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© Phil Desforges / unsplash.com

01.02.2016 / Andacht zum Monatsspruch / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Detlef Eigenbrodt

Wer nicht vergibt...

…schadet vor allem sich selbst.


Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. – Markus 11,25-26

 

Was für eine bizarre Vorstellung. Die Kausalität zwischen selbst vergeben und von Gott vergeben bekommen, löst schnell die Frage nach der konditionslosen Gnade Gottes aus. Die ist uns ja versprochen, auf sie können wir uns verlassen. Stimmt auch. Gottes Gnade hängt nicht von unserem Tun ab. Wenn sie es täte, wäre es keine Gnade mehr. Wir können sie nicht erwirken. James I. Packer schrieb dazu:

Wir können nichts tun, damit Gott uns mehr liebt. Wir können aber auch nichts tun, dass Gott uns weniger liebt. – James I. Packer

 

An diese unglaubliche Wahrheit muss ich immer wieder denken. Und das muss ich deshalb, weil sie mir hilft, Gott, mich selbst und die Menschen um mich herum besser zu verstehen. Ich bin schließlich einer, der die Gnade Gottes, also seine unverdiente Freundlichkeit inklusive kompletter Schuldenvergebung, von Grund auf genießt. Ich könnte ohne diese Haltung Gottes nicht leben. Ohne sie wäre ich zum Scheitern verurteilt. Aber genau das wendet Gott durch seine Vergebung ab.

Wenn ich also mit Gott im vertrauten Zwiegespräch bin, dann kann ich nicht an der komplexen Herausforderung vorbeischauen, dass es möglicherweise Menschen gibt, die mir wehgetan haben und die ich nun bewusst oder unbewusst, durch mein Festhalten an deren Schuld bestrafen will. Es war auf dem Gästeklo in der Wohnung von Bekannten, als mir eine Postkarte mit folgendem Spruch ins Auge fiel: „Wer nicht vergibt, bestraft nur sich selbst“.
 

Es ist meine Entscheidung, wie ich mit der Schuld anderer umgehe

Wir Menschen haben bisweilen eine sehr eigenwillige Definition davon, was es heißt, etwas zu tun. Wir berufen uns darauf, dass unser Handeln im Sinne des großen, gültigen Sola Gratia keine Auswirkung darauf haben, wie Gott uns sieht. Aber wir sollten nicht den Fehler begehen, zu glauben, dass uns damit eine harte Haltung des eigenen Herzens erlaubt wäre.

Vor einigen Jahren war ich in der Situation, dass ich jemandem Schuld zuwies. Natürlich berechtigt, aus meiner Perspektive jedenfalls. Es war eine schwere Schuld, die in der Konsequenz mein Leben komplett umgestaltet hat. Deshalb hegte ich großen Groll auf den, der mir das angetan hatte. Mitten in dieser Zeit des Grolls sollte ich in einem völlig anderen Kontext eine Predigt in einer Reihe halten. Das Thema war vorgegeben und hieß „Vergebung“. Dabei bildeten just die Worte aus dem Markusevangelium Kapitel 11 die Grundlage. Und die sagten mir ganz klar: Wenn ich dem anderen die Schuld nicht vergebe, schade ich mir selbst, weil mein Herz hart wird und leidet. Es leidet auch deshalb, weil Gott sich festlegt: Wenn ich nicht vergebe, vergibt er mir auch nicht. Meine Wahl.

Ich war erschüttert, als mir klar wurde, dass, egal, was andere mir angetan hatten, ich es war, der entscheidet, wie meine Seele weiter lebt und atmet.

 

In wild tobendem Aufruhr oder in zur Ruhe kommender Sorgfalt. Wer nicht vergibt, bestraft sich selbst. Vor allem auch damit, dass Gott das eigene Schuldenkonto nicht ausgleichen kann. Weil der Zugriff verweigert ist.

Ihr Kommentar

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Kommentare (21)

Heide W. /

Ich zitiere:
Vor allem auch damit, dass Gott das eigene Schuldenkonto nicht ausgleichen kann. Weil der Zugriff verweigert ist.
Wie meinen Sie das ? Soll das heißen, das alle meine Schuld, welche mehr

Maria /

Seine Feinde lieben und segnen.
Nunja.
Ich denke, die größte Waffe ist das Gebet für einen Feind, dass er umkehrt, Reue und Buße empfindet, und Vergebung sucht. (Das ist etwas, dass sowieso nur mehr

Gast /

Zum Thema Vergebung: "Ich kann die Jesusfilme empfehlen, denn sie heilen die Seele, und zeigen obendrein auch noch das unverfälschte Evangelium."

Valentina /

Friede sei mit euch.
Dieses Thema ist sehr schwierig und nicht so schnell aus dem Kopf zu schaffen.
Ich wurde selbst von eigener Mutter und einzigem Bruder und meinem Mann mit dem ich zusammen lebe mehr

Katharina /

Liebe Mona,
vergeben ist nicht das gleiche wie versöhnen! Wenn du vergibst, dann hilft das dem Täter erst mal gar nichts. Aber du lädst Gott ein, deine Wunden zu heilen. Das Wort Gottes sagt aber mehr

Mona /

Vergebung ohne Reue, ohne Buße macht wenig Sinn. Der Täter soll zu Umkehr bereit sein, seine Taten wie auch Sünden BEREUEN! Man soll stets bereit sein zu vergeben, nur wenn der Täter bereit ist sich mehr

Katharina /

Liebe Maria,
so wie dir geht es mir auch. Die "Schuldner" bitten nicht um Verzeihung, im Gegenteil, sie halten an der "Schuld" weiterhin fest. Aber ich habe das mit dem Kästchen gemacht. Mein Wille mehr

Ulrich H. /

Ich kann mich dem, was Frau Sauer sagt, nur anschließen. Manche machen es sich z.T. einfach mit dem Vergeben,da wurde mir z.B. gesagt "Vergeben ist keine Option, das müssen wir tun!" Als ob es so mehr

Maria /

Ich stehe auch in solch einer Situation. Wie ist das: vergibt Gott pauschal, oder nur dem, der seine Schuld einsieht u. ihn um Gnade bittet? Wenn meine "Schuldner" mich um Verzeihung bitten, dann mehr

Ingrid Sauer /

Liebe Katharina, vergeben und vergessen ist nicht das Gleiche. Wir sollen "nur" vergeben, vergessen kann man nicht "machen".Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass nach ausgesprochener mehr

Gast /

Gebt Raum dem Zorn Gottes, denn es steht geschrieben. "Mein ist die Rache. "Ich werde vergelten, spricht Gott der Herr."
Lass uns bedenken das wir sterben müssen, damit wir klug werden." Es nützt nichts auch nur irgendeinen Groll festzuhalten.

Katharina /

@Ella C.: Danke für deinen Ratschlag und deine Ermutigung. Mir geht es so, wie du es schreibst: Kontakte zu Geschwistern sind zerstört, ich stehe mit dem Rücken zur Wand und wünsche mir einen mehr

Gisela B. /

Liebe Katharina, höre Dir mal diese Geschichte an. " Ich bin das Licht ( die kleine Seele spricht mit Gott. ) "
Der letzte Satz lautet in der Geschichte: Und denke dran, ich habe Dir immer nur Engel mehr

Reimer /

Hallo, Katharina,
ein Kollege hatte hinterrücks und ohne mit mir zu sprechen, versucht, mich aus der Firma schmeissen zu lassen.Ich war beleidigt und sauer, wusste aber, dass ich als Christ vergeben mehr

Ella C. /

Hallo liebe Katharina, das ist eine schwere Last, die man im Herzen immer mit sich trägt. Ich habe vor Jahren viel für meine persönliche Familiensituation gebetet. Kontakte zu Geschwistern waren mehr

Dorothea /

Danke für die klare Botschaft .

Werner K. /

Dem Andern zu vergeben ist mir schon gelungen. Was mich dennoch beunruhigt: Vergeben habe ich dem Andern aber die Angelegenheit vergessen konnte ich nicht. Immer wieder taucht sie aus irgendeinem mehr

silvia /

Liebe Katharina,
das mit dem Vergeben ist sicher ein schweres Stück und wer nachträgt hat bekanntlich ja schwer zum Tragen. Ich habe es so erfahren, dass ich alles auch meine Wut und meinen Schmerz mehr

Libby /

@ Katharina: Ich glaube es ist schwer, einen Rat zu geben, wenn man deine Situation nicht kennt, was diese Personen denn konkret getan haben

Katrin /

Liebe Katharina, nur zu gut kenne ich ähnliche Gefühle!!! Ich werde jetzt nicht weiter ausführend , da du um Rat gebetn hast. Suche dir eine gute Seelsorgerin oder christliche Beraterin. Bei mir lag mehr

Katharina /

Soweit bin ich auch schon gekommen.
Ich weiß, was ich tun soll: Vergeben.
Ich weiß warum: damit Gott mir meine Sünden vergibt.
Bis dahin ist alles einfach. Jetzt bleibt nur die Frage nach dem mehr

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