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© Jukan Tateisi / unsplash.com

14.08.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Ellen Hörder-Knop

Wie Phönix aus der Asche

Leben zwischen Niederlage und Neuanfang.


Eine Steinmauer in unserer Nachbarschaft liegt in Trümmern. Ein Autofahrer hat mit seinem Fahrzeug die Kurve nicht bekommen. Er ist mit ein paar Blessuren davongekommen. Das Auto ist Totalschaden.

Ein junger Mann schreibt: „Ich bekomme die Kurve nicht. Mein Lebensentwurf ist völlig gescheitert. Ich liege unter den Trümmern meines Lebens und schaue auf die Asche. Wie soll ich da wieder rauskommen?“
 

Alles aus?

Brüche und Trümmer im Leben sind keine Vorzeigeobjekte. Scheitern gehört zu den Tabus in der Gesellschaft. Es zählt, was gelingt und in sozialen Netzwerken „geliked“ werden kann.

Da geht etwas schief, weil ich eine Situation nicht richtig eingeschätzt habe. Gerade gab es noch Pläne und Träume und mit einem Mal ist davon nichts mehr übrig. Was bleibt, ist oft ein Trümmerhaufen aus Trauer, Ohnmacht, Wut, Scham und Ärger.

Wer würde sich da nicht gerne ohne sichtbare Verletzungen und Narben neu belebt erheben?  „Wie Phönix aus der Asche“, der Sagenfigur, die einen Neuanfang nach einer Niederlage, einen Aufbruch nach einem Zusammenbruch symbolisiert.
 

Träume und Trümmer

Auch die Bibel erzählt von Menschen, die in ihrem Leben vor einem Trümmerhaufen stehen. Sie tut das ohne Schwarzmalerei und ohne Schönfärberei. Ob mit oder ohne eigenes Verschulden – für mich sind es Hoffnungsgeschichten! Menschen, von denen ich lerne, mit Träumen und Trümmern zu leben.

Einer von ihnen ist Daniel, ein anderer Petrus. Daniel ist miteingeschlossen in die Niederlage seines ganzen Volkes im 6. Jh.v.Chr. Die einen leben in den Trümmern Jerusalems. Andere, so auch Daniel, werden nach Babylon verschleppt. Wie alle anderen um ihn herum lebt er mit der brennenden Frage im Herzen: „Wann können wir zurück und neu anfangen?“

Statt sich „wie Phönix aus der Asche“ zu erheben, fleht er zu Gott „unter Sack und Asche“, am Boden zerstört: „Neige dein Ohr, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer, …höre, sei gnädig, merke auf, lass nicht auf dich warten! Auf unsere Gerechtigkeit können wir nicht setzen, aber auf deine große Barmherzigkeit!“ (Daniel 9,18-19)

Nicht nur von Daniel, sondern auch von vielen anderen Betern der Bibel lerne ich, „mein Herz vor Gott auszuschütten“ (Psalm 62,9), ihm meine „Trümmer“ vor die Füße zu legen. Zu trauern, zu klagen. Zu sagen, was schmerzt. Ihm von meiner Enttäuschung zu erzählen und persönliche Schuld zu bekennen.

Von Daniel lerne ich mein Herz vor Gott auszuschütten und Gott meine „Trümmer“ vor die Füße zu legen.

 

Geliebt

„Du bist von Gott geliebt!“, ist die Zusage, die Daniel vor seinem Trümmerhaufen erhält. (Daniel 9,23) Niederlagen und Frust dürfen ihren Platz im Leben haben. Sie ändern nichts an der Tatsache, dass ich im Radius der Liebe Gottes stehe - genauso wie bei allem, was gut und schön und vollkommen ist.

Und da, wo meine Trümmer mich an der Liebe Gottes zweifeln lassen – da will ich mich an den Zuspruch klammern, den Jesus viele Jahre später seinem Jünger Petrus gegeben hat: „Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre!“ (Lukas 22,32)

Petrus, ein Mann, der vor dem Trümmerhaufen seines eigenen Versagens steht. Erst war er mit ganzem Einsatz Jesus gefolgt. Hatte vollmundig behauptet, sei sogar bereit, sein Leben für Jesus zu lassen. Dann kam das Aus. Dreimal hatte er Jesus verleugnet. Dieser Vertrauensbruch bedeutet für Petrus das Ende seiner Geschichte mit Jesus.
 

Ein neues Kapitel

Doch dann begegnet er dem auferstandenen Jesus. Peinlich!? Unangenehm!? Nein! Jesus reduziert Petrus nicht auf sein Versagen und sein Scheitern. Er ermöglicht ihm eine neue Chance. Einen Neustart, der möglich ist durch Vergebung und Versöhnung.

Jesus spricht Petrus sein Vertrauen aus. Er hält an ihm fest: Petrus, wir beide fangen noch einmal von vorne an. Es ist nicht alles aus! Ich schreibe meine Zukunftsgeschichte mit dir!

Die Frage, die Jesus an Petrus stellt, kann nur persönlich beantwortet werden: „Hast Du mich lieb?“ Bei Jesus zählt nicht, wie fehlerfrei ich mein Leben hinkriege; wie viel ich vermasselt habe und wie oft ich gescheitert bin. Bei ihm zählt mein Herz. Meine vertrauensvolle Beziehung zu ihm, auch wenn ich nicht weiß, welche „Kurven“ mich noch erwarten.

Bei Jesus zählt nicht, wie fehlerfrei ich mein Leben hinkriege; wie viel ich vermasselt habe und wie oft ich gescheitert bin. Bei ihm zählt mein Herz.

 

Auch wenn in Zukunft nicht alles gelingt und nicht alles geliked wird. Aber verlinkt mit Gottes Liebe, ist es nie zu spät für neue Wege. Gott will der Autor meiner Zukunftsgeschichte sein. Dazu gibt er mir sein Versprechen: „Ich werde mit dir gehen und dich nicht im Stich lassen.“ (Josua 1,5)

Ein Neuanfang ist kein sagenumwobenes Märchen. Es ist wahr und es bleibt wahr: Ich bin von Gott geliebt. Er schenkt Vergebung für mein Versagen. Er gibt meinem Leben Würde und Zukunft. Wo ich am Ende bin, schlägt er ein neues Kapitel auf. Das ermutigt mich, aufzustehen und weiterzugehen. Mit meinen Erfahrungen und Hoffnungen. Mit meinen Trümmern und meiner Asche. Mit meinen Ängsten und seinen Verheißungen.

 Ellen Hörder-Knop

Ellen Hörder-Knop

  |  Redakteurin Lebenshilfe / Theologie

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