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© Markus Spiske / unsplash.com

21.11.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Markus Baum

Wenn Geld die Welt regiert

Vom Götzen Mammon und seinen Dienern.


Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt, heißt es. Wenn das so wäre, dann hätten die Sicherheitsdienste wenig zu tun in unserer Gesellschaft.

Geld regiert die Welt, sagen manche, und fast niemand traut sich zu widersprechen. Geld kann offenbar eine Macht auf uns Menschen ausüben, die sich mit dem eigentlichen Zweck dieser Erfindung kaum erklären lässt. Geld ist schließlich ein Zahlungsmittel – und damit ein Mittel zu einem bestimmten Zweck. Nur ein Mittel zum Zweck. Wenn Geld zum Selbstzweck wird, wenn es um seiner selbst willen verdient und gehortet wird, dann ist da irgendetwas schiefgelaufen.

Geld kann ein Eigenleben entwickeln. Und dann wird es unheimlich. Jesus hat dem Geld gar eine Art Eigennamen verliehen, hat dafür den eigentlich umfassenderen aramäischen Begriff Mammon (= Vermögen, Besitz) genutzt und hat diesem Mammon geradezu persönliche Eigenschaften zugeschrieben.

Der schnöde Mammon ist nach zweitausend Jahren so sprichwörtlich, dass vermutlich nur noch die wenigsten Menschen diesen Begriff überhaupt mit Jesus in Verbindung bringen. Mammon – kennt jede und jeder. Mit dem Namen und der Person Jesus dagegen können schon lange nicht mehr alle etwas anfangen.

Der Journalist und scharfsinnige Beobachter Heinrich Heine hat 1842 geschrieben:

Es ist still wie in einer verschneiten Winternacht, nur ein leiser, monotoner Tropfenfall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen; man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal klirrt etwas, wie ein Messer, das gewetzt wird.
Heinrich Heine (1842)

 

Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Diese Beobachtung kann man heute wie vor 180 Jahren machen.

Der Götze Mammon findet seine Diener und Gläubigen unter Reichen und Besitzlosen. Wohlhabende huldigen ihm genauso wie arme Schlucker. Ob man Geld und Gut hat und daran hängt – oder ob man es nicht hat, noch nicht, und mit allen Fasern danach drängt – das kommt unterm Strich auf dasselbe hinaus. Sogar die Verachtung des Reichtums und die Verherrlichung der Armut kann Mammonsdienst sein – mit umgekehrtem Vorzeichen.

Wenn ich mich im Grunde nur deshalb in meiner Armut einrichte, weil Reichtum unerreichbar scheint; wenn ich den Wohlhabenden ihren Besitz neide und mich im innersten danach verzehre – auch dann lacht sich der Götze Mammon ins Fäustchen.

Ob mein Denken ums Geld kreist, weil ich es habe – oder ob mein Denken um den Wohlstand kreist, den ich höchstwahrscheinlich nie erreichen kann: es kommt aufs Gleiche heraus. Mammonismus ist ansteckend, und arme Leute können sich genauso leicht infizieren wie reiche.  

An dieser Stelle ist eine Klarstellung nötig. Allzu oft und allzu unscharf wird davon gesprochen, dass Jesus eine Option für die Armen hat und jedenfalls keine Sympathie für die Reichen. Aber das ist so nicht richtig – zumindest nicht ganz.

Richtig ist: Jesus liebt die Armen. Aber er liebt nicht die Armut. Armut macht krank. Ein Leben in Armut kann entwürdigend sein. Das ist niemals im Sinn Jesu. Jesus solidarisiert sich mit den Armen, das ist schon richtig. Er scheut nicht die Begegnung mit den Armen und ihrer Armut. Er ist sich nicht zu fein dazu. Aber er will nicht, dass die Armen arm bleiben. Jesus preist die Armen selig, nicht ihre Armut.

Richtig ist auch: Jesus hat einige sehr scharfe Sätze über den Reichtum gesagt. Es ist nicht sehr schmeichelhaft, wenn Jesus sagt: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Reich Gottes". Aber Jesus hatte Reiche und Arme unter seinen Zuhörern, und auch unter seinen Anhängern und Unterstützern gab es wohlhabende Menschen.

Bei der Begegnung mit dem reichen Jüngling heißt es ausdrücklich: „Jesus sah ihn liebevoll an“. Sympathie für den reichen Mann. Nicht Sympathie für den Reichtum, aber auch keine Enteignungsparolen. „Verkaufe alles, was du hast, und gibs den Armen“ – das war ein therapeutischer Ratschlag und nicht etwa eine politische Forderung. Denn diesen Mann hatte der Mammon offensichtlich fest im Griff.

„Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz“, hat Jesus in anderem Zusammenhang gesagt. Es ist durchaus möglich, dass reiche Menschen sich nichts aus ihrem Reichtum machen und sich Schätze im Himmel sammeln. Genauso ist es denkbar, dass sich Kleinaktionäre, Kleinsparer, einfache Rentner, arme Witwen zwanghaft an ihr bisschen Vermögen klammern, und dann sind sie kein Haar besser dran als der reiche Jüngling.

Wenn das so ist, dann möchte man mit den Schülerinnen und  Schülern von Jesus fragen: „Wer kann dann überhaupt selig werden?“ – Und Jesus würde wie damals antworten: „Bei den Menschen ist es unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich.“ Da finden Reiche den Weg durchs Nadelöhr. Und genauso können Arme sich einen Schatz im Himmel erwerben.

Wenn der Götze Mammon Gefolgschaft fordert, dann ist es nicht nur erlaubt, sondern sogar nötig, dass wir den Gehorsam verweigern. Denn Anspruch auf die Herrschaft über mein und Ihr Leben hat eigentlich nur einer, und das ist Gott.
 

 Markus Baum

Markus Baum

  |  Programmreferent

Exilschwabe, seit 1982 in Diensten des ERF. Leidenschaftlicher Radiomacher, Liebhaber der deutschen Sprache und Kenner der christlichen Musiklandschaft. Übersetzt Bücher ins Deutsche und schreibt gelegentlich selber welche. Singt gern mit Menschen. Verheiratet, drei erwachsene Kinder.

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