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© Anna Vander Stel / unsplash.com

09.07.2022 / Erfahrungsbericht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Redaktion ReachAcross

Zu Besuch bei Muslimen

Als Christ Kontakt mit muslimischen Migranten knüpfen.

Seit vier Jahren arbeitet Frank* in der Schweiz unter Muslimen. Er berichtet aus seinen Erfahrungen.

Viele fragen sich vielleicht, wie man mit Muslimen in Kontakt kommen kann. Ich lernte meinen muslimischen Freund über die Schule unserer Kinder kennen. Da bietet sich Gelegenheit, auf ganz natürliche Art und Weise in Kontakt zu kommen. Es könnte beginnen mit: „Hallo, schön einmal die Eltern von XY zu treffen“. Und es könnte weitergehen: „Von wo seid ihr? Wo wohnt ihr?“

Die beste Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen, sind alltägliche Begegnungen am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Nachbarschaft, ein Besuch im Park oder in einem Sportclub. Das ist nicht viel anders, als wenn ich Schweizern begegnen möchte.

Der erste Schritt

Muslime erwarten nicht unbedingt, dass sie angesprochen werden. Die meisten werden sich aber darüber freuen. Zugegeben, es ist nicht immer einfach, andere Menschen anzusprechen und auf tiefere Begegnungen zu hoffen. Auch Migranten passen sich unserer Kultur an, ziehen sich unter ihresgleichen zurück und leben in ihrer Subkultur.

Begegnungen waren deutlich einfacher, als ich eine Zeit lang in einem muslimischen Land lebte. Darum ist es auch in der Schweiz einfacher, mit Muslimen in Kontakt zu kommen, wenn man in ihrer unmittelbaren Nähe wohnt.

Viele Kirchen und christliche Werke bieten für neu angekommene Migranten verschiedenartige Programme an. Wer bei einer solchen Arbeit mithilft, begegnet vielen Muslimen. Solche Erstkontakte können dann vertieft werden. Dennoch sollten wir nicht vergessen, dass es Muslime gibt, die bereits sehr lange bei uns leben und Sprache und Kultur bestens kennen. Diese Begegnungen sind offensichtlich anders.

Faktor Sprache

Ein wichtiger Faktor scheint mir die Sprache zu sein. Je nach Sprachniveau des Gegenübers ist die Kommunikation beschränkt. Das braucht viel Verständnis und die Akzeptanz, dass komplizierte Themen am Anfang weggelassen werden müssen. Manchmal hilft es, auf eine Brückensprache wie Englisch oder Französisch auszuweichen.

Mit meinem Freund kommuniziere ich in einem Gemisch aus Englisch, Deutsch und arabischen Brocken. Mit der Zeit verstehe ich sein Deutsch, weil ich viel Zeit mit ihm verbringe. Wenn er sagt „ich schaue dir“, verstehe ich, dass er mir etwas zeigen will. Hier sind gewisse Grenzen gesetzt, außer man spricht die Sprache des Gegenübers sehr gut. Aber die Liebe Gottes zeigt sich über Sprachgrenzen hinweg.

Ein Abenteuer beginnt

Wenn sich ein Mensch aus einer anderen Kultur dir anvertraut, bist du sein Tor zu deiner Kultur. Mein Freund kommt mit Fragen zu mir wie: „In unserem Haus wurde eine Frau Witwe, wie soll ich mein Beileid ausdrücken? Gehe ich an die Beerdigung?" oder "Mein Chef verlangt von mir die Erfassung der Arbeitszeit. Warum muss ich das tun? Ich bin doch immer da für ihn.“ In kollektivistischen Kulturen werden Arbeits- und Freizeit nicht strikt getrennt. „Wie kauft man bei euch ein Auto? Wie wird verhandelt?“ Das waren weitere Fragen meines Freundes.

Es kann auch vorkommen, dass mein Handy zu einer unkonventionellen Zeit klingelt. Das braucht eine gewisse Flexibilität und ein sich Einlassen in die andere Kultur. Wenn ich mich auf seinen Besuch einstelle, reserviere ich genügend Zeit. Es wäre schade, wenn Gespräche dann wegen eines nächsten Termins voreilig abgebrochen werden müssten.

Über Jesus sprechen

Die wunderbarste Sache ist, wenn ich mit meinem Freund über Jesus sprechen kann. Er kennt ihn aus dem Koran als sehr respektierten Propheten. Er ist überaus fasziniert, wenn ich ihm Geschichten von Jesus aus der Bibel erzähle. Selten nehme ich dabei die Bibel zur Hand. Ich versuche stattdessen, die Geschichte aus meinem Gedächtnis zu erzählen.

Das fordert mich heraus, die Geschichten von Jesus gut zu lernen. Einmal war er so berührt, dass er eine Gänsehaut kriegte. Christen sollten ihre muslimischen Freunde bedingungslos lieben, auch wenn sie nicht  in unserem Sinne glauben werden. Es ist der Heilige Geist, der Muslime zu sich zieht.
 

*Der vollständige Name ist der Redaktion von Reach Across Aktuell bekannt. Dieser Artikel ist erstmalig erschienen in „ReachAcross Aktuell“, der Informationszeitschrift von ReachAcross Deutschland. Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

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