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© Ethan Smith / unsplash.com

06.09.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 2 min

Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

„Danke, mir geht es sehr gut“

Mit der Dankbarkeit ist das so eine Sache. Ich nehme sie gerne entgegen. Aber sie auszuüben – das fällt mir deutlich schwerer.

 

 

Ich weiß, viele können nichts oder nur wenig mit dem Kirchenjahr anfangen. Es scheint, als passt diese Tradition nicht mehr in unsere Zeit. Irgendwie wirkt sie antiquiert.

Früher ging es mir ähnlich. Aber das hat sich gründlich geändert. Inzwischen finde ich die inhaltliche Ausrichtung der Sonntage hilfreich. Sie lenkt meine Aufmerksamkeit auf Themen und Lebensbereiche, die sonst zu kurzkommen würden. Gestern, am 14. Sonntag nach Trinitatis ging es um Dankbarkeit.
 

Warum sollte ich mir darüber Gedanken machen?

Klar werden Sie sagen, Dankbarkeit ist wichtig. Aber warum soll ich an einem Tag im Jahr extra darüber nachdenken?

Dankbarkeit ist deshalb wichtig, weil sie eng mit meiner Haltung verknüpft ist. Überlegen Sie doch für einen Moment:

  • Sehen Sie sich als jemand, der aus eigener Kraft etwas im Leben erreicht hat?
  • Nehmen Sie wahr, dass Ihr Erfolg auch dem Wohlwollen anderer geschuldet ist?

 

Das Motto

Im Liederbuch des Alten Testaments, also des ersten Teils der Bibel, steht das Motto des gestrigen Sonntags der Dankbarkeit. Dort heißt es:

Lobe den Herren, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat (Psalm 103,2).

 

Unter dem Eindruck dieses Verses habe ich mich gefragt, was mir Gutes zuteilgeworden ist. Die Bibel kennt dafür einen Begriff. Sie spricht von Segen. Deshalb noch einmal: Wo und wann habe ich Segen erfahren?
 

Meine Liste

Beim Nachdenken werden mir die unterschiedlichsten Gelegenheiten bewusst. Hier eine kleine Auswahl:

  • Mir wurde beruflich eine Chance eingeräumt, mich zu beweisen. Dafür bin ich dankbar.
  • Fähige Ärzte haben mir in kritischen gesundheitlichen Situationen geholfen.
  • In meinem Umfeld gibt es Freunde, die echtes Interesse an mir haben.
  • Ich bin glücklich verheiratet, verstehe mich mit meinen Kindern und deren Partnern.

 

Meine Dankbarkeitsliste ließe sich fortsetzen. Aber schon nach wenigen Punkten weiß ich, dass ich allen Grund habe, dankbar zu sein. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich.

Als Christ sehe ich eine weitere Dimension. Ich beobachte, wie Gott in meinem Leben manchmal offensichtlich – meistens jedoch im Verborgenen – zu meinem Wohl wirkt. Auch dafür bin ich dankbar.

Und weil das so ist, stimme ich dem Psalmbeter zu, wenn er sagt: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Mich führt das zu dem Entschluss, dass ich bewusst Dankbarkeit in meinem Herzen und meiner Seele kultivieren will. Sie soll im Zentrum meines Denkens und Wollens sein und auch dort, wo meine Gefühle zu Hause sind. Auch das steckt hinter dem Gedanken, Gott zu loben.

Ich wende mich ihm zu, spreche ihm meine Empfindungen aus und wertschätze in der Gegenwart anderer das, was und wie er in meinem Leben Gutes gewirkt hat.

Das führt mich zum letzten Teil des Verses 2 aus Psalm 103. Dort heißt es: „Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“  Firmen sind immer auf die Zukunft ausgerichtet. Der Profit, der erwirtschaftet werden soll, steht im Zentrum, und natürlich all die vielen anderen Ziele, die man sich gesteckt hat. Gleiches gilt für unser Leben. Wir sind in der Regel nach vorne orientiert.

Das ist richtig und gut so. Aber: Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Die großen Taten Gottes sind ein Schatz, den es zu hüten gilt. Wenn ich zurückschaue, ihnen nachspüre und dabei entdecke, wie wunderbar Gott mich versorgt hat, dann macht das das Leben reich.

 Wolf-Dieter Kretschmer

Wolf-Dieter Kretschmer

  |  Leiter Redaktion Theologie/Verkündigung
Der Theologe, Autor und Redakteur verantwortet die Verkündungssendungen, leitet die Redaktion Theologie und das Seelsorgeteam. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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