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© Taylor Flowe / unsplash.com

07.11.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Theresa Folger

Der Handabdruck

Was mich eine verschmierte Scheibe über den Willen Gottes lehrt.


Ich sitze – noch etwas benommen von der schlechten Nacht – mit meinen zwei kleinen Töchtern beim Frühstück, als mein Blick auf das Fenster im Esszimmer fällt: Mitten auf der frisch geputzten Glasscheibe prangt ein schmieriger Handabdruck. Die Verursacherin ist schnell ausgemacht, denn der Größe nach kann der Abdruck nur von meiner 5-jährigen Tochter stammen.

Resigniert schaue ich sie an und sage: „Du hast doch erst vor ein paar Tagen im Schlafzimmer einen Riesenabdruck hinterlassen – und ich habe dich gebeten, deine Hände von den Scheiben zu lassen. Das macht mir jedes Mal viel Arbeit. Warum tust du nicht, was die Mama sagt?“ Meine Tochter schaut ziemlich bedröppelt drein, hat aber keine Erklärung parat.
 

… „der liebt mich wirklich“…

Ich weiß, dass meine Tochter mich liebhabt – das sagt sie mir auch. Und es freut mich. Aber noch mehr würde ich mich freuen, wenn ich diese Liebe ganz praktisch sehen würde: indem sie sich an unsere Absprachen hält. Während ich die Scheibe erneut sauberputze, denke ich mir: Vermutlich geht es Gott oft genauso mit uns. Wir sagen, dass wir ihn lieben, aber wird diese Liebe in unsrem Handeln auch tatsächlich sichtbar?

Mir kommt eine Bibelstelle aus dem Johannesevangelium in den Sinn. Dort sagt Jesus: „Wer meine Gebote annimmt und sie befolgt, der liebt mich wirklich. Und wer mich liebt, den wird mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und ihm meine Herrlichkeit offenbaren“ (Johannes 14,21).
 

Lieben heißt Wollen

Jesus macht deutlich: Unsere Liebe zu Gott zeigt sich vor allem in unseren Taten – nämlich, indem wir tun, was der Wille Gottes ist. Übrigens erzählt Jesus davon auch in einem weniger bekannten Gleichnis (siehe Matthäus 21,28-32): Ein Mann bittet seine beiden Söhne, im Weinberg zu arbeiten. Der eine will nicht und geht doch, beim anderen ist es umgekehrt: Er sagt zu, aber geht nicht. Dann fragt Jesus: „Wer von den beiden hat nun nach dem Willen des Vaters gehandelt?“ (Matthäus 21,31). Eine rhetorische Frage. Die deutlich macht: Lieben heißt Wollen – das Gute tun wollen.

Wie? Und was ist mit den Gefühlen? Wir sollen doch Gott von ganzem Herzen lieben? Ja, das gehört auch dazu. Aber trotzdem ist die Botschaft, dass Liebe sich in der Praxis zeigt, für mich eher eine Erleichterung. Denn mein Alltag ist oft so anstrengend, dass ich für hochtrabende Gefühle keine Energie mehr habe – auch nicht für Gott. Aber der Nachbarin etwas vom Supermarkt mitbringen, dafür reicht es noch.
 

Auch Gottes Liebe zu uns zeigt sich in Taten

Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir bewusst, dass sich auch Gottes Liebe zu mir oft eher in Taten als in Gefühlen zeigt. Denn ich empfinde selten eine wohlig-warme Wolke göttlicher Liebe um mich herum. Doch dafür haben wir nach unserem Umzug letztes Jahr sofort zwei Kindergartenplätze im Ort bekommen, obwohl es keine gab. Wir haben uns eine gute Nachbarschaft gewünscht und schon vor dem Einzug mehrere tolle Familien getroffen. Wir haben zur passenden Zeit Handwerker gefunden, obwohl alle volle Auftragsbücher hatten. Und und und… Für mich ist das kein Zufall, sondern Gottes Handeln in meinem Leben.

Meine Tochter hat mir übrigens versprochen, dass sie mir beim Putzen hilft, wenn sie groß ist. Den Tisch decken, das geht schon. Wenn sie will.

 Theresa Folger

Theresa Folger

  |  Redakteurin

Ist in Norddeutschland aufgewachsen, hat aber auch im tiefsten Niederbayern gelebt und findet Wetzlar eine gute Mitte zwischen Bergen und Meer. Hat „was mit Sprachen, Wirtschaft und Kultur“ studiert und findet den ersten Teil davon am besten. Verbringt ihre freie Zeit hauptsächlich auf Spielplätzen oder beim Märchenschloss-Malen mit ihren beiden Mädels.

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