Navigation überspringen
© Priscilla du Preez / unsplash.com

03.11.2021 / Theologie / Lesezeit: ~ 2 min

Autor: Katrin Faludi

Mein Bibelbuch (2)

Ein persönlicher Blick in die Heilige Schrift: Katrin Faludi über das Lukasevangelium.

 

 

„Es begab sich aber zu der Zeit…“ Mit diesen Worten beginnt eine der bekanntesten Geschichten der Welt: die Weihnachtsgeschichte, so wie sie im Lukasevangelium erzählt wird. Dies ist aber bei Weitem nicht die einzige berühmte Geschichte, die  dieses Evangelium zu bieten hat. Von den vier Evangelisten ist Lukas nämlich der begnadetste Erzähler. Wie kein anderer versteht er es, die Szenen, in denen er vom Handeln und Reden Jesu berichtet, vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden zu lassen.

In den Gleichnissen etwa. Zwei der eindrücklichsten Erzählungen finden wir nur im Lukasevangelium: die vom verlorenen Sohn und die vom barmherzigen Samariter. Auch die Emmaus-Geschichte, in der Jesus unerkannt seine trauernden Jünger auf ihrem Weg begleitet, wird nur von Lukas erzählt. In all diesen kraftvollen Episoden scheint immer wieder durch: Gott ist auf der Seite der Schwachen, der Armen und der Trauernden. Er tritt in Beziehung zum Menschen, indem er vergibt, in der Not hilft und tröstet. Lukas stellt diese enge, vielfältige Beziehung zwischen Gott und Mensch in lebendigen Szenen dar und macht sie so erlebbar.

Dass Lukas anders erzählt als die anderen Evangelisten, zeigt sich übrigens schon im ersten Satz seines Berichts. Markus und Matthäus steigen sehr nüchtern ein: „So beginnt die Botschaft von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ bzw. „Dies ist das Verzeichnis der Vorfahren von Jesus Christus.“ – und dann folgt erst mal eine lange Ahnentafel.

Lukas hingegen spricht seinen Empfänger direkt an: „Verehrter Theophilus, viele haben schon über die Ereignisse geschrieben, die bei uns geschehen sind. Dabei haben sie die Berichte der ersten Jünger zugrunde gelegt, die mit eigenen Augen gesehen haben, wie Gott seine Verheißungen erfüllt hat. Ich habe all diese Berichte von Anfang an sorgfältig studiert und beschlossen, alles in geordneter Folge für dich aufzuzeichnen.“

Lukas ist ein gelehrter Mensch, das lässt sich schon aus diesen wenigen Zeilen herauslesen. Redlich nennt er seine Quellen: Die Augenzeugenberichte der Jünger, die zu seiner Zeit offenbar in großer Zahl aber recht unsortiert kursieren. Und er schildert seine Absicht: Alles der Reihe nach und so zuverlässig wie möglich zu erzählen. Er gibt sich als literarisch, theologisch und historisch gebildeter Mensch zu erkennen. Sein Faible für das geordnete Erzählen finden wir auch in der Apostelgeschichte, die gewissermaßen die Fortsetzung des Lukasevangeliums darstellt.

Wie bei den anderen Evangelisten kann heute aus meiner Sicht nicht mehr zweifelsfrei bestimmt werden, wer hinter dem Verfasser mit dem Namen Lukas steckt. Wahrscheinlich handelte es sich bei ihm aber um einen engen Mitarbeiter von Paulus. In der Bibel wird er an einer Stelle als „Arzt“ bezeichnet. Lukas scheint sich mit dem Evangelium vor allem an Menschen zu richten, die nicht in der jüdischen Tradition aufgewachsen sind.

Er versucht, die Lehre von Jesus so eingängig wie möglich in Worte zu fassen. Dabei betont er nicht nur die Beziehung zwischen Gott und Mensch, sondern macht auch praktische Aussagen zum Zwischenmenschlichen: Wie sieht das aus mit Lebensführung, Rechtsfragen, Gerechtigkeit und vor allem Nächstenliebe? Damit wurde das Lukasevangelium zu einem wichtigen Leitfaden für das Leben in den noch jungen christlichen Gemeinden. Und auch heute können wir noch genauso viel daraus lernen – indem wir uns in die Erzählungen mit hineinnehmen lassen.

 

Weitere Informationen zum Thema Bibel finden Sie auch auf unserem Dossier:

 

 Katrin Faludi

Katrin Faludi

  |  Redakteurin

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren