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© Nicolas Prieto / unsplash.com

22.08.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 9 min

Autor: Steffen Brack

Leben mit dem Unsichtbaren (2)

Gott vertrauen lernen, auch wenn wir ihn nicht sehen.


„Wie können wir denn mit Gott leben, wenn er doch unsichtbar ist?“ Teenager haben dem Theologen Steffen Brack diese Frage gestellt. Und er nimmt sich Zeit. Denn er will gute Antworten finden. Praktische Antworten, die auch wirklich helfen, damit Menschen dem unsichtbaren Gott begegnen.

Lesen Sie hier Teil 2 des Artikels.
 

Verborgene Welten

Manchmal lüftet Gott den Schleier ein wenig. Und er gewährt Menschen einen Einblick in seine Wirklichkeit. In die Welt Gottes, die uns normalerweise verborgen ist. Im ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament, gibt es dazu einen sehr eindrücklichen Bericht.

Elisa war ein Prophet in Israel. Und zwar in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts vor Christus. Und das sind raue Zeiten. Grenzschwierigkeiten werden normalerweise militärisch gelöst. Und so ist es auch in diesem Fall. Der König von Aram legt einen Hinterhalt, in dem er auf das ahnungslose Heer Israels wartet. Aber das ist gar nicht so ahnungslos, wie es eigentlich sein müsste. Denn Elisa kennt den Ort, an dem die Aramäer auf die israelische Armee warten. Gott hat ihm das offensichtlich offenbart. Und er informiert den König Israels darüber. Auf diese Art vereitelt Elisa die Strategie der Aramäer. Und das gleich mehrmals.

Das Oberhaupt der Aramäer versammelt seine Generäle um sich. „Wer ist der Spion in unseren Reihen, der jeden unserer Hinterhalte an den König Israels verrät?“ Aber ein Heerführer der Aramäer kennt den wahren Grund: „Der Prophet Elisa ist schuld. Er meldet dem König von Israel sogar, was du in deinem Schlafzimmer sagst“ (2. Könige 6,12).

Das ist natürlich eine ganz andere Art von Spionage. Und jeder Geheimdienst – damals wie heute – wäre natürlich froh über einen solchen Informanten. Nun ist für die aramäische Armee natürlich klar, was sie zu tun hat. Sie suchen Elisa. Denn wenn sie ihn haben, dann bekommt der König Israels natürlich auch keine geheimen Informationen mehr über die nächsten militärischen Schritte Arams.

Und Elisa ist schnell aufgespürt. Er hält sich in der Stadt Dotan auf. Und Arams König verliert keine Zeit und lässt die Stadt in der Nacht umstellen. Mit einem großen Heer, samt Streitwagen und einer Menge Reiter. Ganz schön viel Aufwand für einen einzigen Mann. Oder?

Und jetzt kommt die entscheidende Szene:

Als es hell wird, tritt Elisas Assistent vor die Haustür: Und er sieht diese riesige Übermacht des aramäischen Heeres, das die ganze Stadt umstellt. Und er bekommt es mit der Angst zu tun. Und dann heißt es in dem biblischen Bericht:

Doch Elisa beruhigte ihn: »Du brauchst keine Angst zu haben! Denn auf unserer Seite steht ein noch größeres Heer.« Dann betete er: »Bitte, Gott Israels, öffne ihm die Augen!« Da öffnete Gott Elisas Diener die Augen, und er konnte sehen: Der ganze Berg, auf dem die Stadt stand, wurde von Pferden und Streitwagen aus Feuer beschützt (2. Könige 6,16-17).

 

Elisa weiß das wohl schon die ganze Zeit. Dass nämlich in Gottes unsichtbarer Wirklichkeit eine noch viel größere Armee auf ihrer Seite steht. Er weiß das und vertraut darauf. Und das vermutlich, ohne dass er dieses Heer erst sehen muss.
 

… als würde er den Unsichtbaren sehen

Gott und seine Wirklichkeit sind absolut real. Und weil das so ist, deshalb machen Menschen auch immer wieder die Erfahrung: Gott ist tatsächlich da. Und ich lerne: ich kann mich voll und ganz auf ihn verlassen. Auch wenn ich ihn nicht sehe. Darum geht es in dem nächsten Satz, den ich aus dem Hebräerbrief lese. Hebräerbrief, ebenfalls Kapitel 11, diesmal Vers 27:

Durch den Glauben verließ Mose [w.: er] Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als würde er den Unsichtbaren sehen.

 

Mose, von dem hier die Rede ist, wurde wie ein Königssohn am Hof des ägyptischen Pharaos aufgezogen (2. Mose 2,10). Aber er war ein Hebräer, ein Israelit. Einer vom Volk Gottes, das in Ägypten sehr groß geworden war. So groß, dass die Könige Ägyptens, die Pharaonen, sich durch Israel bedroht sahen. Und deshalb unterdrückten sie diese Bedrohung. Und machten die Israeliten zu Sklaven.

Gott sah diese Not seines erwählten Volks. Und er berief Mose, sein Volk aus der Versklavung in Ägypten zu befreien. Dabei sieht Mose nur eine Flamme in einem Dornbusch. Und der verbrennt wunderbarer Weise nicht. Und aus diesem Dornbusch spricht eine Stimme zu ihm: Gottes Stimme, der ihn beruft, sein Volk aus der Macht Ägyptens zu befreien. Dabei sind Mose die ungeheuren Mittel des ägyptischen Reichs sehr wohl vor Augen. Die zahllosen Möglichkeiten, mit denen es seine Herrschaftsansprüche durchsetzen kann. Natürlich auch mit Gewalt.

Mose hat 40 Jahre in diesem Reich gelebt. Er kennt den Reichtum des Pharaos und seine großen Heere. Ausgestattet mit den modernsten militärischen Technologien. All das sieht er. Aber Gott sieht er nicht. Er hat nur seine Worte, die er zu ihm gesprochen hat:

Ich weiß, dass der König von Ägypten euch nicht gehen lässt; er wird sich durch keine Macht der Welt dazu zwingen lassen. Aber dann werde ich meine Hand ausstrecken und die Ägypter schlagen, ich werde Schrecken erregende Wunder in ihrer Mitte vollbringen. Und dann wird er euch ziehen lassen (2. Mose 3,19-20).

 

Und Mose stellt sich schließlich dem Auftrag, den Gott ihm gegeben hat. Der Auftrag des Gottes, der zu ihm gesprochen hat – ja. Aber den er noch nie gesehen hat. Und dazu heißt es hier im Hebräerbrief: Durch den Glauben verließ Mose [w.: er] Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als würde er den Unsichtbaren sehen.

„Als würde er den Unsichtbaren sehen.“ Die unsichtbare Wirklichkeit Gottes ist so präsent, so wahr, dass Menschen dem lebendigen Gott so vertrauen können, als würden sie ihn sehen. Und davon gibt es noch viel mehr Beispiele.
 

Das Sichtbare vergeht – das Unsichtbare bleibt

Noch ein letztes zu diesem Punkt: Nicht sichtbar – und doch wirklich. Der zweite Teil der Bibel, das Neue Testament, enthält viele Schriften eines Mannes, der anfangs total gegen Jesus gewesen ist. Und gegen alle Menschen, die an Jesus glauben. Ich meine Paulus, den früheren jüdischen Schriftgelehrten, von der strengen Gruppierung der Pharisäer.

Als Jesus sich ihm eines Tages offenbart hat, erkennt Paulus: ich liege ja völlig falsch mit meinem Urteil über Jesus. Und über die Jesusleute. Und von da an wurde er ein glühender Verfechter von Jesus, dem lang erwarteten Messias. Und vom Glauben an den Gottessohn, wie er es von jetzt an erkennt. Nicht sichtbar – und doch Wirklichkeit. Diese Aussage zum Thema steigert Paulus sogar noch. Und ergänzt sie durch das folgende Statement:

Deshalb lassen wir uns von dem, was uns zur Zeit so sichtbar bedrängt, nicht ablenken, sondern wir richten unseren Blick auf Gottes neue Welt, auch wenn sie noch unsichtbar ist. Denn das Sichtbare vergeht, doch das Unsichtbare bleibt ewig (2. Korintherbrief, Kapitel 4,18.).

 

Das, was wir hier in dieser Welt für so unverrückbar real halten – das, sagt Paulus, wird alles vergehen. Aber Gottes Welt, die wir im Moment noch nicht sehen – diese Wirklichkeit Gottes, das ist die einzige Wirklichkeit, die tatsächlich Bestand hat.

Paulus schreibt hier in eine Situation, in der Christen verfolgt werden, enteignet, ins Gefängnis geworfen, gefoltert. Und manche werden sogar umgebracht. Das ist doch alles ganz real, ganz konkret. Aber alle menschlichen Mächte, die es den Christen damals wie heute so schwer machen – die werden alle vergehen. Und Gottes unsichtbares Reich wird eines Tages sichtbar offenbart.

„Denn das Sichtbare vergeht, doch das Unsichtbare bleibt ewig.“ Alles sichtbare unserer gegenwärtigen Welt vergeht. Lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen von ihrem Zauber, den sie unseren Augen vorgaukeln. Was letzten Endes zählt, das ist heute noch unsichtbar. Und das ist die Wirklichkeit Gottes.
 

„Wetten, dass …“

Dazu ein Beispiel. Vielleicht kennen einige von Ihnen noch die Fernsehshow „Wetten dass …“. Ich weiß, die Show gibt es schon lange nicht mehr. Aber ich bin nun mal tatsächlich noch ein Mensch aus dem letzten Jahrtausend. Und damals gehörte „Wetten dass …“ wohl zu den bekanntesten Fernsehshows in Deutschland.

Was ich Ihnen jetzt erzähle ist also mindestens 30 Jahre her, vermutlich sogar noch etwas länger. Mein Vater und ich hatten Karten bekommen für eine Show in Wiesbaden. Irgendjemand konnte nicht – und so sind die Karten schließlich bei uns gelandet. Und wir haben uns gefreut. Kleiner Haken: es handelt sich nicht um die eigentliche Live-Show am Samstagabend. Sondern um die Generalprobe am Abend zuvor. Aber wir freuen uns trotzdem.

So sitzen wir an einem Freitagabend in einer riesigen Halle in Wiesbaden und haben einen guten Platz. Ein Mann vom Fernsehen – vermutlich der Regisseur – erklärt uns, wie die Generalprobe abläuft. Wann wir klatschen sollen und so manches mehr. Mit einem Mal steht Frank Elstner direkt neben mir. Das war der erste Moderator von „Wetten dass …“. Und der Mann, der die Show erfunden hat. Ich bin etwas verdutzt.

Einmal habe ich nicht damit gerechnet, dass eine berühmte „Fernsehgröße“ so dicht neben mir stehen würde. Überrascht bin ich auch davon, dass der Mann im realen Leben viel kleiner ist, als er auf mich im Fernsehen immer gewirkt hat. Dazu ist er so dick geschminkt, das würde im echten Leben niemand so machen. Aber im Fernsehen ist das unvermeidlich, denn die Kameras brauchen eben immer eine etwas übertriebene Optik. Aber das mal nur so nebenbei.

Worum es mir eigentlich geht, ist folgendes: In der riesigen Halle nimmt die gesamte Bühnendekoration nur einen relativ kleinen Teil ein. Und ich sitze etwas weiter weg und auch ein paar Meter höher. Deshalb sehe ich die ganzen Aufbauten von schräg oben und auch ein wenig von der Seite. Und deshalb kann ich ziemlich gut erkennen, wie das Wohnzimmer mit Kamin, das für eine Wette als Kulisse dient, nur aus dünnen Holzwänden besteht. Und die sind auf der Vorderseite so täuschend echt bemalt oder fototechnisch beschichtet, dass es im Fernseh-Bild später absolut realistisch aussieht. Wie im Theater eben.

Mit einem Mal fängt direkt hinter mir eine Frau an, mit ihrem Mann zu tuscheln. Wie der hieß, das weiß ich nicht mehr. Aber sie sprach ihn ständig mit seinem Vornamen an. Ich nenne ihn jetzt einfach Mal „Willi“, dann kann ich das einfacher erzählen. Vermutlich hieß er aber ganz anders. Und natürlich will ich damit niemanden von Ihnen, der „Willi“ heißt, irgendwie lächerlich machen. Nein. Ganz und gar nicht.

Die Frau hinter mir flüstert also – relativ laut: „Du Willi. Guck‘ doch mal. Das ist ja alles gar net echt. Das gibt’s doch net. Willi, siehst de des. Guck‘ doch mal. Der Kamin. Alles nur gemalt. Und die Mauern, nur dünne Holzdinger.“ Nach einer Weile geht es weiter: „Ich fass‘ es net. Willi. Des is‘ werklich net echt. Des gibt’s doch gar net. Alles nur Fassade. Dünnes Holz und Pappedeckel. Ja glaubst de des Willi. Alles ist net echt.“
 

Endlich! Gottes unsichtbare Welt wird sichtbar

Nicht alles, was wir mit unseren Augen wahrnehmen, ist auch wirklich echt. Und Paulus geht dabei so weit zu sagen: „Denn das Sichtbare vergeht, doch das Unsichtbare bleibt ewig.“

Alles, was wir heute in unserer Welt sehen – und was viele Menschen für die einzig gültige Wirklichkeit halten. Das wird eines Tages alles vergehen. Wenn Gott am letzten Tag dieses Universums die Schöpfung wieder zurückbaut. So wie ein altes Gebäude, das abgerissen wird. Das heißt in der heutigen Fachsprache im Bauwesen „zurückbauen“.

Doch dabei bleibt Gott nicht stehen. Denn er wird eine neue Welt erschaffen. Und in dieser wird dann auch er selbst wieder sichtbar sein. Und zwar für alle Zeit. Für alle Ewigkeit. Und jede und jeder, die hier in dieser Welt an Jesus glauben – auch wenn sie ihn nicht sehen – die werden in der neuen Welt Gottes dabei sein. Und dann – dann werden sie Gott sehen. So schreibt es auch Johannes. Der Johannes, der Jesus begleitet hat auf seinen Predigtreisen vor rund 2.000 Jahren. Und der schriebt in seinem ersten Brief, Kapitel 3, Vers 2: „Wir wissen jedoch: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm ähnlich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er wirklich ist.“

Hier finden Sie Teil 1 des Artikels.

 

 Steffen Brack

Steffen Brack

  |  Redakteur und Theologe
Theologe und Redakteur, verheiratet, drei Kinder. Begeistert von Gottes unerschütterlicher Liebe.

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Kommentare

Katharina /

Gefällt mir! Danke dafür!
Gott segne Sie und alle vom ERF!

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