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© Siddharth Soni / unsplash.com

14.03.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Ellen Hörder-Knop

Auf der Suche nach Sicherheit

Von unsicheren Sicherheiten und sicheren Gewissheiten


Warum lässt sich die Haustür an unserem Hintereingang nicht mehr richtig schließen? Unser Verdacht wird von der Polizei bestätigt. Es gibt eindeutige Spuren. Jemand hat mit einem Stemmeisen versucht, die Tür aufzubrechen. Es ist ihm „Gott sei Dank“ nicht gelungen. Durch die gute Verriegelung der Tür waren wir auf der sicheren Seite.

Sicherheit ist ein Schlüsselwort dieser Zeit und zum Bedürfnis Nr.1 geworden. Es gibt Sicherheitsschlösser und Sicherheitsvorschriften, Sicherheitsdebatten werden geführt, Sicherheitsvorkehrungen getroffen und Sicherheitspolitik betrieben.

Ich bete für Schutz und Bewahrung meiner Familie und für Menschen in Krisen- und Kriegsgebieten. Ich wünsche mir und anderen Sicherheit in einer unglaublich unsicheren Zeit. Der Songtext von Silbermond bringt das mit den Worten auf den Punkt: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint.“
 

Was ist sicher?

Was gestern noch sicher schien, fällt heute wie ein Kartenhaus zusammen. Pandemie, Folgen des Klimawandels, Krieg und Zerstörung erschüttern die so sicher geglaubten Pfeiler der Sicherheit.

Auf der Suche nach Sicherheit finde ich die Angst. Mit bangen Fragen geistert sie durch meine Gedanken: Werden die Absicherungen reichen oder sind die Sicherheitslücken zu groß? Wehmütig schaue ich zurück in die Zeit, in der alles sicher und vertraut, noch „normal“ erschien. Aber das Leben war niemals sicher und wird auch niemals sicher sein.

Auch die Bibel beschönigt an dieser Tatsache nichts. Sie verspricht mir kein Leben ohne Unsicherheiten und Ängste – auch dann nicht, wenn ich mein Vertrauen auf Gott setze.
 

Wer ist sicher?

Als Daniels Freunden, Schadrach, Meschach und Abed-Nego der Tod im Feuerofen blüht, weil sie das goldene Bild des Königs nicht anbeten wollen, erklären sie: „Wenn Gott will, so kann er uns erretten…und wenn er es nicht tun will“, so werden wir trotzdem unserem Gott treu bleiben. Sie sind sicher: Gott kann es! Aber sie sind sich nicht sicher, ob er es tun wird. (Daniel 3,16-18)

Als das Volk der Israeliten wehrlos den Angriffen der Philister ausgesetzt ist, sagt Jonathan zu seinem Freund: „Komm, lass uns hinübergehen…vielleicht wird der Herr etwas für uns tun, denn es ist dem Herrn nicht schwer durch viel oder wenig zu helfen.“ (1. Samuel 14,6) Jonathan macht sich auf den Weg. Mit einem Schwert, einem Freund und seinem Gott. Er weiß: Gott kann, aber vielleicht hat er auch einen anderen Plan.

Petrus wird durch das Eingreifen Gottes aus dem Gefängnis befreit. Aber Jakobus wird enthauptet, Stephanus gesteinigt und Paulus wird vor lebensbedrohlichen Situationen nicht bewahrt. Hat der Glaube an Gott ihnen Sicherheit gegeben? Denen, die immerhin in die Kategorie „Helden des Glaubens“ eingeordnet werden? Mit demselben Glauben, mit dem sie stark sind und Königreiche bezwingen, werden sie geplagt, gefoltert und ermordet. (Hebräer 11,32-40)

Als ihm der Scheiterhaufen droht, in einer seiner schwersten Anfechtungen, schreibt Martin Luther: „Sie können mich töten, aber meinen Herrn können sie nicht töten, der ist bei mir und bleibt auch bei mir. Wenngleich die Not nicht ablässt, so habe ich doch einen mächtigen und starken Rückhalter, der bei mir steht… Der große Herr selbst.“
 

Ich bin mir gewiss

Luther unterschied zwischen Sicherheit und Gewissheit. Auch Christen sind nicht immer sicher, aber sie haben eine ewige, eine unerschütterliche Gewissheit.  Gott verspricht mir nicht, die Umstände im Leben so zu lenken, dass ich immer sicher bin. Aber Gott gibt mir die Gewissheit, dass er mich nie verlassen wird - dass ich heute und morgen und in Ewigkeit in seiner Gegenwart bin und bleibe. Diese Gewissheit ist das Schlüsselwort des Glaubens, das Gottes Geist durch meine Gedanken „geistern lässt“ und mir Geborgenheit schenkt – auch mitten in der Angst und „in einer Welt, in der nichts sicher scheint“.

Wir haben inzwischen eine neue Eingangstür bekommen. Die Verriegelung ist jetzt noch sicherer und das Schloss noch hochwertiger. Zum Glück waren wir gut abgesichert und die Versicherung ist für den Schaden aufgekommen. Zu unserer eigenen Sicherheit haben wir vor der Tür noch Lichter mit Bewegungsmeldern installiert. Sind wir nun auf der sicheren Seite? Nein!

Es gibt keine letzte Sicherheit und sicherer wird es in dieser Zeit auch nicht werden. Aber ich kann mir darin gewiss sein – und gewisser ist nichts auf dieser Welt – das weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur mich von der Liebe Gottes in Jesus Christus scheiden kann. (Römer 8,38.39)

 

 Ellen Hörder-Knop

Ellen Hörder-Knop

  |  Redakteurin Lebenshilfe / Theologie

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