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© Hannah Olinger / unsplash.com

11.10.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Annegret Schneider

Erinnerungen und Zusagen

Ein lang zurückliegendes Versprechen und eine aktuelle Verheißung.


Allen wünsch ich Wohlergehn... die in meinem Album stehn

Haben Sie das auch auf die erste Seite Ihres Poesie-Albums geschrieben und es dann an liebe Menschen weitergereicht, von denen Sie hofften, dass sie etwas Schönes für Sie in das kleine Büchlein schreiben würden? Und natürlich haben Sie es nur an diejenigen weitergegeben, die Ihnen etwas bedeuteten – an Eltern, Geschwister, Großeltern, Tanten, Kusinen, Jungscharleiterinnen, Freundinnen, Schulkameradinnen und, und, und… und vor allem an die großen und kleinen Mädchen, die damals zu ihrem Radius gehörten. Ich schreibe deshalb „Mädchen“, weil ein Poesiealbum einfach eher eine „Mädels-Sache“ war – oder kommt mir das im Rückblick nur so vor?
 

Die kostbaren Erinnerungen

Sollten Sie Ihr Poesie-Album noch haben, kramen Sie es doch wieder mal hervor und schauen sich an, wer da alles drinsteht. Und vor allem: Was die einzelnen Leute für Sie aufgeschrieben haben. Das könnte ein vergnüglicher Nachmittag werden. Vielleicht auch ein melancholischer, weil Sie möglicherweise zu vielen, die sich da verewigt haben, schon lange keinen Kontakt mehr haben.

Da finden sich unter Umständen Eintragungen von Menschen, die unbekannt verzogen oder gar schon verstorben sind. Vielleicht können Sie sich an manche gar nicht mehr so recht erinnern – aber die Sprüchlein, die da stehen, haben sich womöglich in Ihr Gedächtnis eingebrannt und vielleicht haben Sie diese selbst auch wieder jemandem ins Album geschrieben.
 

Eine steile Aussage

Wenn die Flüsse aufwärts fließen, und die Hasen Jäger schießen; wenn die Mäuse Katzen fressen; dann erst will ich Dich vergessen! Das verspricht Dir…

 

ist in meinem Album unter anderem zu lesen. Wow. Was für ein Versprechen!

Mich würde ja mal brennend interessieren, woher dieses Sprüchlein so ganz ursprünglich stammt; deswegen habe ich „Dr. Google“, den (Fast-)Alleswisser konsultiert; aber die Quelle scheint unbekannt zu sein. Egal, ich weiß jedenfalls, wer sich dieses kleine Gedicht zu eigen gemacht und es für mich aufgeschrieben hat. In diesem Fall ist es interessanterweise so, dass ich noch heute im gleichen Ort lebe und zur gleichen Kirchengemeinde gehöre wie diejenige, die mir diesen Vers vor Jahrzehnten gewidmet hat. Sie kennt mich also tatsächlich noch.
 

Eine zuverlässige Zusage

Das Ganze erinnert mich an eine andere Zusage, die sehr viel weiter reicht und deren Quelle nicht nur bekannt, sondern absolut verlässlich ist.

Im Lukasevangelium, Kapitel 10, wird davon berichtet, dass Jesus seine Jünger losschickt, um den Menschen das Evangelium weiterzusagen. Er rüstet sie aus mit der Kraft, die sie für diese Aufgabe benötigen, ja, er gibt ihnen sogar Macht über die größten Widrigkeiten (siehe Vers 19).

So ausgerüstet, machen sich die Jünger auf den Weg und sammeln ihre Erfahrungen – selbst da, wohin sie wie „Lämmer mitten unter die Wölfe“ (siehe Vers 3) geschickt werden.

Sie machen sich auf den Weg und sagen die Botschaft von Jesus Christus anderen weiter. Denen, die sie hören wollen und wohl auch denen, die alles andere lieber hören würden. Aber die Jünger sind von ihrem Herrn höchstpersönlich mit dem notwendigen Mut und einer Courage ausgestattet worden, über die sie in ihrem Dienst wohl selbst manchmal staunen.

Und nun kehren sie wieder zu Jesus zurück und sind begeistert – total geflasht – um es mal salopp zu sagen. Voller Freude berichten sie Jesus, ihrem Auftraggeber, was sie so alles auf ihrer „Dienstreise“ erlebt haben. Sie betonen: „Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen“ (Vers 17).

Und wie reagiert Jesus? Er scheint nicht überrascht zu sein von der Vollmacht, von der ihm seine Jünger so „voll Freude“ (Vers 17) erzählen. Er weiß ja, woher sie diese Macht haben: „Seht, ich habe euch Macht gegeben…“ (Vers 19). Aber dabei hält er sich nicht lange auf, sondern lenkt die Aufmerksamkeit seiner Nachfolger umgehend auf etwas, worüber sie sich noch mehr freuen sollen: „Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ (Vers 20).
 

Eine kostbare Verheißung

„Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ – das ist es, worauf Jesus den Blick der Jünger lenkt. Die Erfahrungen, die sie gerade gemacht haben, sind zeitlich begrenzt. Wir alle erleben Zeiten, in denen wir uns stark fühlen und etwas bewirken können mit der Hilfe des Herrn, der uns mit seiner Kraft ausrüstet. Doch dabei bleibt es nicht. Nach diesem Leben auf der Erde kommt ein anderes – und wohl dem Menschen, der zu Jesus gehört und dessen Name im Himmel geschrieben ist.

Wer sich hier auf der Erde für Jesus entscheidet, wer an ihn glaubt, ihm vertraut und alle Hilfe von ihm erwartet. Wer den gekreuzigten und auferstandenen Jesus als seinen persönlichen Heiland annimmt, wer seine Sünden bei ihm ablädt und ihn um Vergebung bittet, dessen Name ist im Himmel geschrieben. Wow. Was für ein Versprechen!

Das bedeutet, auch wenn alles drunter und drüber geht (quasi wenn die Flüsse aufwärts fließen…), wenn alles verkehrt zu laufen scheint und nichts mehr ist, wie es war – aber auch wenn alles glatt läuft und keine Turbulenzen zu spüren sind: Einer ist da, der seine Nachfolgerinnen und Nachfolger niemals vergisst – der ihre Namen im Gedächtnis verankert hat – und sogar im Himmel aufgeschrieben.

Das ist eine Zusage, die man sich merken sollte. Und sie stammt aus einer zuverlässigen Quelle, von Jesus selbst. Wenn Sie eine Bibel haben und diese (wie vielleicht Ihr altes Poesie-Album) irgendwo in der Wohnung herumsteht, dann kramen Sie doch diese wieder einmal hervor und schauen sich an, was da so alles drinsteht.

Das könnte ein lebensverändernder Nachmittag werden. Und das ist dann wahrlich nicht nur eine „Mädels-Sache“.

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Kommentare

Katrin /

Danke für diese Andacht. Jedoch stimme ich nicht zu, dass, "wenn alles drunter und drüber geht", wir Menschen vergessen, die uns einmal wichtig waren. Nur fühlen wir uns manchmal nicht in der Lage, sie zu erreichen.
Ich glaube, es stimmt wirklich, dass wir bestimmte Menschen und Jesus erst vergessen, "wenn die Flüsse aufwärts fließen", also niemals.
Und Jesus vergisst uns natürlich auch niemals.

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