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© Andrew Neel / unsplash.com

20.06.2016 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

Warum, Gott?

Wie man über dem Leid der Welt nicht den Glauben verliert.

Haben Sie Gott schon mal einen Brief geschrieben? Was würden Sie in einen solchen Brief schreiben? Würden Sie Gott danken, würden Sie ihm Fragen stellen oder ihn vielleicht sogar anklagen? Mich hat vor kurzem ein solcher Brief an Gott in Liedform fasziniert. Nicht weil die Sängerin so begeistert von Gott ist, sondern wegen ihrer Ehrlichkeit.

Sie beginnt ihren Brief übersetzt mit: „Lieber Gott, ich hoffe, du bekommst diesen Brief und ich bete, du kannst es hier unten besser machen…“ Und dann zählt die Sängerin alles auf, was sie an Gott stört; alles, was sie an ihm zweifeln lässt: Den weltweiten Hunger, die vielen Tränen und die Kriege zwischen verschiedenen Religionen. Schließlich kommt die Sängerin zu dem Fazit: „Lieber Gott, ich kann nicht an dich glauben!“

Während ich diese Worte hörte, kamen mir drei Gedanken in den Kopf: Erstens: Ich kann diese Argumentation gut verstehen. Wer mit wachsamen Augen durch die Welt geht, muss geradezu an einem liebenden Gott verzweifeln. Zweitens: Wieso schreibt man ein Lied an einen Gott, an den man nicht glauben kann oder will? Drittens: Ich wünschte, ich könnte diese Argumentation gegen Gott mit wenigen Sätzen entkräften, aber ich kann es nicht.
 

Die persönliche Gotteserfahrung ist der Schlüssel

Doch wieso glaube ich trotz allem Elend und Leid glauben, wenn ich doch die Sängerin so gut verstehen kann? Warum kann ich glauben und die Sängerin nicht? Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich Gott in meinem Leben schon persönlich erlebt habe. Daran, die Leidfrage zu beantworten, haben sich schon viele Theologen die Zähne ausgebissen und auch ich habe keine wirkliche Antwort darauf.

Auch die Bibel gibt nur Hinweise auf den Ursprung von Leid, Krieg und Tod, aber keine abschließende Antwort dazu. Und schon dort lesen wir ähnlich anklagende Sätze an Gott wie in dem zitierten Lied. So dichtete etwa David in Psalm 22,1-3: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch ich finde keine Ruhe.“

Genau wie die Liedschreiberin hat David existenzielle Zweifel. Er betet zu Gott, aber bekommt keine Antwort. Doch statt wie die Sängerin das Fazit zu ziehen: „Dich gibt es nicht, Gott“, fährt David fort: „Du aber bist heilig.“ Woher nahm David diese Überzeugung in einer Situation, in der er sich von Gott völlig im Stich gelassen fühlte? Ganz einfach: Aus seiner Erfahrung. David hatte Gottes Eingreifen und seine Nähe schon oft erlebt und er wusste, wie Gott das Volk Israel immer wieder geführt und beschützt hatte. Deswegen war er überzeugt: Gott gibt es und er meint es gut mit mir. Diese Überzeugung konnte ihm niemand nehmen.
 

Ein Gott, der mitleidet

Auch ich kann nur deshalb glauben, weil ich in allem Leid, was ich selbst erleben musste oder bei anderen beobachte, immer wieder Gottes Gegenwart, sein Eingreifen und sein Mitleiden erlebt habe. Jesus Christus, den Christen als Gottes Sohn anbeten, ist dafür das beste Beispiel. Er lebte und starb wie ein Mensch. In allem wurde er uns gleich und fühlte Leid, Folter und gewaltsamen Tod am eigenen Körper. Als er am Kreuz von allen seinen Freunden und Unterstützern verlassen war, betete er diesen Psalm Davids: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Auch ich kann nur deshalb glauben, weil ich in allem Leid, was ich selbst erleben musste oder bei anderen beobachte, immer wieder Gottes Gegenwart, sein Eingreifen und sein Mitleiden erlebt habe. Jesus Christus, den Christen als Gottes Sohn anbeten, ist dafür das beste Beispiel.

 

Wenn ich für mich die Frage nach dem Leid beantworten will, komme ich um Jesus nicht herum. Den Jesus, der zu seinen Jüngern einmal sagte: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33). Das Leid lässt sich nicht wegdiskutieren − genauso wenig wie manche Glaubenskrise. Aber Gott verspricht uns: Leid, Kummer, Not und Tränen werden ein Ende haben. Und noch besser: Gott ist nur ein Gebet weit entfernt und hat ein offenes Ohr für unsere Fragen und Zweifel. Probieren Sie es doch einfach aus und reden Sie mal mit ihm.


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 Rebecca Schneebeli

Rebecca Schneebeli

  |  Redakteurin

Sie schätzt an ihrem Job, mit verschiedenen Menschen und Themen in Kontakt zu kommen. Sie ist verheiratet und mag Krimis und englische Serien.

Ihr Kommentar

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Kommentare (18)

Elisabeth S /

Guten Tag. Auch ich kenne Verzweiflung und Leid. Ich denke, wenn jeder an Gott glauben würde und an seine Gesetze, gäbe es auch nicht so viel Leid. Ich habe mich auch schon gefragt, wie Gott das mehr

bruno p. /

Ich glaube nicht, ich denke!
Ich denke, alles was zu sein scheint ist aus dem Nichts entstanden "Eine Offenbarung" und wird wieder ins Nichts entschwinden.
Ich bin nichts, also bin ich alles.
Ich mehr

Angelika G. /

Ich hatte große Probleme an Gott zu glauben ich betete ich schrie zu ihn auf knien ich weinte viel hörte nichts von Gott das machte mich traurig und frustrierend ich schrie ihn an ich hasste und mehr

Bettina /

In alten christlichen Bibelkommentaren ist zu lesen, dass Gott nicht auf die Anklagebank gehört. Nicht Er hat sich von uns abgewendet, sondern der Mensch wendet sich von Gott ab, verschmäht also die mehr

Benjamin /

Warum Gott Leid zulässt? Der Film "Gott ist nicht tot" möchte das auch in der Argumentation für Gott erklären. Und er erklärt es mit dem freien Willen. Daraus könnte man dann erklären, warum Gott mehr

Benjamin /

Warum Gott Leid zulässt? Der Film "Gott ist nicht tot" möchte das auch in der Argumentation für Gott erklären. Und er erklärt es mit dem freien Willen. Daraus könnte man dann erklären, warum Gott mehr

Gast /

@Susanne: Ich kenne das auch. Heute zeigte mir Gott wie viel Leid der Prophet Jeremia durchlitten hat. Ich vermute es liegt auch daran das Gottes Volk ihm nicht mehr gehorcht. Schau Dich mal in mehr

Susanne /

@Gast
Ja, ich habe den Römerbrief schon mindestens 8x komplett gelesen und unzählige Male Teile davon. Allerdings hilft mir das auch nicht weiter. Mir geht es eher wie Hiob. Ich sehe keinen Grund für mehr

Gast /

@Susanne. Haben Sie schon mal den Römerbrief gelesen?

Lilo B. /

Danke für die Andacht!Ich lebe mit Christus und er mit mir und doch frage ich mich, warum wir mit dem Erdöl der Entwicklungsländer den Klimawandel anheizen,sodaß Afrika in die nächste Dürre mehr

Ingrid S. /

Ich kann die Schreibetin des Artikels "Warum Gott" gut verstehen. Auch ich bekomme nicht immer Antworten von Gott, z.B. Warum müssen vor allem die alten Leute soviel leiden, eh sie sterben dürfen, mehr

Inci A. /

super Andacht! Auch ich habe einen langen Weg hinter mir, bis ich mein Herz für Gott öffnete. Erst dann konnte er nämlich dort einziehen, mich erneuern und Glauben in mein Herz pflanzen. Meine mehr

Susanne /

Für jemanden, der Gottes Nähe erfährt mag es einfach sein, an Gott zu glauben, d.h. ihm zu vertrauen. Ich zweifle nicht an seiner Existenz (und das tut der Teufel ja auch nicht), sondern ich habe mehr

Katta /

Klasse Andacht, spricht mich total an. Danke. Der Song ist auch stark. :-)

Ingrid K. /

Liebes ERF-Team,
leider kann ich "Lawless feat.Sydney Wayser
-dear god- nicht öffnen. Es wird Error 2035 angezeigt....LG Ingrid K.

Die Redaktion /

Liebe Leserinnen und Leser,
leider hat sich ein technischer Fehler eingeschlichen, wodurch der Text erst am 20.6. gegen 8:10 Uhr eingestellt wurde. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Libby /

Warum wird der Andachtstext nicht angezeigt? technischer Fehler?

Dorothea I. /

Hallo erf !
Nchts für ungut, aber irgendwie funktioniert das heute nicht mit dem Hören der Andacht "Warum,Gott ?" Gott segne das ganze Haus !
Freundliche Grüsse Dorothea Isserstedt

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