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© Carsten Meier / ERF

09.05.2023 / Zum Schwerpunktthema / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Susanne Hohmeyer-Lichtblau

Umkehren ist immer

Susanne Hohmeyer-Lichtblau hat erkannt: Gut beraten, wer sein Bild von Gott immer wieder korrigieren lässt.

Das Wort Umkehr hatte für mich schon immer einen negativen Klang. Ich kehrte um, wenn ich etwas vergessen hatte. Wenn ich nicht sicher war, ob ich das Bügeleisen ausgeschaltet habe. Oder wenn eine Straße überraschend gesperrt war. Umkehren, nochmal zurück müssen - das war immer ärgerlich und kostete Zeit.

Als ich mit Anfang 20 Christin wurde, begegnete mir eine neue Definition von Umkehr: Umkehren zu Gott. Weg von meinem alten Leben ohne ihn, hin zu einem neuen Leben mit ihm. Weg von „da muss es doch noch mehr geben“, hin zu „wow, es gibt Gott und er hat mich ganz persönlich gewollt“.

Ein grandioser Irrtum

In dieser Zeit gewann die Umkehr etwas Positives, auch wenn der Moment meiner Entscheidung für die neue Richtung äußerst unspektakulär war. Eine Freundin hatte mir ein Buch geschenkt, das habe ich nachts allein im Bett gelesen. Darin wurde erklärt, dass Gott die Menschen liebt und Jesus deswegen auf der Welt war.

Und weiter hieß es, dass Jesus immer noch lebt und es nur eine Entscheidung braucht, damit er, und damit Gott selbst, in mein Leben kommt. Das leuchtete mir ein, ganz rational.

Ich habe die Entscheidung für Gott getroffen. Ich bin zu ihm umgekehrt. Es kamen keine Blitze vom Himmel, aber es fühlte sich gut und richtig an. Ich dachte das war es jetzt mit der Umkehr. Eine einmalige Aktion: Ich kehre um zu Gott, dann lerne ich, was es mit dem Glauben noch alles so auf sich hat. Wie Gott ist und was ich jetzt zu tun und zu lassen habe. Ein grandioser Irrtum.

Ich muss doch alles richtig machen!

Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren im ERF in unterschiedlichen Funktionen, aber immer hatte ich mit Lebensgeschichten zu tun. Geschichten, in denen Menschen von ihrer Umkehr zu Gott erzählen. Nur war das teilweise so ganz anders als bei mir. Diese Menschen beschrieben Gott anders, erlebten ihn anders, verstanden die Bibel anders als ich.

Ich weiß noch genau, als ein Gast mir erzählte, dass er früher nachts durch die Bordelle gezogen war auf der Suche nach Liebe – und dann sagte er: „Jesus war dabei, er hat mich nicht verlassen oder verurteilt, sondern mir immer wieder die Hand gereicht.“ Jesus war dabei? Im Bordell? Echt jetzt? Dass er bei den Prostituierten ist, das konnte ich mir gut vorstellen, da hatte er ja auch in seiner Zeit als Mensch auf der Erde keine Berührungsängste – aber bei einem Freier? Das passte nicht zu meinem damaligen Gottesbild.

Mein tiefes Gefühl war: Ja, Jesus kommt in das Leben von Menschen, aber dann müssen sie doch besser werden, ihm gerecht werden, alles richtig machen – ich muss alles richtig machen… oder? Plötzlich war da dieses dicke „oder“. War es nur meine persönliche Prägung und religiöse Sozialisation, die mir diesen Druck machten? Entsprach mein Bild von Gott vielleicht gar nicht der Realität? Konnte Gott auch mich bedingungslos lieben, obwohl ich immer noch so unperfekt war? Musste ich vielleicht noch einmal neu umkehren? Irgendetwas in meiner Brust fühlte sich bei diesem Gedanken ruhiger an, freier.

Ich will immer wieder umkehren

Nein, auch die Veränderung meines Denkens kam nicht wie ein Blitz vom Himmel, aber ein weiterer Prozess der Umkehr begann. Mit jeder Sendung, jedem Gast, jeder Geschichte wurde Gott für mich immer größer, mein Horizont weiter und mein Bild von ihm vielfältiger. Das ist bis heute so geblieben. Mit jeder Lebensgeschichte, die wir bei ERF Mensch Gott erzählen, staune ich mehr über Gottes Liebe und seine Kreativität, jedem Menschen so zu begegnen, wie er es in dem Moment annehmen kann.

Ich muss aber auch stehen lassen, dass ich vieles an ihm und seinem Handeln auf dieser Erde nicht begreifen werde. Ich habe mich entscheiden, nie mehr zu glauben, dass ich Gott ganz verstanden habe. Ich habe mich entschieden, offen zu sein, mich herausfordern, korrigieren und überraschen zu lassen – und immer wieder umzukehren, wenn ich merke, dass ich Gott in eine Box gepackt habe, dass ich ihn in meinen gedanklichen Horizont pressen will.

Und plötzlich ist Umkehr für mich ein großer Gewinn. Denn ich werde im Hinblick auf Gott nie auslernen. Wie schön, dass ich ihn immer neu kennenlernen und mehr von ihm verstehen darf. Wie schön, dass ich immer wieder die Richtung korrigieren und mich immer wieder dem großen und liebevollen Gott zuwenden darf – mein Leben lang.
 

 Susanne Hohmeyer-Lichtblau

Susanne Hohmeyer-Lichtblau

  |  Redakteurin

Susanne Hohmeyer-Lichtblau hat Diplom Journalistik, Soziologie und Neuere Deutsche Literatur studiert und anschließend für verschiedene Medien gearbeitet. Bei ERF leitet sie die Talksendung ERF Mensch Gott.

Ihr Kommentar

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Kommentare (2)

Günther B. /

DANKE, Susanne ich habe Gott/Jesus auch noch nicht ganz verstanden. Durch Vaterherz-Konferenzen und das Buch DIE HÜTTE bin ich der DreiEINigkeit aber etwas näher gekommen, lebe aus Seiner GNADE, bin mehr

Gabi B. /

Das sehe ich als wunderbare Erklärung von Umkehr, die ganz sicher Wachstum bringt. Das haben sie sehr gut auf den Punkt gebracht. Vielen lieben Dank, seien sie gesegnet und weiter zum Segen für Andere.
Einen guten Tag mit offenen Augen für die Fülle mit der wir beschenkt sind.

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