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© Becca Tapert / unsplash.com

30.05.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 6 min

Autor/-in: Annegret Schneider

3 Personen, 3 Schicksale, 3 nachdenkenswerte Beispiele

In der Bibel gibt es viele Berichte über Menschen, die mich beeindrucken. Auf drei von ihnen möchte ich heute auch Ihre Aufmerksamkeit lenken.


Nein, es sind keine gesellschaftlich herausragenden und schon von daher einflussreiche Persönlichkeiten. Keine Könige, Regenten, Patriarchen oder Propheten. Auch keine Schriftgelehrten, Hohepriester oder Zöllner.

Ich denke in diesem Fall an drei Frauen. In ganz verschiedenen Lebenslagen, in unterschiedlichem Alter. Alle drei legen ein Verhalten an den Tag, das Eingang in die biblischen Berichte gefunden hat. Und allein das spricht ja für sich. Jede ist auf ihre Weise vom Leben gebeutelt, bleibt aber dennoch entscheidungs- und handlungsfähig.
 

Eine alleinerziehende Mutter, die eigentlich nur noch sterben will

Von dieser Frau wird im Alten Testament berichtet. Wir finden ihre Geschichte im 1. Buch Könige, Kapitel 17. Elia kommt zu ihr, nachdem er König Ahab wegen dessen Götzendienerei eine Dürrezeit angekündigt hat. Nun wird Elia von diesem überall gesucht, weil Ahab ihn töten will. Gott führt Elia zunächst an einen Bach, in dem noch Wasser fließt, und versorgt ihn durch Raben, die ihm Brot und Fleisch bringen. Als auch dieser Bach vertrocknet ist, schickt Gott Elia in eine Stadt namens Zarpat und gibt ihm die Anweisung: „[…] bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen“  (1. Könige 17,9).

Elia macht sich auf den Weg und trifft eine Frau beim Holzsammeln an, die er um etwas Wasser und einen Bissen Brot bittet. Hier wird nun in wenigen Worten das ganze Elend offenkundig, in dem sich diese Frau befindet. Sie stellt recht knapp klar, dass bei ihr nichts mehr zu holen ist: „So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich hab ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir essen – und sterben“ (1. Könige 17,12).

Wie lange sie schon in Armut lebt, bleibt offen. Sie ist Witwe, hat ein Kind, um das sie besorgt ist und lebt in einer Gegend, in der die Konsequenzen der Dürre zu spüren sind. Allein diese drei Fakten legen die Vermutung nahe, dass diese Frau, deren Name nicht bekannt ist, weiß, wie sich Not und Armut anfühlen. Sie hat sich offenbar bereits mit ihrem Schicksal abgefunden und bereitet sich und ihr Kind auf das Unausweichliche vor. Auf ihr baldiges Sterben.

Und dann kommt einer daher, der sie bittet, von dem schmerzlich Wenigen, das ihr geblieben ist, zuerst ihm etwas abzugeben. Doch Elia wiederholt seine Forderung und verbindet sie gleichzeitig mit einer Verheißung: „[…] mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir's heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden“ (1. Könige 17, 13b-14).

Tatsächlich lässt sie sich offensichtlich ohne weiteres Wenn und Aber darauf ein. Gott selbst hatte die Frau auf diese Begegnung vorbereitet (vgl. Vers 9) – das befähigt sie, im Glauben und im Vertrauen auf ihn zu handeln, was dann reichlich belohnt wird: „Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er durch Elia geredet hatte“ (1. Könige 17,15-16).
 

Eine Frau, die sich offen zu Jesus bekennt

Die nächste Geschichte finden wir im Neuen Testament. Es handelt sich hier um eine Frau, die im Johannes-Evangelium, Kapitel 12, nicht namenlos bleibt. Sie ist mutig genug, aus Ehrerbietung, Liebe und Dankbarkeit Jesus gegenüber etwas zu tun, was die Aufmerksamkeit und sogar den Unmut der Anwesenden erregt und für Ärger sorgt. Sogar bei den engsten Mitarbeitern von Jesus. Noch dazu tut sie dies in einer Gesellschaft, in der sie sich, der Tradition und auch ihrer Vergangenheit halber, im Hintergrund hätte halten müssen.

Maria wagt es vor allen Anwesenden, sich Jesus zu nähern und ihm die Füße zu salben. Vermutlich hat sie damit ihre Altersvorsorge drangegeben, denn dieses Salböl, das sie hier „verschwendet“, war damals ein Vermögen wert. Da war wohl mancher der Anwesenden peinlich berührt. Und prompt kommt auch eine Rüge aus dem Kreis der Jünger. Doch Jesus selbst rückt seinem Jünger den Kopf zurecht und nimmt Maria, die sich einen solch ungebührlichen Auftritt geleistet hat, in Schutz.

Er sieht tiefer. Er sieht mehr als die Menschen, die diese Szene beobachtet haben. Jesus sieht das Herz Marias und ihre Motive sind in Ordnung.

Das Argument von Judas, mit dem Geld, das man für dieses Salböl bekommen könnte, hätte man besser arme Menschen unterstützt, fegt Jesus kurzerhand vom Tisch mit dem Argument: „Lass sie in Frieden! Es soll gelten für den Tag meines Begräbnisses. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit“ (Johannes 12, 7-8). Und entlarvt damit gleichzeitig die Haltung der anderen, die nicht bereit sind, Jesus bedingungslos zu vertrauen.
 

Eine Frau, die alles auf eine Karte setzt

Auch von der dritten Frau wird im Neuen Testament berichtet. Im Markusevangelium umfasst dieser Bericht gerade mal vier Verse und im Lukasevangelium ebenso. Es ist wieder einmal eine Frau, deren Name nicht überliefert ist. Und wieder ist es eine Frau, die Jesus selbst als positives Beispiel seinen Jüngern vor Augen führt. Die Szenerie ist folgende: Jesus beobachtet, wie Menschen am Opferkasten vorbeigehen bzw. was sie dort hinterlassen. Er zitiert seine Jünger herbei, die anhand des Spendenverhaltens der Menschen in diesem Bericht eine Lektion lernen sollen.

Jesus macht sie nämlich auf etwas sehr Interessantes aufmerksam. Unter all den offenbar reichen Menschen, die große Gaben in den Opferkasten legen, ist eine Frau, die aus dem Rahmen fällt: „[…] eine arme Witwe, die legte dort zwei Scherflein ein“ (Lukas 21, 2). 

Ausgerechnet von dieser sagt Jesus: „Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluss zu den Opfern eingelegt; sie aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte“ (Lukas 21, 3-4). Sie hat alles auf eine Karte gesetzt.

Die Bibel schweigt sich aus über die Gründe, warum sie das getan hat – aus Gewohnheit, weil man eben etwas in den Opferkasten wirft? Weil sie sich nicht blamieren will, am Opferkasten vorbeizugehen, ohne überhaupt etwas eingeworfen zu haben? Oder etwa aus einem tiefen Gottvertrauen heraus mit der Gewissheit, dass er sie versorgen wird? Und aus Liebe zu ihrem himmlischen Vater, der sich bisher um sie gekümmert hat und dem sie auch ihre Zukunft anvertraut, selbst wenn sie vielleicht nicht weiß, wovon sie am nächsten Tag noch leben soll?

Jesus verliert über die Beweggründe der Frau kein weiteres Wort. Ihr Verhalten spricht für sich. Sie gibt alles, was sie hat, für die Sache Gottes.

Alles zu geben, was man hat – dazu gehört eine Menge Mut. Oder eben ein riesiges Vertrauen in den, der die ganze Welt in seinen Händen hält und eben auch mein kleines Leben.
 

Was mich an diesen Frauen beeindruckt

An Maria beeindruckt mich ihre Bereitschaft, das Kostbarste, was sie hat, für Jesus hinzugeben. Und ich finde ihre – darf man es so nennen? – Unverfrorenheit bemerkenswert, mit der sie sich in aller Öffentlichkeit zu Jesus bekennt. Vor einem Publikum, bei dem ihr Verhalten auf Widerstand stößt.

An den beiden armen Witwen beeindruckt mich, in welcher Treue und Stille sie den Willen Gottes tun. Geräuschlos und irgendwie wie selbstverständlich. Vielleicht ist ihnen das Fragen nach dem, was Gott möchte, zur zweiten Natur geworden. Sie tun, was zu tun ist. Was danach kommt, ist Gottes Sache. Er wird es schon richten (im Sinne von zu einem guten Ende führen).

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