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© Raphael Nast / unsplash.com

06.08.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Franziska Decker

Das Machen-Lassen!

Wenn ich Gott machen lasse, tut sich was.


Ich sitze täglich viele Stunden am Laptop, weil meine berufliche Tätigkeit dies erfordert. Hin und wieder kommt es zu technischen Problemen. Manchmal liegt die Lösung einfach darin, das gesamte Betriebssystem einmal runter- und hochzufahren. Nach dem Neustart des Rechners funktioniert alles wieder so wie vom Erfinder vorgesehen. 
 

Schalter umlegen

Wie gerne würde ich manchmal nur ein Knöpfchen drücken, um in einigen Bereichen meines Lebens auch noch einmal ganz neu durchstarten zu können: Geschehenes ungeschehen zu machen und Versäumtes getan zu haben. Leider geht das nicht per Knopfdruck. Dennoch macht Gott in der Bibel an vielen Stellen deutlich, dass mein gesamtes Sein in der Beziehung zu Jesus Christus verändert werden und Neues entstehen kann. 

In Römer 12,2 schreibt Paulus, ein Apostel:

Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

 

Mit getönter Brille unterwegs

Offensichtlich hindert meine Grundeinstellung mich daran, prüfen zu können, was aus der Sicht Gottes das Gute ist. Denn mein Charakter, mein Wesen lässt mich nur eingeschränkt wahrnehmen, sehen und hören. Alles läuft durch einen Filter. Meinen Filter. Dieser ist geprägt von der Kultur, in der ich lebe. Von den Menschen, mit denen ich aufwachse, vor allem in den ersten sechs Jahren meines Lebens. Dabei werde ich mit ihrem Denken und Handeln sowie ihren Bewertungen konfrontiert. Hier entstehen und festigen sich meine Lebensgrundüberzeugungen.

Ich ziehe meine Schlussfolgerungen und entwickle ein Bild von mir selbst, von meinen Mitmenschen, vom Leben und von Gott. Das ist meine Welt und sie funktioniert nach meiner „privaten“ Logik. Auf dieser Basis treffe ich meine Entscheidungen. Ich wäge ab, was zu diesen Grundüberzeugungen passt und was nicht. Sie bestimmen, häufig unbewusst, mein Verhalten.
 

Gefilterte Wahrnehmung

Viele Begebenheiten in der Bibel machen das deutlich. Beispielsweise die der 12 Männer, die das Land Kanaan ausspähen sollen (4. Mose 13). Alle finden dieselbe Situation vor, deuten sie aber unterschiedlich. Josua und Kaleb ziehen los in dem festen Glauben an das, was Gott ihnen zugesagt hatte. Ihre Gesinnung (4. Mose 14, 24) beeinflusst ihr Bild von sich selbst und von ihren Mitmenschen.

Was sie wahrnehmen, lässt sie im Willen Gottes leben. Sie treten mutig für ihre Überzeugung ein, dass sie das Land Kanaan einnehmen können. Die anderen zehn Späher starten ihren Auftrag mit einer anderen Grundeinstellung. Sie sind innerlich nach wie vor in dem Wertesystem der Gesellschaft gefangen, in der sie aufgewachsen sind. Ägypten und die Erfahrungen dort.
 

Entmutigende Schlussfolgerungen

Auf dieser Basis deuten die zehn Männer jetzt auch das, was sie im Land Kanaan sehen. Sie nehmen sich selbst als Heuschrecken wahr und die Bewohner des Landes als Riesen. Eine Heuschrecke vor der Schuhspitze eines Riesen! Wie viel Mut und Kampfgeist hat jemand mit diesem Selbstbild, um ein Land einzunehmen? Keinen. Dieses Wertesystem übertragen sie auch auf Gott (4. Mose 14,3) und blockieren damit, was Gott getan haben will.
 

Wer oder was treibt mich an?

Glaube ich beispielsweise, dass ich keine Fehler machen darf, werde ich neuen Aufgaben gegenüber eher verschlossen sein. Immer mit einem guten Argument, warum es nicht Gottes Wille sein kann, dass ich dieses oder jenes neu anpacke. Ich könnte ja Fehler machen.

Bin ich (unbewusst) davon überzeugt, dass ich nur in dem Maße geliebt werde, wie ich leiste, laufe ich Gefahr, mich zu überfordern und über meine Grenzen zu gehen. Manchmal vielleicht auch über die meiner Mitmenschen. Gerade in der frommen, christlichen Landschaft nehme ich diese innere Haltung häufig wahr. Es gibt unendlich viele Arbeitsfelder, auf denen ich mich austoben kann.
 

Fehlender Durchblick

Aber ist alles, was möglich ist und an Aufgaben anfällt, von Gott her auch dran? Für eine Gemeinde, ein christliches Werk, eine Familie, für mich. Oft überfordern wir uns selbst durch unseren eigenen Anspruch. Die Ängste, die dahinterstehen, habe viele Gesichter. Angst, nicht gesehen zu werden. Angst, abgehängt zu werden. Angst, dass ein anderer schneller und besser ist. Angst, Gott nicht zu genügen. Die Aufzählung ließe sich um viele Beispiele erweitern.

„Seid nicht gleichförmig dieser Welt…“ verstehe ich so, dass ich mein Leben nicht mehr zwangsläufig von meiner Prägung bestimmen lasse. Also muss ich mein Verhalten ändern und dazu wieder Leistung bringen, oder? Damit kenne ich mich schließlich gut aus.
 

Un-vernünftig leben     

Nein, es geht darum, etwas an mir geschehen zu lassen. Die Formulierung „werdet verwandelt“ macht deutlich, dass nicht ich selbst mich umgestalten muss. Das ist Gottes Sache. Es geht um ein neues Sein, in dem ich, von seinem Wesen geprägt, Stück für Stück unterwegs sein darf.

Mit Gottes Hilfe kann ich mir und meinen noch unbewussten Lebensgrundüberzeugungen auf die Spur kommen. Eine neue Vernunft hilft mir zu erkennen, wie Gott die Dinge sieht und beurteilt, die ich tue oder lasse. Vielleicht steht diese Vernunft im Gegensatz zu dem, was mir bisher „vernünftig“ erschien.   

Gleichzeitig nutzt Gott meine Prägung und die Stärken, die ich dadurch mitbringe. Das kann beispielsweise meine hohe Bereitschaft sein, mich für etwas zu engagieren und ohne viele Worte auch mal eine Extrameile zu gehen, wenn die Umstände es erfordern. Meine Prägung steht nicht automatisch im Widerspruch zu seinem Willen.
 

Veränderung durch Nichts-Tun     

Die Motivation macht den Unterschied. Sichere ich letzten Endes, häufig unbewusst, immer wieder meinen Wert durch das, was ich tue oder lasse oder lebe und handle ich in dem Bewusstsein, dass Gott mir meinen unumstößlichen Wert gibt. Dann kann ich es mir leisten, auch mal etwas für mich (noch) „Unvernünftiges“ zu tun und eine Aufgabe auszulassen. Auch auf die Gefahr hin, dass auch niemand sonst sie übernimmt.

Der Glaube an Jesus ist mehr als Kopfwissen. Er will meine ganze Person erfassen. Das geschieht nicht auf Knopfdruck. Ich kann mich aber jede Sekunde meines Lebens neu entscheiden, mich von ihm, Jesus, erfassen zu lassen.

 

 Franziska Decker

Franziska Decker

  |  Koordinatorin Online-Kurse und E-Coaching

Sie begleitet Kursteilnehmer/-innen und ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen in den ERF Workshops und koordiniert das Online-Kursangebot.

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Kommentare

Uwe P. /

Danke Frau Decker für ihre super Andachts-Gedanken. Sie decken sich zu 100% mit meinen eigenen Lebens-, Glaubens- und Gottes-Erfahrungen (ich bin aktuell 67 und seit genau 30 Jahren wiedergeborener Jesu-Nachfolger, mit vielen Veränderungen).
Ich wünsche ihnen und auch mir noch viele weitere, manchmal auch herausfordernde Veränderungen.

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