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© Luke Stackpoole / unsplash.com

05.03.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Ellen Hörder-Knop

Meine Zeit – deine Zeit

Von monotonen Abläufen und besonderen Momenten.


168 Stunden pro Woche. 1440 Minuten pro Tag. Ein beachtliches Guthaben auf meinem persönlichen Zeitkonto. Dabei gilt: Jeder ist mit dem gleichen Zeitkapital ausgestattet. Die Frage ist, wie setze ich es ein? Wie haushalte ich damit? Ich kann meine Zeit investieren oder sparen, verlieren oder gewinnen, nutzen oder verschwenden.
 

Ablaufende Zeit

Egal, wie ich mit meiner Zeit wirtschafte: sie läuft ab! Mal schnell, mal langsam, aber unwiederholbar. Nicht den kleinsten Augenblick kann ich zurückholen. Selbst, wenn ich den einen festhalten und den anderen auslöschen möchte.

Die Zeit läuft ab – gnadenlos! Im antiken Griechenland gebrauchte man dafür den Zeitbegriff „Chronos“, die messbare Zeit. Der monoton tickende Sekundenzeiger. Die entscheidende Millisekunde beim Wettkampf im Sport. Der Countdown, der nicht aufzuhalten ist – auch nicht im Lockdown.

Schon Mose wusste ein Lied davon zu singen: „Unser Leben fährt schnell dahin, als flögen wir davon,“ dichtet er. Deshalb betet er zu Gott: „Lehre uns zu zählen unsere Tage, damit wir klug werden.“ (Psalm 90,12) Er wusste: Meine Zeit ist nicht unendlich. Meine Tage sind zu zählen. Einmal wird meine letzte Stunde schlagen. Ich brauche Verstand, um mit der mir zugemessenen Lebenszeit angemessen umzugehen. Ein weises Herz, damit ich meine Zeit sinnvoll nutze und sie nicht nur gnadenlos davonläuft.
 

Geschenkte Zeit

„Zeit ist Gnade“ – so steht es auf dem Ziffernblatt einer alten Kirchturmuhr in einem kleinen württembergischen Dorf, in der wir als Familie einige Jahre lebten. Stunde um Stunde weisen diese Zeiger bei ihren Runden nicht auf Zahlen, sondern auf die zwölf Buchstaben dieser Worte. Die alte Uhr zeigt ständig neu: Das Leben in gezählten Minuten und Stunden ist nicht alles.

Zeit ist nicht allein etwas, was ich messen kann. Sie hat noch eine ganz andere Dimension: Zeit ist Gnade – Geschenk Gottes!

 

Zeit gehört zur Schöpfung Gottes. Sie ist bestimmt von einem Rhythmus von Tag und Nacht. (1.Mose 1,5) Gott hat mir Lebensraum und Lebenszeit zur Verfügung gestellt, in der ich mich entfalten und meine Zeit gestalten kann. Im Wechsel von wachen und schlafen – arbeiten und ruhen – mühen und feiern. Alles zu seiner Zeit! (Prediger 3,1-8)
 

Erfüllte Zeit

Die Behauptung „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“, kennen viele aus eigener Erfahrung. In besonderen Momenten vergesse ich die Zeit und erlebe nur den Augenblick.

Dafür hatten die Griechen neben „Chronos“ einen weiteren Zeitbegriff, den „Kairos“: Die Gelegenheit, die ich beim Schopf ergreifen muss. Der günstige Zeitpunkt einer Entscheidung, den ich nicht verpassen sollte.

Im Kontext des christlichen Glaubens heißt das: Die unaufhörlich tickende Uhr der Weltgeschichte erlebt einen besonderen Moment. Gott schickt seinen Sohn. Das Kommen Jesu in diese Welt wird als ein derart einschneidendes Ereignis empfunden, dass es zum Anlass für eine neue Zeitrechnung wird.

 

Das ist der Kairos, mit dem nach dem Bericht im Markusevangelium, das öffentliche Auftreten Jesu beginnt. Jesus sagt: „Die Zeit (Kairos) ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. (Markus 1,15)

In die gnadenlos ablaufende Chronos-Zeit tritt die Kairos-Zeit der Gnade. Die Gelegenheit, die offene Tür, die mir Gott anbietet. Die Chance, meine Schuld und meine Lasten loszuwerden und neu durchzuatmen.

Jesus, der Sohn Gottes, ruft es mir und allen an: „Setzt euer Vertrauen nicht auf euch selbst. Setzt es auf das, was ich für euch getan habe. Glaubt an das Evangelium. Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag des Heils!“

Jetzt kann ich diesen Ruf hören oder überhören. Jetzt kann ich dieses Angebot annehmen oder ablehnen. Jetzt kann ich einmal meine Zeiten und Stunden vergessen und meinen Blick auf diesen Augenblick werfen. Wer auf Gottes Uhr schaut weiß: Jesus hat als der Gekreuzigte und Auferstandene für alle Menschen und für alle Zeiten die Tür zum ewigen Leben geöffnet. Es liegt an mir, ob ich die Gelegenheit beim Schopf packe und hindurchgehe. Dafür schlägt Gottes Herz. Das ist mein Kairos!

 Ellen Hörder-Knop

Ellen Hörder-Knop

  |  Redakteurin Lebenshilfe / Theologie

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