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© Brooke Cagle / Unsplash.com

10.06.2021 / ERF GlobalHope / Lesezeit: ~ 5 min

Autor: Rebecca Schneebeli

Digital die Bibel verstehen

Das Bibelstudien-Programm SOTA macht Christen in China fit für den Gemeindedienst.

 

Digitales Lernen ist seit der Coronapandemie Alltag: In Schule, Studium, aber auch bei beruflichen Weiterbildungen überwiegt die digitale Kommunikation.

Schon weitaus länger gibt es theologische Schulungsprogramme in China, die auf das Lernen per App, Smartphone oder Tablet setzen. In China leben laut offiziellen Angaben etwa 38 Millionen protestantische Christen. Vieles legt aber nahe, dass es mit mindestens 70 bis 116 Millionen mehr als doppelt bis dreifach so viele Christen in China gibt. Viele von ihnen sind noch jung im Glauben. Doch aufgrund staatlicher Restriktionen ist es schwer für sie, theologisches Grundwissen zu erwerben. Zu diesem Zweck gibt es seit vielen Jahren das SOTA-Programm.

Ursprünglich als Radiosendung gestartet vermittelt SOTA (Seminary on the Air / Seminare per Radio) eine theologische Grundausbildung für chinesische Christen. Neben dem Dienst in einer Gemeinde oder einem anderen Studium können Christen sich über dieses Projekt unseres Partners TWR, wertvolles Wissen aneignen zu den Themen Bibelauslegung, Predigen und Gemeindeleitung.

 

Die Corona-Situation macht neue Programme nötig

Obwohl SOTA an sich ein digitales Lernprogramm ist, blieb auch dieses Projekt nicht von der Pandemie verschont. Regionale Camps zum Austausch unter den Studierenden mussten abgesagt werden und der Bedarf an theologischer Unterweisung wuchs, da viele Hausgemeinden in China mehr als 14 Monate lang quasi keine Gottesdienste in Präsenz feiern konnten.

Für das Team von SOTA wurde schnell klar, dass die Pandemie Anpassungen in ihrer Arbeit nötig machte. Zum einen gab es immer mehr christliche Leiterinnen und Leiter, die online nach theologischer Unterstützung suchten, dafür aber weniger Zeit als für das klassische dreijährige SOTA-Programm aufwenden wollten; zum anderen gab es auch welche, die gerne noch tiefer einsteigen wollten. Mit neuen Angeboten versuchte das Team auf beide Gruppen einzugehen.

Im Juni 2020 startete das Team spezielle Predigt-Seminare, die sich besonders an Pastorinnen und Pastoren richten, die bereits eine Gemeinde leiten. Diese Predigt-Seminare dauern 10 Wochen und sind auf eine kleine Gruppe von höchstens zehn Teilnehmern begrenzt. Das Team wählt hierbei genau aus, wer teilnehmen darf. Wichtig ist ihnen, dass die Gruppenmitglieder repräsentativ für eine Gemeinde stehen und willens sind, das Gelernte in ihrem Gemeindekontext auch weiterzugeben.

 

Die Bibel selbst sprechen lassen

Im April diesen Jahres fand das Seminar zum vierten Mal statt. Wie schon bei den Malen zuvor war das Feedback sehr positiv. Viele Teilnehmer äußerten, dass sie sich einen weiteren vertiefenden Kurs zum Thema Predigen wünschten. Hier einige Rückmeldungen:

Der Predigtkurs war für mich ein wahrer Augenöffner. Er erinnerte mich neu daran, dass wir als Christen nicht unsere Gedanken in einen Bibelpassage hinein-, sondern immer aus einem Bibeltext hinaus predigen sollten. Die Interpretation der Bibelstelle muss genau und klar sein und einen praktischen Bezug haben. Nur so können die Gläubigen daraus etwas für ihr Leben mitnehmen und das Gelernte in ihrem Alltag anwenden.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an diesem Kurs teilnehmen konnte. Der Dozent hat uns gelehrt, dass die praktische Anwendung ein ganz entscheidender Teil einer Predigt ist. – Teilnehmer des SOTA-Predigtkurses

 

Ich habe viel von diesem Kurs gelernt. Der Dozent wies uns darauf hin, nicht eigene Gedanken in die Bibel hineinzulesen, sondern die Bibel für sich sprechen zu lassen. Das war sehr hilfreich für mich, da ich diesen Fehler bei einer Predigt zu Lukas 15 machte. Ich hatte die Grundgedanken der Bibelstelle nicht verstanden und nur meine eigenen Ideen gepredigt. Nachdem ich meine Predigt mit den Anmerkungen des Dozenten überarbeitet habe, konnte ich eine viel bessere Predigt halten.

 

„Mein Verständnis der Bibel ist gewachsen“

Der Predigtkurs ist nicht das einzige neue Angebot, den das SOTA-Team seit Beginn der Pandemie ins Leben gerufen hat. Auch dazugekommen ist ein wöchentliches Bibelstudium, bei dem die Teilnehmer sich jeweils ein Buch der Bibel vornehmen. Nach Abschluss des Seminars müssen alle Teilnehmer einen Aufsatz über eine Passage schreiben, die nach einer Korrektur durch die Kursleiter allen Gruppenmitgliedern zur Verfügung gestellt wird. Ein Teilnehmer schreibt im Nachgang an den Kursleiter:

Danke für deine harte Arbeit! Sie wird sicherlich ganz viel Frucht bringen. Ich bin kein gebildeter Mensch, das Schreiben fällt mir schwer. Ich habe unheimlich viel durch deine Vorträge gelernt. Durch dich habe ich gelernt, wie ich die Bibel studieren und verstehen kann. Auch wenn es mir immer noch schwerfällt, meine Gedanken niederzuschreiben, ist mein Verständnis der Bibel gewachsen. Ich bin sicher, dass es anderen Studierenden ähnlich ging. Vielen Dank für deinen Dienst!

Ein anderer berichtet:

Ich schätze die biblischen Lehren in den Bibelkursen sehr. Eure Vorträge sind sehr gut. In unserer Gemeinde gab es nichts in dieser Art in den vergangenen sieben bis acht Jahren. – Teilnehmer eines SOTA-Bibelkurses

 

Aufwärtstrend bei den Graduierten nach dem Krisenjahr 2020

ERF Medien ist seit vielen Jahren an der Finanzierung der Arbeit von SOTA beteiligt. Durch Ihre Spende für die Region Asien können Sie uns dabei unterstützen. Hier erfahren Sie mehr über weitere Projekte in dieser Region.

Weitere Bibelkurse ähnlicher Art sind bereits gestartet. Einige von ihnen nehmen auch persönliche Lebensthemen in den Blick wie etwa Familienbeziehungen, Kommunikation und Konfliktmanagement. Auch diese Programme wurden gut aufgenommen. Für die Zukunft sind unter anderem Seminare zu harmonischen Beziehungen innerhalb der Gemeinde, Kindergottesdienst und Lobpreis als Familie geplant.

Für die Studierenden des klassischen SOTA-Programms wurde zudem ab April 2020 ein wöchentlicher Zoom-Klassenraum eingerichtet, in dem sie allgemeine Fragen loswerden konnten. Insgesamt 22 solcher Zoom-Treffen fanden im letzten Jahr statt und 115 Studierende nahmen daran teil.

So konnten auch in diesem Frühjahr 40 Studierende das dreijährige Studienprogramm erfolgreich abschließen. Es gibt zwar aktuell noch etwas weniger Neuzugänge als in den letzten Jahren, dafür konnten im Vergleich zu 2020 wieder mehr Kurse stattfinden und auch die Zahl der Graduierten hat gegenüber dem Vorjahr wieder leicht zugenommen. Doch um wieder auf das Niveau von 2019 zu kommen, fehlt noch einiges. Daher hofft das Team auf ein schnelles Ende der Corona-Einschränkungen.

 

Religionsfreiheit in Gefahr

Mit Blick auf die Zukunft bereiten allerdings nicht nur die Corona-Restriktionen dem Team Sorge. In den vergangenen Jahren ist das politische Klima in China gegenüber Christen deutlich rauer geworden. Es gibt neue Gesetze für Religionsgemeinschaften, und die Pandemie hat es noch schwieriger gemacht, sich als Gläubige zu treffen.

In 2020 musste das SOTA-Projekt nahezu alle Präsenzveranstaltungen (Camps, eigene Studienzentren, Infoveranstaltungen für Interessierte) absagen oder schließen. Hinzu kamen Verhöre und Kontrollen durch Regierungsorganisationen. Auch viele christliche Gemeinden sind mit diesen und ähnlichen Problemen konfrontiert. Die Lage ist bedrohlich und macht die freie Religionsausübung immer schwieriger. Wir bitten Sie daher, mit uns für die Christen in China zu beten.

Gebetsanliegen

  • Wir beten dafür, dass viele Christen auf das Angebot von SOTA aufmerksam werden, die Kurse nutzen und im Glauben wachsen.
  • Wir sind dankbar, dass das SOTA-Team trotz Pandemie neue Kurse anbieten konnte und diese Seminare so gut aufgenommen werden. Wir beten, dass sich Teilnehmer für die neuen Kurse finden und das Team die nötigen Ressourcen hat, sein Kursangebot weiter auszubauen.
  • Wir bitten, dass die SOTA-Studierenden ihr Wissen in ihre Heimatgemeinde einbringen und so möglichst viele Christen von den Inhalten der Kurse profitieren.
  • Wir beten um Bewahrung und Schutz für das SOTA-Team in einer aktuell schwierigen politischen Lage. Auch bitten wir um Schutz vor Krankheit in Zeiten der Coronapandemie.
 Rebecca Schneebeli

Rebecca Schneebeli

  |  Redakteurin

Sie schätzt an ihrem Job, mit verschiedenen Menschen und Themen in Kontakt zu kommen. Sie ist verheiratet und mag Krimis und englische Serien.

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