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© Jeshoots com / unsplash.com

06.05.2022 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Oliver Jeske

Die wahrscheinlich längste Bibel der Welt …

…der Freitagstalk der ERF Aktuell-Redaktion

 

 

Wieder Anschlag in Israel, Tafel Deutschland fordert Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung, Berufungsverfahren gegen Pastor Olaf Latzel startet, es neue Rassismusstudie vorgestellt, UN Women fordert zum Muttertag mehr Gleichberechtigung statt Blumen und die wahrscheinlich längste Bibel der Welt in Eisenach – das sind die Themen des Freitagstalks der ERF Aktuell-Redaktion. Mein Name ist Oliver Jeske, die Themen zusammengestellt hat Katja Völkl. Wir haben zu Beginn leider wieder eine unerfreuliche Nachricht: Es gab in Israel erneut einen Anschlag.

Katja Völkl: An Israels Unabhängigkeitstag wurden in der Stadt Elad, nahe Tel Aviv mehrere Passanten angegriffen. Mindestens drei Menschen wurden getötet und es gibt mindestens vier Verletzte. Nach Angaben der Polizei handelt es sich vermutlich um einen Terroranschlag. Die Behörden gehen von zwei Attentätern aus. Gefahndet wird nach zwei Palästinensern aus dem Westjordanland. In den vergangenen Wochen hat es immer wieder Anschläge gegeben, über die wir hier auch berichtet haben.
 

Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

ERF: Schauen wir nach Deutschland: Der Dachverband der Tafeln fordert von der Bundesregierung verbindliche gesetzliche Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung. Diese sollen sich an Hersteller, Lebensmittelhandel und Privatverbraucherinnen und -verbraucher richten. Worum geht es konkret?

Katja Völkl: Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafel Deutschland, sagt, der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung kommt nicht richtig voran. Doch angesichts des zunehmenden Hungers weltweit und der Klimakrise muss das Thema ernsthafter angegangen werden. Dazu kommen die steigenden Lebensmittelpreise in Deutschland. Dadurch können sich immer weniger Menschen noch gesunde Lebensmittel leisten.

Die geforderten gesetzlichen Regelungen sollten drei Punkte beinhalten:

1. Lebensmittelspenden müssen einfach, rechtssicher und steuerlich begünstigt sein.

2. Gemeinnützige, spendenempfangende Organisationen wie die Tafeln müssen finanziell durch den Staat unterstützt werden, um z.B. die notwendige Infrastruktur für Lager und Transport unterhalten zu können.

3. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen mit einer Bildungskampagne über Maßnahmen gegen Verschwendung aufgeklärt werden.
 

ERF: Denn wir als Verbraucher können tatsächlich etwas tun, indem wir verantwortungsvoller mit den Lebensmitteln umgehen.
 

Pastor Olaf Latzel erneut vor Gericht

ERF: Um Verantwortung geht es auch bei der nächsten Meldung, allerdings in ganz anderer Weise: Pastor Olaf Latzel muss sich in einem Berufungsverfahren erneut verantworten.

Katja Völkl: Olaf Latzel wurde vom Bremer Amtsgericht wegen Volksverhetzung verurteilt. Ab kommenden Montag nun geht es erneut um die Frage, ob er in einem „Eheseminar“ zum Hass gegen Homosexuelle angestachelt hat oder nicht. Im November 2020 verhängte Amtsgerichts-Richterin Ellen Best gegen ihn eine Freiheitsstrafe von drei Monaten. Die wurde umgewandelt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Euro. Zur Begründung hieß es: Der streng konservative Pastor habe sich im Oktober 2019 in einer „biblischen Fahrschule zur Ehe“ in homophober Weise vor 30 Paaren geäußert.
 

ERF: Sascha Böttner, Latzels Verteidiger, bezeichnete das Urteil als „Einfallstor zur Beschränkung der Meinungsfreiheit“. Und er kritisierte, dass das Gericht niemanden aus dem Eheseminar als Zeugen geladen hat.

Katja Völkl: Das wird nun nachgeholt. Gleich am ersten Prozesstag will das Gericht mit zwei Zeugen aus dem Eheseminar in die Beweisaufnahme eintreten. Am 20. Mai soll dann das Urteil gesprochen werden.
 

Mehrheit der Deutschen sagt: Es gibt Rassismus bei uns

ERF: Es gibt eine neue Rassismusstudie. Der zufolge erkennt die Mehrheit der Deutschen an, dass es Rassismus bei uns gibt. Aber das ist noch nicht alles, Katja.

Katja Völkl: Laut dem sogenannten Rassismusmonitor sagen 90% der Bevölkerung: Es gibt Rassismus in Deutschland. Fast jeder Zweite (49 Prozent) kennt eine Person, die selbst schon rassistische Erfahrungen gemacht hat. 22 Prozent haben Rassismus selbst erfahren. Das für die Befragten aber nicht unbedingt ein Problem zu sein. Denn rassistische Klischees bleiben und Beschwerden über Rassismus bewerten viele als „ängstlich“ (52%) oder „überempfindlich“. Fast die Hälfte findet, dass Rassismusvorwürfe und „politische Korrektheit“ die Meinungsfreiheit beschränken.
 

ERF: Du hast die Klischees gerade angesprochen, welche sind das z.B.?

Katja Völkl: Dem Rassismusmonitor zufolge glaubt fast die Hälfte der Bevölkerung dass es menschliche „Rassen“ gibt, darunter sind überproportional Ältere. Und ein Drittel bejaht die Aussage, dass gewisse ethnische Gruppen oder Völker fleißiger seien als andere.
 

ERF: Welche Reaktionen gibt es denn darauf?

Katja Völkl: Bundesfamilienministerin Lisa Paus bezeichnete die Ergebnisse des Monitors als zum Teil „schockierend“. Rassismus zieht sich quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen. Zugleich ist es positiv, dass viele Menschen bereit sind, sich gegen Rassismus zu engagieren, sagte Paus weiter. Laut Studie sind es vor allem Jüngere, die sich gegen Rassismus engagieren. Die Direktorin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Naika Foroutan sagte laut epd: Jüngere sind weniger bereit, Rassismus hinzunehmen. Ein höherer Bildungsabschluss schützt allerdings kaum vor rassistischen Einstellungen oder davor, rassistisch angegangen zu werden. „Rassismus hat also nichts mit gelungener Integration zu tun“, sagte sie.
 

ERF: Und was soll diese Studie jetzt letztendlich bringen?

Katja Völkl: Dieser Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor soll eine Datenbasis dafür liefern, an welchen Stellen die Politik bei der Bekämpfung von Rassismus ansetzen soll.
 

UN Women fordern: Mehr Gleichberechtigung statt Blumen

ERF: Zur Erinnerung: Am Sonntag ist Muttertag. Und aus diesem Anlass fordert UN Women Deutschland ein Ende der strukturellen Benachteiligungen von Frauen und vor allem von Müttern.

Katja Völkl: Elke Ferner, die Vorsitzende des deutschen Komitees der UN-Gleichstellungsorganisation sagte dazu: „Statt Blumen und Pralinen wünschen wir uns eine partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Sorgearbeit.“ Außerdem forderte sie eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an allen politischen Entscheidungen – auch in den Parlamenten – und ein Paritätsgesetz.
 

ERF: Es ist ja auch so, dass bisher Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit leisten.

Katja Völkl: Und das immer wieder mit negativen Auswirkungen auf ihre Gesundheit, ihr Einkommen und ihre gesellschaftliche Teilhabe, heißt es laut epd-Meldung. Viele Mütter in Deutschland sind demnach einem Armutsrisiko ausgesetzt und erleben Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Alleinerziehende sind davon besonders stark betroffen.

Deshalb appelliert UN Women an Politik und Unternehmen, die Rahmenbedingungen für Geschlechtergerechtigkeit zu verbessern. Z.B. durch eine kostenlose und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ab dem Säuglingsalter sowie flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle.
 

Wiedmann-Bibel in Eisenach als Pilgerweg und Kunstprojekt zu erleben

ERF: Und jetzt präsentieren wir Ihnen die „wahrscheinlich längste Bibel der Welt“.

Katja Völkl: 1,7 Kilometer ist sie lang. Seit Mittwoch in Eisenach als Pilgerweg und als Kunstprojekt im öffentlichen Raum zu erleben. Die Stadtverwaltung Eisenach sagt, das Werk des Künstlers Willi Wiedmann (1929-2013) besteht aus 3.333 Bildern und ist die weltweit einzige Bibel, die das komplette Alte und Neue Testament in Bildern wiedergibt.

Auf 331 Tafeln sind die insgesamt 3.333 Illustrationen zu biblischen Geschichten zusammengefasst. Sie stehen auf dem Weg von der Reuter-Villa bis zum Elisabethenplan im Wald kurz unterhalb der Wartburg. Über erläuternde Texte, die sich über das Smartphone abrufen lassen, kommt die Botschaft über die Wirkmacht der Worte zurück.

Die Wiedmann-Bibel ist im Original ein Leporello von mehr als einem Kilometer Länge. Ein Leporello ist ein ziehharmonikaartiges Faltbuch. Wiedmann schuf es in den 1960-er Jahren. Er hat sich als Künstler, Kirchenmaler und Galerist vor allem im süddeutschen Raum einen Namen gemacht.
 

ERF: Wenn Sie also in der Nähe von Eisenach sind und Lust auf einen Spaziergang haben, ist das bestimmt einen Besuch Wert. Und das war’s mit dem Blick auf die Woche Team ERF Aktuell. Ein schönes Wochenende wünschen Katja Völkl und Oliver Jeske.

 Oliver Jeske

Oliver Jeske

  |  Redakteur Aktuelles

Sprachlich Hannoveraner, seit einem Vierteljahrhundert in Berlin zu Hause, liebt er Jesus, Tanzen mit seiner Frau, Nordsee-Spaziergänge mit seinen Söhnen und leckeren Fisch. Von Gott ist er fasziniert, weil der ihn immer wieder überrascht und im wahrsten Sinne des Wortes beGEISTert.

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