Navigation überspringen
© Antonello Falcone / unsplash.com

19.12.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Annegret Schneider

Frohe Weihnachten – nicht nur im Dezember

Herbstgedanken zum kommenden Fest.

Trübe Aussichten

Draußen ist ein wunderschöner warmer Herbsttag mit Sonnenschein und blauem Himmel. Kaum vorstellbar, dass der kommende Herbst und Winter Anlass zur Sorge geben könnte.

Eine Ahnung rückt näher

Einige Tage später sitze ich wieder vor dem Bildschirm und beginne zsu ahnen, dass der Herbst nun unweigerlich und nahe vor der Tür steht. Während es am Morgen noch mild und sonnig war, hat es sich allmählich eingetrübt und ich muss mich sehr schnell an lange und dunkle Abende gewöhnen. Die können gemütlich sein – im Kreise der Familie, gemeinsam mit Freunden und leckerem Tee, Gebäck und guten Gesprächen. Das bietet sich schließlich – wenn nicht gerade Lockdown angesagt ist – in der Adventszeit an. Und damit bin ich auch schon beim Thema.

Ich mag diese Zeit – nicht alles, was üblicherweise geboten wird, aber vieles finde ich schön. Auch an Äußerlichkeiten. Schöne warme Lichter, Lebkuchen, Spekulatius, das Öffnen der Türchen des Adventkalenders und natürlich feierliche Gottesdienste, Krippenspiele, Advents- und Weihnachtslieder.

Ich mag es, mir Überraschungen für meine Lieben auszudenken, heimlich den einen oder anderen „Nikolaus“ vor einer Haustür oder auf irgendeinem Schreibtisch zu platzieren und all diese angenehmen Dinge, die mir so vertraut und liebgeworden sind.

Aber was ist, wenn vieles davon plötzlich nicht mehr machbar ist? Angenommen, die Lichter gehen buchstäblich aus oder werden gar nicht erst installiert? Keine Sterne oder Kerzen, die an den Laternen befestigt werden und die Straßen mit weihnachtlicher Beleuchtung schmücken und so weiter. Wie fühle ich mich bei diesem Gedanken?

Außerdem sind mittlerweile noch ganz andere Dinge eingetreten, von denen ich im frühen Herbst nichts ahnte – wieder einmal stehen Entscheidungen an, von denen ich nicht weiß, ob sie in einer Katastrophe enden oder ob sie die lang ersehnte Gebetserhörung sind, auf die ich schon eine Zeitlang warte.

Kennen Sie diese Spannung zwischen Hoffen und Bangen, zwischen hoffnungsfroher Gelassenheit und dem bedrückenden Gefühl, dass sich alles auch als Seifenblase entpuppen könnte, die zerplatzt?

Was wirklich wichtig ist

Und schon wird mir wieder einmal bewusst, dass es an der Zeit ist, mir zu überlegen, was mir wirklich wichtig ist. Nicht nur in diesem Jahr und wahrlich nicht nur zu Weihnachten.

Die Hirten auf dem Feld

Meine Gedanken wandern zu Menschen, die vor mehr als 2.000 Jahren möglicherweise ebenso fröstelnd, wie ich es gerade tue, ihren täglichen Geschäften nachgingen bzw. die gerade ihre Nachtschicht schoben. In einer Nacht, die zunächst anmutete wie jede andere auch. Die einen womöglich mit mehr, die anderen mit weniger Begeisterung.

Ich stelle mir diese Szene auf dem Feld und die dazugehörenden Protagonisten aus dem Lukasevangelium vor: die Hirten. Einfache Männer, die zwar von den alten Schriften gehört haben mögen, in denen vorausgesagt ist, dass Gott eines Tages den Erlöser senden wird. Aber ob sie diese Hoffnung jemals vorher auf sich selbst bezogen haben?

Da sind sie nun bei der Arbeit, ich stelle mir vor, dass sie sich in einem Zustand zwischen Schläfrigkeit und Alarmbereitschaft befinden. Schließlich müssen sie alle Sinne beieinanderhaben, denn es geht darum, ihre Herden vor Gefahren zu schützen, die im Finsteren lauern. 

Worüber denkt man nun nach, wenn es nicht gerade Schafe vor Raubtieren zu retten gilt, das Feuer am Brennen zu halten ist und man mit sich und seinen Gedanken allein ist und das Kopfkino beginnt?

Wir werden niemals erfahren, was die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem innerlich bewegt hat, doch dass sie bis ins Mark erschüttert sind, als unterwartet gleißendes Licht ihre Dunkelheit durchbricht, das ist überliefert. Zumindest müssen sie beruhigt werden, denn sie bekommen es zunächst gewaltig mit der Angst zu tun:

„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 

Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ So lesen wir es im Lukasevangelium, Kapitel 2, in den Versen 8-11.

Plötzlich wird es hell im Herzen

Da erscheint also wie aus dem Nichts ein Engel, der dann auch gleich noch Verstärkung bekommt: „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, […]“ (Lukas 2, 13). Fast so, als würde ein Engel allein nicht ausreichen, die anfängliche Furcht der Hirten zu vertreiben.

Das Licht, das die Hirten bestrahlt und die Worte der Engel rühren die Hirten offenbar tief im Herzen an, denn interessanterweise geht es dann hurtig weiter: Die Hirten brauchen nicht lange, um sich von ihrem ersten Schrecken zu erholen und buchstäblich die nächsten Schritte zu gehen – nicht panisch offenbar, sondern bewusst und mit Überzeugung:

„Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war“ (Lukas 2,15-17).

Erstaunlich, wie nüchtern das hier berichtet wird. Dabei ist die Botschaft der Engel revolutionär – der lang ersehnte Retter ist da! Die Hirten sind die ersten, die davon erfahren. Sie fackeln nicht lange, tun, was sie als richtig erkannt haben, überzeugen sich mit eigenen Augen von dem, was sie von den Engeln erfahren haben – und erfüllen ihren Auftrag. Sie tragen die Botschaft weiter, dass der lang ersehnte Retter gekommen ist.

Dass er als kleines Kind in Windeln gewickelt in einer für ein Neugeborenes doch recht gewöhnungsbedürftigen Umgebung Einzug in diese Welt hält, hat keine Bedeutung. Für die Hirten jedenfalls scheinen diese Äußerlichkeiten unwichtig – oder sind sie gerade deswegen so angesprochen, weil Jesus mitten in ihren Alltag einkehrt? In die Welt, die sie kennen, die ihnen sehr vertraut ist?

Vielleicht sind sie so begeistert davon, dass der Herr der Welt sich nicht zu fein dafür ist, ausgerechnet in ihre Armut und Verlassenheit zu kommen, dass sie gar nicht anders können und wollen, als sich auf den Weg zu machen und von dem weiterzusagen, was sie da erlebt haben. Ohne Wenn und Aber.

Wie sieht das bei mir aus?

Belasse ich es in den nächsten Tagen bei beschaulichen Teeabenden mit Lebkuchen und ein wenig Weihnachtsmusik? Oder mache ich es wie die Hirten und lasse mich ebenso aus meinem Alltag reißen, weil ich so überwältigt bin, dass Christus, der Herr, auch für mich gekommen ist, dass ich mich aufmache und diese Botschaft weitersage?

Ich bin froh, dass das Kind in der Krippe nicht nur an Weihnachten Bedeutung hat. Dass es weitergeht. Dass Gottes Sohn erwachsen geworden ist, dass er auch für mich ans Kreuz gegangen, gestorben und auferstanden ist. Dass er lebt und dass ich mich jederzeit an ihn wenden kann. Nicht nur jetzt, sondern auch im neuen Jahr, wenn neue Herausforderungen auf mich warten.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare (1)

Ursula /

Ihre Andacht ist sehr lebensnah beschrieben Frau Schneider und - ja, ich bin gerade dabei, die Weihnachtsbotschaft weiterzutragen. Zufällig auch an eine Frau Schneider :-). Gesegnete Weihnachtstage wünsche ich Ihnen mit herzlichen Grüßen.

Das könnte Sie auch interessieren