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© Meier / ERF

13.07.2021 / Zum Schwerpunktthema / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Julian Schnaubelt

Neustart – jetzt oder nie!

Ein Neuanfang erfordert Mut. Aber es gehört noch etwas anderes dazu, wie Julian Schnaubelt am eigenen Leib erfahren hat.


„Jetzt oder nie“, höre ich meine Frau noch heute sagen. Es ist Oktober 2019, als sie auf die offene Moderatorenstelle beim ERF stößt. Seit 2011 habe ich so ziemlich alles moderiert, was mir vor die Füße gefallen ist. Abiball, Sportveranstaltungen, Abschlussfeiern. Wo sich mir die Chance bot, habe ich am Mikrofon gestanden – keinen Termin ausgelassen, alles angenommen. Ich hatte Blut geleckt.

In mir ist der tiefe Wunsch gewachsen, irgendwann vom Moderieren leben zu können. „Es wird sich schon etwas ergeben, wenn ich dranbleibe …“, habe ich mich immer getröstet. Und geschwärmt. Und geträumt. Und darüber gesprochen. Oft. Sehr oft. So oft, dass meine Frau eines Abends vor mir saß und sagte: „Jetzt oder nie.“ 
 

Gemischte Gefühle

So ähnlich stelle ich mir auch einige Begegnungen zwischen Jesus und seinen engsten Freunden vor, den Jüngern. Jesus hat damals klare Einladungen an die Menschen ausgesprochen, mit denen er unterwegs sein wollte: „Komm und folge mir nach!“ Jetzt. Und die Jünger? Die waren sicher erst einmal perplex, und haben dennoch eine Entscheidung getroffen. Nicht morgen oder übermorgen – sondern gleich. Eine Entscheidung, die ihr Leben verändern sollte.

„Jetzt oder nie!“ Eine schnelle Entscheidung war gefragt. Eine, die sicher schwergefallen ist. Die Jünger sollten alles stehen und liegen zu lassen und Jesus nachfolgen. So ging es mir mit der Entscheidung, mich auf die offene Stelle zu bewerben. Ich hatte Zweifel. Schließlich ist noch kein Radiomoderator vom Himmel gefallen – da gehört in der Regel eine Ausbildung dazu. Ein Volontariat. Redaktionserfahrung. Voraussetzungen, die ich nicht erfüllen konnte. Trotzdem hallten die Worte meiner Frau in mir nach. „Jetzt oder nie!“.

In mir brannte dieser Wunsch – ein Traum. Ich wollte am Mikrofon stehen und gleichzeitig das machen, wofür ich studiert hatte: von Jesus und seiner bedingungslosen Liebe zu uns Menschen erzählen. Also haben wir als Familie angefangen nachzufragen. Gott zu fragen, ob unser Gefühl und der Impuls zur Veränderung von ihm kamen. „Sind wir auf der richtigen Spur? Ist das gerade nur Gefühlsduselei? Wo ist unser Platz?“ Wir bewegten als Familie diese Fragen weiter, in Gedanken und im Gebet.

Zeitgleich erstellten wir Pro- und Contra-Listen über alles, was dieser Schritt mit sich bringen würde: zweiter Umzug innerhalb eines Jahres. Unbefristete Arbeitsstelle aufgeben. Freunde verlassen. Weniger Geld. Auf der anderen Seite stand ein spannendes Abenteuer: Das, einen Traum zu verfolgen. Etwas zu wagen. Mutig zu sein. Zu vertrauen und auf Gottes Stimme zu hören.
 

Was wäre wenn?

Ich erinnere mich noch gut an einen Song, den ich in dieser Zeit oft gehört habe. Er ist von Matthew West: What If. Ein Lied, das dazu beigetragen hat, dass ich mich tatsächlich beworben habe. Er singt: „Was wäre wenn …? Ich will diese Worte nicht mehr hören!“

Ich wusste: Es ist jetzt dran, mir diese Frage in Bezug auf meine Entscheidung zu stellen. Denn sich irgendwann mit der Frage zu beschäftigen: „Was wäre nur gewesen, hätte ich doch damals dieses oder jenes getan …“ war für mich keine Option. Ich wollte mir diese Frage nicht später stellen, wenn der Zug abgefahren ist.

Ich fragte mich auch, was das denkbar Schlimmste wäre, das die Bewerbung auslösen könnte. Eigentlich nur eine Absage. Mit der hätte ich umgehen müssen. Schlussendlich habe ich mit dem Segen meiner Familie eine Entscheidung getroffen: Ich habe mich beworben. Und heute schreibe ich diesen Artikel.

Ich bin davon überzeugt, dass wir unseren inneren Impulsen folgen sollten. Wir sollten loslaufen, wenn es in uns brodelt. Wenn uns etwas klar wird. Was hilft am Ende alles Reden, wenn wir den nächsten Schritt nicht wagen? Nichts. Es bleibt nur „Gerede“. Ein „Was wäre wenn?“
 

Mut ist gut, Vertrauen ist besser

Hinter mir und meiner Familie liegt ein Weg gepflastert von Aufbruchstimmung, Verunsicherung, Ängsten, Abschiednehmen, (Vor-)Freude, Mut, Gottvertrauen, Dankbarkeit, Willkommen- und Angekommen-sein. Heute weiß ich: Es war der richtige Weg!

Ich habe erlebt, dass Gott einen Neustart vorbereitet. Trotzdem braucht es Entschlossenheit, tatsächlich loszugehen. Mut, wenn nötig die Komfortzone zu verlassen. Doch was ein Neustart vor allen Dingen braucht, ist Vertrauen. Wenn ich bereit bin, Gott nach seinem Willen zu fragen und mit ihm gemeinsam mutig voranschreite, kann und darf ich darauf vertrauen, dass er den Weg kennt.

Er sagt nicht ohne Grund „Komm und folge mir nach.“ Ich habe es an noch keiner Stelle bereut, dieser Aufforderung gefolgt zu sein. Den Schritt gewagt zu haben. Und ich bin heute schon gespannt, in welchem Bereich meines Lebens ich diese Aufforderung das nächste Mal höre. Und wenn es soweit ist, bin ich bereit.

 

 Julian Schnaubelt

Julian Schnaubelt

  |  Moderator und Redakteur

Ist verheiratet und hat einen Sohn. Studiert hat er Soziale Arbeit und Religionspädagogik. Zum Moderieren kam er hauptsächlich durch Radsport-Veranstaltungen und hat im Radio seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seine Freizeit verbringt er gerne mit seiner Familie und Freunden, oder er betätigt sich sportlich mit diversen Brettsportarten oder auf dem Fahrrad.

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Kommentare

Gertrud-L. /

Danke für diese persönliche Ermutigung. Danke für Ihren opferbereiten Einsatz. Ich freue mich für Sie, daß Sie erfahren, daß es beim erf das Richtige für Sie und Ihre Familie ist.

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