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22.04.2022 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Andreas Odrich

1000 Schulkinder singen Haydns „Schöpfung“

Der Freitagstalk des ERF Aktuell-Teams.

 

Weltkirchenrat und Ukrainische Orthodoxe Kirche fordern von Moskauer Patriarchen Kyrill mehr Einsatz für die Ukraine, Bundesamt für Verfassungsschutz veröffentlicht „Lagebild Antisemitismus 2020/2021“, 1000 Schulkinder singen Haydns „Schöpfung“ und Hamburgs erste Kinderkathedrale wird eingeweiht. Das sind die Themen heute im Freitagstalk der ERF Aktuell-Redaktion mit Andreas Odrich und Katja Völkl.


ERF: Katja, das Bundesamt für Verfassungsschutz hat das „Lagebild Antisemitismus 2020/2021“ veröffentlicht. Zu welchen Ergebnissen kommen sie?

Katja Völkl: Dem Bericht zufolge hat sich in der Corona-Pandemie der Antisemitismus in Deutschland verstärkt. Teils jahrhundertealte antisemitische Verschwörungsvorstellungen erfahren durch die Pandemie einen neuen Verbreitungsschub. Dieser reiche bis in die Mitte der Gesellschaft.

Das verschwörungstheoretische Denken sei während der Pandemie unter anderem über soziale Medien kontinuierlich verbreitet worden. Lockdowns und Kontaktbeschränkungen hätten antisemitisches Denken noch forciert. Die Pandemie werde dabei in erster Linie in „bereits bestehende antisemitische Verschwörungstheorien eingebettet“.


ERF: Wie äußert sich das denn konkret?

Katja Völkl: Z.B. lassen sich auf Demonstrationen Parolen, Symbole und Äußerungen identifizieren, die die Verfolgung von Juden, den Holocaust und die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes verharmlosen. So sagt es der Verfassungsschutz. Ein Beispiel hierfür sei die Verwendung des gelben sogenannten Judenstern-Aufnähers der NS-Zeit mit der Aufschrift „Ungeimpft“.

Thomas Haldenwang, Präsident des Verfassungsschutzes, findet es erschreckend, dass antisemitische Narrative bis in die Mitte der Gesellschaft anschlussfähig seien. Er fordert von Sicherheitsbehörden und der Zivilgesellschaft, jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegenzutreten.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser versprach den Schutz von Jüdinnen und Juden in Deutschland. Es sei eine Schande für unser Land, wie viel antisemitische Hetze und Menschenverachtung auch heute verbreitet wird, sagte sie.


ERF: Und auch Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, hat sich dazu geäußert.

Katja Völkl: Er sagte, die Analyse der unterschiedlichen Formen des Antisemitismus durch den Verfassungsschutz mache die Gefahr deutlich, die vom Antisemitismus ausgehe. Über die sogenannte Querdenker-Szene fänden Rechtsextremisten inzwischen leicht Zugang zu Bürgern aus der Mitte der Gesellschaft, so Schuster weiter. Und er forderte, dass der Kampf gegen den Antisemitismus in den Schulen beginnt und dann in allen Bereichen der Gesellschaft fortgesetzt wird.

Metropolit Augustin: „Wir sind wütend auf Kyrill I“

ERF: Auch diesmal haben wir eine Meldung zum Russland-Ukraine-Krieg: Sowohl der Weltkirchenrat als auch ukrainische Orthodoxe fordern mehr Einsatz für die Ukraine vom Moskauer Patriarchen Kyrill I.

Katja Völkl: Der Weltkirchenrat hat eindringlich an Kyrill appelliert, sich für einen Waffenstillstand in der Ukraine einzusetzen – und zwar während des orthodoxen Osterfestes, das heute mit dem Karfreitag beginnt. Ion Sauca, amtierender Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen hat einen Brief an das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche geschrieben. Darin heißt es: Es sei klar, dass es nicht in Kyrills Macht liege, den Krieg zu beenden oder die zu beeinflussen, die dies könnten.

„Aber die Gläubigen warten auf tröstende Worte Eurer Heiligkeit“, so Sauca wörtlich. Viele Gläubige seien sicher, dass eine entsprechende öffentliche Erklärung des spirituellen Oberhauptes von Millionen von orthodoxen Christen sowohl in Russland als auch in der Ukraine Einfluss in dem Konflikt haben könnte, fügte Sauca hinzu. In einem ersten Brief hatte er den Patriarchen aufgefordert, in dem Krieg zu vermitteln und zu dessen Ende beizutragen.


ERF: Patriarch Kyrill hatte darauf auch geantwortet und den Westen und das Militärbündnis Nato für die Ursachen des Krieges in der Ukraine verantwortlich gemacht. Der tragische Konflikt sei Teil einer „großangelegten geopolitischen Strategie“ zur Schwächung Russlands.

Katja Völkl: Wegen seiner einseitig prorussischen Haltung im Ukraine-Krieg gerät der Moskauer Patriarch in der orthodoxen Kirche zunehmend in die Kritik. Der Metropolit und Militärbischof Augustin Markewytsch von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche schrieb in der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Seit Kriegsbeginn sind wir wütend auf Kyrill. Kein Wort hat er zugunsten der Ukrainer verloren.“

Vor dem Krieg habe Kyrill die Ukrainer als seine Herde bezeichnet. Doch jetzt trete er „als Patriarch der Russen auf“. Kyrill müsste zumindest tun, was der Papst tue: um Frieden bitten. Stattdessen unterstütze er den Krieg.


ERF: Man sollte auch bedenken, dass die Ukrainische Orthodoxe Kirche mit mehr als 12.000 Gemeinden die größte Kirche des Landes ist und formell zu Moskau gehört. Sie untersteht also dem Patriarchen Kyrill.

Katja Völkl: Der oberste Geistliche in der Ukraine ist allerdings der Metropolit Onufri, der sich klar vom Krieg distanziert hat – und auch von Kyrill.


ERF: Patriarch Kyrill feierte am 3. April eine Liturgie in der Militärkirche bei Moskau. Das hat die Beziehungen zwischen der Ukrainisch Orthodoxen Kirche und den russischen Orthodoxen noch mehr beschädigt. Zumal gerade jetzt in der Ukraine viele Kirchen zerstört und Priester gefoltert oder getötet werden. Das sagte Erzbischof Jewstratij Sorja von der von Moskau unabhängigen Orthodoxen Kirche der Ukraine.

Katja Völkl: Metropolit Augustin will den Christen jedoch Mut machen. Zum orthodoxen Osterfest sagte er: „Ohne das Leiden am Kreuz gibt es keine Erlösung. Als Christen bereiten wir uns auf das Leben nach dem Tod vor, indem wir anderen beistehen. Als Verteidiger unserer Heimat können wir das himmlische Jerusalem erringen“.

Schulkinder und Bachakademie führen Haydns „Schöpfung“ auf

ERF: Nach so viel bedrückenden Nachrichten haben wir jetzt noch etwas Schönes für Sie.

Katja Völkl: Und zwar musikalisch schön. Rund 1.000 Schulkinder bringen Chorstücke aus Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ auf die Bühne. Sie treten gemeinsam mit der Gaechinger Cantorey, dem Ensemble der Bachakademie auf. Das Musikvermittlungsprojekt BachBewegt!Singen! findet in diesem Jahr unter dem Titel „Die Schöpfung - Erde an Zukunft“ in noch nie dagewesener Größe statt und wird in sechs Konzerten rund um Stuttgart präsentiert. Das teilte die Internationale Bachakademie mit.

Die Kinderchöre in Karsten Gundermanns Bearbeitung von Haydns Werk fordern Adam und Eva, die Erwachsenen von heute, zum Umdenken und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt auf. Jedes Konzert endet mit einem gemeinsamen Singen von Publikum und Mitwirkenden. Die Konzerte finden zwischen dem 3. und 15. Mai statt.

Hamburgs erste Kinderkathedrale wird eingeweiht

ERF: Und noch etwas gibt es, diesmal nicht von Kindern, sondern für Kinder.

Katja Völkl: Am Sonntag wird in der Bramfelder Simeonkirche Hamburgs erste Kinderkathedrale mit einem Gottesdienst eingeweiht. Statt Kirchenbänken gibt es kleine Stühle, Tische, Spielgeräte und ein Tipi. Hier sollen künftig Kinderaktivitäten und Gottesdienste für junge Familien angeboten werden.

Die Kinderkathedrale soll Freiraum bieten für Fragen, Ausprobieren und Erzählen, heißt es in dem Konzept der Gemeinde. Kinder, Jugendliche und Erwachsene dürften bei ihnen über Gott und die Welt nachdenken. Jeden Mittwoch ist die Kirche drei Stunden lang für alle geöffnet. Die Predigt am Sonntag hält Bischöfin Kirsten Fehrs.
 

ERF: Und mit diesen beiden schönen Veranstaltungshinweisen entlassen wir Sie ins Wochenende. Das war’s für heute mit dem Wochenrückblick der ERF Aktuell-Redaktion. Es verabschieden sich Katja Völkl und Andreas Odrich.

 Andreas Odrich

Andreas Odrich

  |  Redakteur

Er verantwortet die ERF Plus-Sendereihe „Das Gespräch“. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist begeisterter Opa von drei Enkeln. Der Glaube ist für ihn festes Fundament und weiter Horizont zugleich.

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