichte: 

1. Wenn Jesus mich reingewaschen hat (= mir meine Sünden vergeben hat), dann bin ich rein und stehe gerechtfertigt vor ihm, auch wenn ich immer wieder Fehler machen werde, solange ich lebe. Ich kann damit zu ihm kommen und wieder neu um Vergebung bitten.

2. Jesus möchte, dass ich seinem Beispiel folge. Dass ich mir nicht zu schade dafür bin, meinen Nächsten Gutes zu tun. 

3. Die Bibel steckt voller Überraschungen. Voller Schätze, die es wert sind, entdeckt zu werden.
Machen wir uns auf und erkunden wir die Kleinode, die sie für uns bereithält. Viel Spaß beim Entdecken. Ich bin mir übrigens sicher, dass bei dieser Expedition niemand so leer ausgehen wird wie wir damals, als wir mit genauso leeren Händen wieder nach Hause kamen, wie wir vorher aufgebrochen waren.

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Kommentare (1)

Magdalena M. /

Manchmal kann so eine Wohltat auch eine Nacken- oder Rückenmassage mit einer wohlriechenden Bodylotion bei einer belasteten Person sein. Ich erlebe wie es der Person guttut und sie sich wieder freier und ent-spannter fühlt.

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