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© Viktor Cap / istockphot.com

26.08.2013 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Jan D.

Ich habe Jesus geholfen!

Eine Andacht zur Nächstenliebe im Alltag

Ich wollte die Bahnfahrt eigentlich nutzen, um mich zu entspannen. Es gab gerade eh nichts Besseres zu tun. Ich machte es mir also in Wagen 9 auf meinem Platz mit Tisch gemütlich und dachte: Wie gut, dass man durch Reise- und Wartezeiten hin und wieder mal eine Zwangspause verordnet bekommt. Mal kein Buch oder Handy in der Hand, sondern die Effektivität ganz bewusst links liegen lassen.

Doch Gott hatte etwas anderes mit mir vor. Denn als ich gerade die Augen schließen und mich in den Dämmerschlaf verabschieden wollte, führte eine freundliche Mitreisende einen sehbehinderten jungen Mann in das Abteil und wies ihn an, sich direkt neben mich zu setzen. „Können Sie mir in zwei Stunden aus dem Zug helfen?“ Die Frage von ihm kam wie aus der Pistole geschossen. „Na klar, das kriegen wir schon hin“, war meine spontane Antwort.

Verantwortung: Der "Nächste" bitte!

Nun war es also vorbei mit meiner Ruhe. Mehrfach versicherte sich mein neuer Sitznachbar, wann die planmäßige Ankunft am Bahnhof sei und ob ich ihm dann wirklich hinaus helfen würde. Durch die Blicke der anderen Mitreisenden merkte ich: Irgendwie ist er jetzt in meiner Obhut. Ich trage für ihn die Verantwortung, solange er neben mir in diesem Zug sitzt.

Ich konnte mich natürlich nicht mehr auf mein Schläfchen konzentrieren. Die Aufregung des Blinden neben mir steckte irgendwie an. Obwohl er ruhig da saß, war ihm anzumerken, dass eine Bahnfahrt für ihn nicht alltäglich war. Wie vertreibt sich eigentlich ein Blinder die Reisezeit? Jedenfalls kam für ihn kein Blick in die Landschaft in Frage, die wie ein endloses Panoramabild an uns vorbeizog.

Die Probleme anderer: Meine Herausforderung?

Blind, das bedeutet, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Diesmal war ich für ihn der fremde Helfer. Am Zielbahnhof kam dann mein heroischer Moment: Ich legte seine Hand auf meine Schulter und führte ihn hinaus, gab Anweisungen wie „Achtung, Stufe!“ und „Jetzt einen großen Schritt machen“.

Zurück im Zug und auch einige Tage später dachte ich über diese Begegnung nach. Eigentlich hatte ich nicht viel geleistet an diesem Tag. Andere würden es als selbstverständlich bezeichnen. Doch außerhalb des Zuges wäre ich diesem jungen Mann wohl niemals begegnet und wäre nicht gezwungen gewesen, von mir selbst wegzusehen auf sein Problem.

Von Menschen wie diesem jungen Blinden muss Jesus gesprochen haben, als er sagte: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,40). Jesus spricht hier über die Zukunft. Eines Tages werden die Taten aller Menschen beurteilt. Dann werden einige Jesus fragen: Wann haben wir dich denn bedürftig gesehen? Wie hätten wir dir denn praktisch helfen können? Und Jesus wird ihnen genau mit diesem Vers antworten.

Jesus begegnet mir im Alltag

Wenn ich diese Begebenheit aus Matthäus 25 auf mein Leben übertrage, stelle ich fest: Ich habe Jesus geholfen! Denn er begegnet mir in den manchmal ganz simplen Bedürfnissen der Menschen um mich herum. Dann werde ich herausgefordert, von mir selbst wegzuschauen – auf jemand anders. Und dieser Jemand ist oft Jesus, der mich ganz persönlich fragt: Nimmst du mich wahr? Und gleichzeitig möchte er mich gebrauchen, um einem anderen Menschen die Hand zu reichen.

Bisher war ich meist blind für solche Begegnungen, weil ich ständig mit mir selbst beschäftigt bin. Mir entging die Chance, Jesus zu treffen. Einfach ganz unerwartet, zum Beispiel in Wagen Nr. 9. Jetzt bin ich schon gespannt auf die nächste Situation, in der Jesus mich um meine Hilfe bittet.

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Kommentare (1)

Angelika D. /

Etwas Ähnliches habe ich erlebt. Einige Jahre lang fuhr ich regelmäßig zu Treffen einer Umweltgruppe. Alles sehr engagierte Menschen, die sich Gedanken machen, durch welche Maßnahmen wir unsere mehr

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