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© Jessica Delp / unsplash.com

20.12.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 5 min

Autor: Steffen Brack

Weihnachten trotz Kummer und Not?

Eine ganz persönliche Advents-Ermutigung.


So schön die Advents- und Weihnachtszeit auch sein kann: Sorgen und Nöte, Schmerz und Leid hören ja meist nicht einfach auf, nur weil Weihnachten vor der Tür steht. Aber die unglaublich frohmachende Nachricht über die Geburt von Jesus beginnt genau dort: Bei den ganz persönlichen Sorgen eines alten Ehepaars. Und bei ihrem wohl tiefsten Schmerz. Und das ist kein Zufall.
 

Die große Geschichte beginnt ganz klein

Große Geschichten fangen manchmal ganz unscheinbar an. Die größte Geschichte aller Zeiten macht da keine Ausnahme. Dabei meine ich „Geschichte“ durchaus im wahren Wortsinn. Also in der Bedeutung von geschichtlichen Ereignissen, die tatsächlich geschehen sind. Und die sich auswirken. Bis hinein in unsere eigene Geschichte. In Ihre genauso wie in meine.

Der griechische Arzt Lukas hat vor ca. 2.000 Jahren die Geschichte von Jesus aus Nazareth sehr genau und sorgfältig erforscht. Das betont er im Vorwort seines Berichts über Jesus (Lukas 1,1-4).

Und dann beginnt Lukas seine Aufzeichnungen mit den Worten: „Zu der Zeit, als König Herodes über das jüdische Land herrschte, lebte ein Priester namens Zacharias. Auch seine Frau stammte aus einer Priesterfamilie; sie hieß Elisabet.“ (Lukas 1,5). Und das verblüfft mich total.
 

Ein kühner Plan

Denn Lukas berichtet hier eigentlich über die größte und unglaublichste Rettungsaktion, die es jemals gegeben hat. Gott selbst ist nämlich drauf und dran und beginnt das gewaltigste Abenteuer, das ich mir überhaupt vorstellen kann. Denn er hat beschlossen: Ich werde Mensch. Und diesen Augenblick hat Gott seit Jahrtausenden vorbereitet.

Das ist tatsächlich ein mutiger Plan, finde ich. Vielleicht sogar geradezu kühn. Verwegen. Und das alles tut Gott, um die Menschen zurückzugewinnen. Seine Menschen, die ihn nicht mehr kennen. Es steht also alles auf dem Spiel. Das Schicksal von Milliarden von Menschen.
 

Es tut weh

Und deshalb bin ich so verblüfft, dass Lukas nun ausgerechnet von einem einzelnen Ehepaar erzählt. Und das als allererstes. Aber damit noch nicht genug. Denn Lukas verweist dann auch noch auf die Not dieses Paares. Ihren ganz persönlichen Schmerz: „Beide führten ein Leben, das Gott gefiel; sie richteten sich in allem nach den Geboten und Anweisungen des Herrn. Sie waren aber kinderlos, denn Elisabet konnte keine Kinder bekommen; außerdem waren sie auch schon sehr alt.“ (Lukas 1,6-7).

Nöte gibt es viele. Sorgen, Leid und Schmerz ebenso. Bei Zacharias und Elisabet ist es ihre kinderlose Ehe. Das können sicher alle gut nachvollziehen, die sich Kinder wünschen – oder gewünscht haben. Aber das Babybettchen bleibt leer. Zur Zeit von Elisabet und Zacharias kommt noch hinzu, dass Kinderlosigkeit damals in den Augen vieler als Strafe Gottes oder als Fluch angesehen wurde. Das ist Unsinn – damals wie heute. Denn Lukas erklärt: die „beiden führen ein Leben, das Gott gefällt.“ (Lukas 1,6).
 

Kinderüberraschung

Und jetzt kommt Überraschung. Die Kinderüberraschung: „Der Engel sagte zu ihm: »Hab keine Angst, Zacharias! Gott hat dein Gebet erhört. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Johannes nennen«“ (Lukas 1,13).

Zacharias ist mit dem Team seiner Priesterabteilung zum Tempeldienst in Jerusalem eingeteilt. Er hat das große Glück und er wird ausgelost, dass er im Tempelgebäude das tägliche Räucheropfer bringen darf. Und dort, direkt an dem Vorhang, der den allerheiligsten Raum des Tempel abtrennt – dem Ort, an dem Gott selbst gegenwärtig sein wollte – genau dort spricht den alten Priester ein Bote Gottes an. Ein Engel, der sonst unseren menschlichen Augen verborgen ist. So wie die gesamte unsichtbare Wirklichkeit Gottes.
 

Ganz persönlich

Der Abgesandte Gottes wird persönlich – im guten Sinn des Wortes. Er kennt die Namen der alten Eheleute. Und er spricht sie damit an: „Hab keine Angst, Zacharias!“ „Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Johannes nennen.“ 

Und den Namen des Kindes, von dem die beiden Alten noch gar nichts wissen – den kennt Gott auch schon. Und hier wird die erste Adventsbotschaft im Lukasevangelium deutlich: Gott meint uns ganz persönlich! Auch Sie und mich. Selbst wenn jetzt Gottes Plan, seine Menschen aus ihrer Gottlosigkeit zu retten, jetzt in die heiße Phase eintritt und Gott sich anschickt, Mensch zu werden – selbst jetzt kümmert er sich um die ganz persönlichen Sorgen und Nöte von einzelnen Menschen. Hier um das alte Ehepaar Zacharias und Elisabet. Und darauf will ich auch vertrauen. Gott sieht mich auch. Und meine Probleme, Sorgen und Ängste. Und damit können Sie auch rechnen.
 

Wir sind nicht vergessen

Noch etwas fällt mir auf. Der Botschafter aus der unsichtbaren Wirklichkeit Gottes sagt zu Zacharias: Gott hat dein Gebet erhört.“ Natürlich denke ich. Wenn jemand sich Kinder wünscht und bekommt keine, dann bitten die Betroffenen Gott darum. Vor allem wenn es Menschen sind wie Elisabet und ihr Mann Zacharias. Menschen, die ihr ganzes Leben auf Gott ausrichten und die ihm offensichtlich von Herzen dienen. Und wie es aussieht, hat sich daran auch nichts geändert, als Gott ihre Gebete nicht erhört hat.

Doch beim zweiten Hinsehen meine ich: das Gebet, von dem der Engel spricht, das ist vermutlich ein ziemlich altes Gebet. Denn Lukas erwähnt unmissverständlich: Elisabet und Zacharias „waren auch schon sehr alt.“

Die Wortwahl deutet an: die beiden sind schon lange jenseits der Wechseljahre. Und deshalb gehe ich davon aus, dass sie sich mittlerweile damit abgefunden haben, dass sie kinderlos bleiben. Und weil sie längst das Alter erreicht haben, in dem zumindest Elisabet keine Kinder mehr bekommen kann, deshalb meine ich, haben sie mittlerweile auch aufgehört, dafür zu beten. Zumindest habe ich den Eindruck, dass Lukas mit seinen Formulierungen genau das andeuten will.

Und jetzt kommt der Engel extra für die beiden aus der Welt Gottes und sagt: Gott hat dein Gebet erhört.“ Vermutlich ein altes Gebet. Und weder Zacharias noch Elisabeth haben wohl damit gerechnet, dass Gott noch an ihre Gebete um ein Kind denkt. Aber genau das tut Gott. Dieses alte Ehepaar, das Gott ihr ganzes Leben lang vertraut hat – diese beiden alten Leutchen sind nicht vergessen. Und auch keines ihrer Gebete. So alt sie auch sein mögen. Und das ermutigt mich total.

Gott vergisst uns nicht. Auch Sie und ich – wir sind bei Gott nicht vergessen. Und unsere Gebete auch nicht. Es gibt offensichtlich kein Verfallsdatum für ein ehrliches Gebet. Das ist die erste große Ermutigung in der Weihnachtsbotschaft. In der unfassbar guten Nachricht über die Geburt von Jesus.
 

 Steffen Brack

Steffen Brack

  |  Redakteur und Theologe
Theologe und Redakteur, verheiratet, drei Kinder. Begeistert von Gottes unerschütterlicher Liebe.

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