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© Gabriele Stravinskaite / unsplash.com

14.07.2014 / Andacht / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Joachim Bär

Glaube mit Erwartungshaltung

Ja, richtig: Jesus mag anspruchsvolle Nachfolger.

Klassenarbeit. Französisch auch noch. Die Schüler sitzen und schwitzen und kämpfen sich durch die Aufgaben rund um passé simple und imparfait. Sie sollten auch ein wenig schwitzen, denn ihr Lehrer erwartet was. Er hat ihnen seit einigen Wochen das Thema näher gebracht. Deshalb hat er einen so genannten Erwartungshorizont entworfen.

Zugegeben, das ist Pädagogendeutsch. Dieser Horizont beschreibt aber nichts weiter als das Ergebnis, das ein Lehrer guten Gewissens von seinen Schülern bei den einzelnen Fragen erhoffen kann. Also grob das, was die Schüler zu der jeweiligen Frage liefern sollen.

Solch ein Erwartungshorizont hat einige Vorteile. Im Idealfall überlegt der Lehrer genauer, welche Themen er behandelt hat und somit abfragen kann. Er formuliert seine Fragen gezielter, damit die Schüler auch gut mit den passenden Inhalten reagieren können. Nicht zuletzt wird die Bewertung der Antworten objektiver und damit gerechter.

Was Gott wirklich schätzt

Ich glaube, ich brauche auch einen Erwartungshorizont gegenüber Gott. Nicht weil ich per se etwas von ihm einfordern könnte. Sondern weil Gott es schätzt, wenn ich mit ganzem Herzen etwas von ihm erwarte.

Ein Vers aus der Bergpredigt macht das sehr deutlich. Leider hat Martin Luther einiges dazu beigetragen, dass viele diesen Vers missverstehen. Sein Wortlaut: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich“ (Matthäus 5,7).

Was meint Jesus jetzt hier? Sind die glücklich zu nennen, die intellektuell beschränkt, oder gesellschaftlich benachteiligt sind? Oder weniger den Heiligen Geist oder Geld auf dem Konto haben?

Gott tut mir gut

Nichts dergleichen. Die Gute Nachricht-Übersetzung trifft den Kern der Aussage Jesu sehr gut. Hier heißt es: „Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten – mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.“

Heißt: Gott mag es, wenn ich etwas von ihm erwarte und ihm vertraue. Egal, ob ich mich in einer Notlage befinde oder nicht. Er hält etwas davon, wenn ich von ganzem Herzen mit ihm rechne. Und warum nur bei der bevorstehenden Autofahrt, beim Problem mit den Kindern oder im nächsten Meeting, bei dem ich ein Projekt vorstellen muss?

Gott mag es, wenn ich etwas von ihm erwarte und ihm vertraue. Egal, ob ich mich in einer Notlage befinde oder nicht.

Gerne auch im lockeren Gespräch mit Kollegen, beim Bücher lesen mit den Kindern oder im Urlaub. Einfach jetzt, heute, mitten im Alltag. Er will, dass ich mich an ihn hänge und alles auf ihn setze. Bei allem, was gut läuft und bei allem, was schwer ist. Er kann in jede Situation etwas Gutes hineinlegen.

Das ist eine Erwartungshaltung, die Christen gut ansteht. Weil Gott es liebt, Vertrauen zu belohnen. Und ich glaube, ich will Gott wieder mit einem guten Erwartungshorizont in positiver Weise „ins Schwitzen“ bringen. Jetzt!
 

 Joachim Bär

Joachim Bär

Joachim Bär war Unit Lead von erf.de und hat die übergreifenden Themen der redaktionellen Angebote des ERF koordiniert. Er ist Theologe und Redakteur, verheiratet und hat zwei Kinder.

Ihr Kommentar

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Kommentare (12)

Thomas R. /

Ich habe mit der Erwartungshaltung etwas Bauchschmerzen. Es geht doch nicht darum, Gott vorzuschreiben, etwas zu tun. Wer sind wir denn? Eher sollen wir mit seiner Hilfe und Zuwendung mehr

Gast /

„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich“ (Matthäus 5,7).
Ich dachte immer Jesus meinte nur die Vergebung der Sünden, und neues Leben aus seiner Gnade?

Holger L. /

Alles von ihm erwarten und dann mit großen Schritten losgehen dürfen oder auch abzuwarten dürfen, ist einfach nur entlastend, befreiend und bringt uns die Liebe und Freude in uns und unseren mehr

Gaby K. /

Hat mir gut getan!
Bei mir( uns) stehen einige Herausforderungen an! Ich will es erwarten,das Gott Großes tut.

Rainer /

Korrektur: "Gute-Nachricht-Deutsch" meinte ich
Und PS: Ist das nicht sehr antropomorph gedacht, Gott "ins Schwitzen" zu bringen?

Rainer /

Da irritiert mich einiges. Was hat der Autor für einen Bezug zum Thema Französisch-Unterricht? Warum wird Erwartungshorizont im Laufe des Textes von oben nach unten verschoben? Wie pädagogisch mehr

Sibyll /

Wie wunderbar. Groß ist unser Gott, das er euch gerade heute diese Andacht einstellen ließ. Gestern habe ich mich auf ein schwieriges Mitarbeitergespräch für heute vorbereitet. Inhaltlich ist alles mehr

Martina /

Ihr lieben Schreiberlinge, ich wünsch Euch so sehr Gott mehr kennenzulernen. Darf ER ans Steuer unseres Lebensbootes, ist es ein Abenteuer mit IHM zu leben und Er hält ständig Überraschungen für mich mehr

Pia-Sophie F. /

Genau, das ist es.
Im Gebet sagte mir Gott:" Du bist eine Königstochter. Nun benimm dich auch so! Hör auf zu betteln, sondern fordere ein und erwarte...."
Dann las ich diesen Text der Andacht. mehr

Bettina K. /

Also mehrere Sachen schlagen bei mir nicht so gut auf. Als Erstes, wir sollen keinerlei Erwartungen haben. Vertrauen auf Gott ist gut, aber Erwartungen haben immer mit einem speziellen Ergebnis zu mehr

Bettina /

Ich denke schon, dass es real ist, was Gott uns verheißt - realitätsnah bedeutet, konkret mit Gott zu rechnen. Unser menschliches Problem ist wohl immer wieder die Spannung, dass ich einerseits mit mehr

Rainer /

Ich würde mich über eine realitätsnahe Andacht freuen, Da gab es gerade so eine religiöse Großveranstaltung mit einem runden Leder in Südamerika. Die hatten auch alle einen Erwartungshorizont. Unser Ziel haben wir in D letzte Nacht erreicht, allerdings auch mit viel schwitzen.

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