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© Ben Tofan / unsplash.com

26.12.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Joachim Bär

Ein Stück näher

Wie ich Frieden finde in der MEICKU-Zeit.

Multiple Krise, Multikrise, Mehrfachkrise: Ich höre von verschiedenen Stimmen, dass es selten so viele Krisen gleichzeitig gab. Für mein Leben passt das. Und weil ich selbst so langsam den Überblick verliere, habe ich mir ein Akronym zurechtgelegt, MEICKU: Migration, Energie, Inflation, Corona, Klima, Ukraine.

Hängen die Themen zusammen? Mag sein. Richtige Reihenfolge? Egal. Habe ich alle Themen? Eher nicht. Mir reicht’s trotzdem. Weil ich so langsam keine weiteren Themen verarbeiten kann. Und die Abkürzung würde ansonsten hässlich. Also, ich lebe in meiner persönlichen MEICKU-Zeit.

Diese Zeit raubt mir die Ruhe. In meinem Hinterkopf flitzen kleine Gedanken-Füchse, die sich nur schwer einfangen lassen. Ständig gibt es etwas Neues zu einem der genannten sechs Themen. Selten sind die Neuigkeiten beruhigend.

Frieden in der MEICKU-Zeit?

Wahrscheinlich deshalb, wegen MEICKU, bin ich in diesem Jahr an einer Aussage aus der Weihnachtsgeschichte besonders hängen geblieben. Sie steht im zweiten Kapitel des Lukas-Evangeliums. Da heißt es: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lukas 2,14).

Den ersten Teil des Verses, den mit der Ehre für Gott, kann ich gut einordnen. Wenn etwas Göttliches passiert, habe ich Verständnis dafür, dass Gott im Himmel der Applaus gehört. Geschenkt!

Beim zweiten Teil komme ich ins Stocken: Es sei Friede auf Erden. Das ist ja ein Kern der Weihnachtsbotschaft. Dass Gott uns Menschen den Frieden bringt durch Jesus.

Von diesem Frieden spüre ich in meiner MEICKU-Zeit zu wenig. Weder da draußen, noch – wenn ich ehrlich bin – in meinem Herzen.

Natürlich weiß ich: Auch die Zeit rund um die Geburt von Jesus war keine Friedenszeit. Maria und Joseph hätten vielleicht eine noch viel längere Abkürzung für ihre Zeit formuliert: Besatzung, Krieg, Diskriminierung, Volkszählung, Bettenmangel und ein dreckiger Stall – Jesus kommt nicht ins gemachte Friedens-Nest. Nur: Wie wird denn Frieden mit Jesus in dieser Welt und in mir?

Ein Stück vom Frieden, nach dem ich mich sehne

Ich denke, es lohnt sich, dem „Frieden auf Erden“ nachzugehen, der zu Weihnachten seinen Anfang nimmt. Ich kenne zum Beispiel diesen grundlegenden Frieden, der zwischen mir und Gott wird, wenn ich in Verbindung mit Jesus stehe. Gott wendet sich mir zu, nimmt mich an. Da kommt etwas sehr Grundsätzliches in Ordnung. Findet Frieden.

Und dann ist da Jesus selbst, der mit seinem tiefen inneren Frieden für mich ein großes Vorbild ist. Er lässt sich vom Tod nicht erschrecken (Lukas 11, 21-26), 5.000 hungrige Menschen bringen ihn nicht aus der Fassung (Markus 6,35-44), mitten im Sturm und in Lebensgefahr schläft er tief und fest (Markus 4, 35-41). Wenn jemand einen tiefen inneren Frieden in den Krisen seiner Zeit hatte, dann Jesus.

Dieser friedevolle Jesus fasziniert mich. Er zieht mich an, ich will mehr von diesem Frieden auf Erden. Ich will zu den „Menschen seines Wohlgefallens“ gehören, in Verbindung mit Gott und seinem Sohn bleiben.

So habe ich schon einiges von diesem Frieden kennengelernt. Auch in meiner MEICKU-Zeit. Doch es ist noch Luft nach oben. Weihnachten 2022 hat mich wieder neugierig gemacht, diesem Frieden auf Erden nachzugehen. Denn mit der Geburt Jesu hat er einen weiteren Anfang genommen. Und so ist mir in der Weihnachtszeit Gottes Friede wieder ein Stück nähergekommen.
 

 Joachim Bär

Joachim Bär

Joachim Bär war Unit Lead von erf.de und hat die übergreifenden Themen der redaktionellen Angebote des ERF koordiniert. Er ist Theologe und Redakteur, verheiratet und hat zwei Kinder.

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