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© Helena Lopes / unsplash.com

16.08.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Franziska Decker

Göttliche Machtdemonstration mit Hand und Fuß

Jesus will nicht von mir verteidigt werden.


Seit mehr als 50 Jahren unterstützt Aktenzeichen XY … ungelöst die Verbrechensbekämpfung. In dieser Fahndungssendung werden unter den Zuschauern Zeugen gesucht, die zur Aufklärung der vorgestellten Verbrechen beitragen können. 

Als Zeugin ist es meine Aufgabe, wahrheitsgemäß auszusagen, was ich weiß, gesehen, gehört und wahrgenommen habe. Nicht mehr und nicht weniger. Ich muss keine Schlussfolgerungen ziehen und das Geschehene auch nicht bewerten. Dennoch haben viele Menschen Angst vor den Konsequenzen ihrer Zeugenaussage. Sie wollen nicht selbst ins Visier von Kriminellen geraten.
 

Im Zeugenstand

Genau das erleben Petrus und Johannes mit ihren Aussagen darüber, was sie mit Jesus Christus erlebt haben. Dafür sind beide schon zum wiederholten Mal vom höchsten jüdischen Gericht festgesetzt worden. Die theologische Elite hat mächtig Angst vor weiterem Machtverlust. Nachdem sie Jesus erfolgreich aus dem Weg geräumt haben, geht der Spuk um seine Person trotzdem weiter. Das muss endlich aufhören. Aber was tun?
 

Machtspielchen

Die lästigen Apostel müssen unbedingt mundtot gemacht werden. Und zwar so, dass sie es sich nicht mit dem Volk verscherzen. Was läge näher als eine Strategie anzuwenden, die sich über die Jahrtausende hindurch bis heute bewährt hat: Einschüchterung. Machtmechanismen dieser Art gibt es überall: In der Politik, im Gesundheitswesen, in der Presse. Kirchen und christliche Organisationen bilden leider keine Ausnahme.

Methoden, andere zum Schweigen zu bringen, gibt es genug: Jemanden vor versammelter Mannschaft bloßstellen oder durch eine scheinbar unbedachte Bemerkung dumm dastehen lassen. Aussagen verdrehen oder die eigenen Fehler anderen in die Schuhe schieben. Häufig kommen diese Machtspielchen fromm getarnt daher.

Machtdemonstration- und Missbrauch eignen sich als halbwegs stabile Krücken, an denen ein angekratztes Ego Halt finden kann. Zumindest vorübergehend. Längerfristig lässt sich das Humpeln aber nicht verbergen und es wird sichtbar, wie stabil die Persönlichkeit wirklich ist. Was lässt die Mitglieder des hohen jüdischen Rates denn so weiche Knie bekommen?
 

Kompetenzgerangel

Vermutlich ist es der sichtbare Erfolg, den die Apostel einfahren. Tausende von Menschen entscheiden sich für ein Leben mit Jesus Christus. Wie kann es sein, dass Menschen Petrus und Johannes, die kein Theologiestudium absolviert haben, so mit theologischen Begriffen und alttestamentlichen Texten umgehen können? Doch damit nicht genug. Woher nehmen diese einfachen Leute aus Galiläa die Kraft, sogar Kranke zu heilen? 
 

Gefühle als Wegweiser

Wie reagiere ich, wenn Menschen in mein „Hoheitsgebiet“ eindringen? Ich kann diese Eindringlinge bekämpfen – offensichtlich oder gut getarnt. Ich kann aber auch mal innehalten, wenn ich Gefühle der Verunsicherung oder Bedrohung bei mir wahrnehme. Denn meine Gefühle sind ein verlässlicher Wegweiser zu meiner Seele und allem, was sich darin tummelt. Zu meinen Bedürfnissen und der Art, wie ich sie zu stillen versuche. Jesus redet auch durch Gefühle zu mir.

Die geistlichen Führer entscheiden sich für eine Kampfansage. Sie wollen Gottes Stimme zum Schweigen bringen, indem sie den Menschen, durch die Gott zu ihnen redet, das Wort verbieten. Doch sie haben die Rechnung ohne Gott gemacht. Petrus und Johannes lassen sich nicht einschüchtern und reden freimütig. Also frei und mutig über den, an den sie glauben.
 

Wem das Herz voll ist …

Gäbe es nicht Gründe genug, Angst zu haben? Schließlich hatten die Apostel miterlebt, was kurz vorher mit Jesus passiert war. Wenn es schlecht lief, würde ihr Verhalten für sie tödlich ausgehen. Was lässt sie so mutig sein?

Ihre Nähe zu Jesus, ihrem theologischen Ausbilder, hatte sie geformt und geprägt. Das merkten auch die Menschen in ihrem Umfeld: Dass Petrus und Johannes beispielsweise ihre Berufe und damit ihre finanzielle Existenz aufgegeben hatten, um mit Jesus durchs Land zu ziehen. Dass sie inzwischen predigten und Menschen heilten, obwohl sie nie eine theologische Hochschule besucht hatten.
 

… dem geht der Mund über

Es ist kein toter Glaube, den Petrus und Johannes verfechten. Keine Tradition, die sie aufrechterhalten. Keine religiösen Worthülsen, die sie weitergeben. Sie predigen keine reine Theologie, sondern ein Wissen, das sie im Herzen erreicht hat.

Damit kämpfen sie nicht für Jesus und seine Botschaft. Sie verteidigen ihn auch nicht. Nicht sie sind es, die die Menschen überführen. Es ist Gott durch seinen Geist. Nur in der Vollmacht Gottes können sie all das tun, was sie tun. Und nur dadurch. Dessen sind sie sich bewusst.

Jesus und seine Auferstehungskraft zu bezeugen, ist in erster Linie keine Frage meiner theologischen Bildung. Es geht vielmehr um die Frage „Lebe ich mit Jesus?“, „Wie gut kenne ich ihn?“ „Lasse ich mich von ihm gebrauchen?“
 

Schlagkräftige Argumente

Jesus hat die Frommen immer wieder mit den Waffen ihrer eigenen Glaubensüberzeugungen geschlagen. Genau das tun jetzt auch Petrus und Johannes. Sie überlassen es ihren Anklägern, deren eigenes Verhalten anhand der Schriften des Alten Testaments zu beurteilen. Auch dieses Mal sitzt der Schlag. Der hohe Rat muss Petrus und Johannes wieder gehen lassen. Das Volk würde sonst nicht mitspielen.

Auch ich muss Jesus nicht verteidigen. Ich kann auch keinen Menschen zur Umkehr bringen. Das kann nur Gott durch seinen Geist. Meine Aufgabe ist es, das weiterzugeben, was Gott durch Jesus in meinem Leben tut und verändert. Dazu will ich immer wieder die Gegenwart von Jesus suchen und mein Herz von ihm berühren lassen. Denn nur was er zuvor hineingelegt hat, kann später auch raussprudeln.

Petrus ist dafür der beste Beweis. Er, der noch wenige Wochen vorher Jesus aus Angst vor möglichen Konsequenzen verleugnet hatte, bekennt ihn jetzt, wie er es deutlicher nicht machen könnte. Diese Machtdemonstration ist keine Krücke, sondern hat göttliche Substanz. Für eine tiefgreifende Veränderung in meinem Leben und dem meiner Mitmenschen. 

 Franziska Decker

Franziska Decker

  |  Koordinatorin Online-Kurse und E-Coaching

Sie begleitet Kursteilnehmer/-innen und ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen in den ERF Workshops und koordiniert das Online-Kursangebot.

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Kommentare

URö /

Moin Frau Decker,
Sie haben alles gesagt und beschrieben. Das Sie auch kirchliche und christliche Organisationen in Ihrer Kritik benennen, chapeau!
Leider werden auch dort Menschen, die mit großer Überzeugung agieren, "weggebissen".
Bleiben Sie behütet.

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