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© Alex Conradt / unsplash.com

10.05.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Michael vom Ende

Eine Frage der Zeit

Dass wir versagen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber: Wir fallen nicht ins Bodenlose.


Ich habe kürzlich einen „Hidden Champion“ besucht, eine führende Firma für die Herstellung von Federkernen. Wir finden sie z. B. in Matratzen, Sofas oder Stühlen. Im wirklichen Leben ist es eine Frage der Zeit, bis solch eine Matratze durchgelegen, ein Sofa oder Stuhl durchgesessen sind – auch wenn es Jahre und Jahrzehnte dauern kann. Wenn ich einen Moment nachdenke, ist tatsächlich vieles eine Frage der Zeit.
 

Eine Frage der Zeit – im Guten genauso wie im Schlechten

Es ist eine Frage der Zeit – das sagen wir, wenn wir darauf warten, dass im Frühling die Blumen und der Rasen wachsen oder wir die lang herbeigesehnte Beförderung erleben. Es ist eine Frage der Zeit, bis uns die Steuerrückzahlung vom Finanzamt erreicht oder wir wieder an unseren Lieblings-Urlaubsort kommen, bis der nächste arbeitsfreie Tag oder unsere Lieblingsmenschen, unsere Kinder oder Partner, kommen.

„Es war eine Frage der Zeit“ – das sagen wir, wenn der Pullover am Ellenbogen durchgescheuert ist oder der Zocker seine vorherigen Gewinne verliert. Eine Frage der Zeit, wenn der erste Fleck sich auf der neuaufgelegten weißen Tischdecke niederlegt und ausbreitet, wenn die Seniorin immer unsicherer auf den Beinen wird und einen Rollator braucht, wenn der Perfektionist einen Fehler macht.

Die Befürchtungen und Sorgen im Negativen können genauso wachsen wie die Sehnsucht und Vorfreude im Positiven. Eine Frage der Zeit kann zu etwas Gutem und Schönen führen. Dann sagen wir „Es war lang überfällig“ oder „Das wurde jetzt wirklich Zeit“. Es kann aber auch zu etwas Schlimmen oder Schlechtem führen. Dann klingt das so bei uns: „Es musste ja so kommen.“ Oder „Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten.“

Gut, wenn das kommende Ereignis Vorfreude weckt. Schlimm, wenn es Angst auslöst. Gleichzeitig gilt: Je eindeutiger die Befürchtungen oder die Hoffnungen, umso besser können wir damit umgehen. Je eindeutiger die „Zeit“ gefüllt ist, umso berechenbarer für uns. Die Dinge werden passieren – es ist eine Frage der Zeit. Wir können uns innerlich und äußerlich auf das einstellen, was kommt. Eindeutig ist zum Beispiel: Der Frühling oder der nächste arbeitsfreie Tag kommen. Eindeutig ist aber auch: Der erste Fleck auf der sauberen Tischdecke oder mein nächster Fehler sind nicht zu verhindern. Apropos Fehler:
 

Eine Frage der Zeit, bis Christen einen Fehler machen

Die Bibel macht immer wieder deutlich, dass Christen zwar Heilige, aber deswegen lange nicht fehlerlos sind. Gott liebt es, wenn Christen nach seinen Vorstellungen leben; es gefällt ihm. Aber weil sie nicht fehlerlos sind, ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Es ist eine Frage der Zeit, bis sie einen Fehler machen, zu Fall kommen. Aber dieser Fehler, dieser Fall, bricht ihnen nicht das Genick des Glaubens und der Liebe Gottes zu ihnen. Auch darauf legt sich die Bibel fest:

Der Herr festigt dem die Schritte, dessen Weg ihm gefällt. Kommt er zu Fall, so stürzt er doch nicht, denn der Herr stützt seine Hand (Psalm 37,23f).

 

Auch wenn uns als Christen wichtig ist, zu wissen, wie Gott über uns denkt, und wie wir nach seinem Gefallen leben können, ist es trotzdem eine Frage der Zeit, bis wir einen Fehler machen und zu Fall kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Seien wir nicht überrascht. Wir werden Jesus wie Petrus verleugnen. Wir werden dem Mammon, dem Geld, mehr dienen als Gott. Wir werden zurückschlagen und nicht die andere Wange hinhalten. Wir werden uns falsche Sorgen machen, wir werden Menschen begehren, die zu anderen gehören. Wir werden mindestens ein Gebot übertreten.

Es ist eine Frage der Zeit. Aber: Wir fallen nicht ins Bodenlose. Wir stürzen nicht in das Verderben. Jesus, der Sohn Gottes, verhindert das. Fehler eingestehen, schenkt Vergebung. Wir stürzen nicht, weil Gott, der Herr, uns stützt. Das ist eindeutig, das ist berechenbar. Das macht die Zukunft hell und das Leben leichter. 

 

Michael vom Ende

Geschäftsführer von faktor c, einer Initiative von Christen in der Wirtschaft

www.faktor-c.org


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Ihr Kommentar

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Kommentare

Felix /

Das ist reell; es ist wahr. Darum erleichtert es.
Danke für die klaren Worte.

Roland P. /

Danke
Der Vortrag erleichtert.

Günter aus Dresden /

Lieber Michael vom Ende,
viel zu viel wird heute "nur" von Fehlern gesprochen.
Ein Kind wird sich nicht absichtlich, also willentlich, in der Mathearbeit verrechnen, sondern einen "Fehler" machen. Was aber absichtlich, also willentlich geschieht, sollte man "Sünde" (oder Straftat bzw. Ordnungswidrigkeit) nennen. Mit der Bezeichnung "Fehler" will man heute vieles herunterspielen und Verantwortung von sich weisen. Und dazu kommt noch, besonders wenn es Viele machen, kann es ja eigentlich nicht mehr

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