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© nana o. / unsplash.com

01.12.2021 / ERF Global Hope / Lesezeit: ~ 6 min

Autor: Rebecca Schneebeli

Tabuthemen ansprechen

„Aids Challenge“ spricht offen über HIV und Sex und bekommt viele sehr persönliche Hörerzuschriften.


Angesichts massiv steigender Infektionszahlen, voller Intensivstationen und einer neuen besorgniserregenden Variante erscheint COVID-19 als das aktuell drängendste Gesundheitsthema. Nach 2 Jahren Pandemie zählt man über 5 Millionen Menschen, die an oder mit Corona gestorben sind. Da gerät leicht in Vergessenheit, dass es eine andere Viruserkrankung gibt, die seit 1981 weltweit schon zu rund 36 Millionen Toten geführt hat: Aids.

Im Gegensatz zu Corona gibt es gegen HIV selbst 40 Jahre nach Entdeckung des Virus noch keinen zugelassenen Impfstoff; vielfach wird die Erkrankung zudem erst spät festgestellt. Allerdings stehen wirksame Medikamente zur Verfügung. Doch nur drei Viertel der Betroffenen haben Zugang zu ebendiesen. Und während in Deutschland 97 Prozent der an Aids Infizierten mit adäquaten Medikamenten versorgt werden können, liegt diese Quote anderswo deutlich niedriger.

Während in Deutschland 97 Prozent der HIV-Infizierten mit adäquaten Medikamenten versorgt werden können, liegt diese Quote anderswo deutlich niedriger.

 

Dabei sind in Deutschland nur circa 01, Prozent der Menschen HIV-positiv, im südlichen Afrika dagegen teils 15 bis 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Nicht nur dort, auch in Ost- und Westafrika sind die Zahlen hoch. Auch in Osteuropa und Zentralasien werden immer mehr Erkrankungen erfasst. Oft erfahren Menschen mit HIV erst von ihrer Erkrankung, wenn sie selbst oder Menschen in ihrem Umfeld an Aids erkranken. Das kann Jahre nach der eigentlichen Infektion sein. Das macht die Krankheit so heimtückisch und ihre Bekämpfung so schwierig.
 

Aufklärung, medizinische Infos und eine klare Sexualethik

Die beste Vorbeugemaßnahme gegen HIV ist und bleibt Aufklärung – über die Krankheit selbst, über Übertragungswege und über die Möglichkeiten einer medizinischen Behandlung. Gerade in Afrika ist dies wichtig, da staatliche Gesundheitsinformationen nicht alle Menschen gleichermaßen gut erreichen. Wer nicht lesen kann, in keiner größeren Stadt lebt und vielleicht zudem keinen Zugang zu Fernsehen oder Internet hat, erfährt eventuell gar nicht, was er gegen diese Krankheit tun kann.

Ziel der Macher ist auch, den Zuhörerinnen und Zuhörern eine positive christliche Sexualethik weiterzugeben.

 

Deshalb hat ERF Partner TWR schon vor vielen Jahren die Sendereihe „Aids Challenge“ ins Leben gerufen. Ziel des Programmes ist es, über Übertragungswege, Testmöglichkeiten und Medikamente gegen HIV zu informieren. Allerdings gehen die Sendungen von TWR über ein rein medizinisch informatives Radioprogramm hinaus. Ziel der Macher ist auch, den Zuhörerinnen und Zuhörern eine positive christliche Sexualethik weiterzugeben. Denn in Afrika fehlt an vielen Stellen nicht nur das Wissen über Verhütung und Krankheitsprävention, sondern auch Themen wie Einvernehmlichkeit sexueller Beziehungen und Verbindlichkeit müssen angesprochen werden.
 

Viel Lob für die Aufklärungsprogramme – von Jugendlichen und Eltern

TWR Afrika wagt das und erhält darauf erstaunlich viele positive Rückmeldungen. So schreibt etwa ein junges Mädchen an das Team:

Ich bin 16 Jahre alt. Bevor ich eure Sendung hörte, war ich auf der Suche nach meiner ersten sexuellen Erfahrung. Ich wollte einfach das Unbekannte kennenlernen und mich geliebt, wertvoll und vor allem begehrt fühlen. Ich wollte die Jungs mit meinem Charme verzaubern. Doch seitdem ich eure Sendung über HIV und Aids höre, habe ich mich umentschieden. Ich möchte nun mit dem Sex bis zur Ehe warten. Herzlichen Dank für diesen guten Rat!
 

Positive Reaktionen kommen aber nicht nur von jungen Zuhörern, sondern auch von Eltern, wie in dieser Zuschrift:

Ich habe zwei Söhne, einer 14, der andere 16 Jahre alt. Danke für eure Programme über HIV und Aids. Sie helfen mir dabei, meine Kinder in ihrer aktuellen Lebensphase zu unterstützen, Dinge klarzustellen und meine eigene Sicht auf Sexualität weiterzugeben. Auch wir haben für uns als Paar etwas aus euren Sendungen mitgenommen, der zweite Teil zur Sexualität in der Partnerschaft war für uns sehr hilfreich!
 

Lob erreicht das Team hier teils auch von ungewöhnlicher Seite. Eine treue Hörerin ist nicht nur Muslima, sondern sogar Frau eines Imams. Dennoch ist sie von den Sendungen durchweg begeistert:

Ich bin die Frau eines Imans und eine treue Hörerin eurer Aufklärungsprogramme über HIV und Aids. Herzlichen Dank, dass ihr diese Sendungen gestaltet und darin das Thema Sexualität ansprecht. Wir haben fünf Kinder und euer Programm ist mir ein treuer Begleiter. Danke für euren Rat! Eure Lehren sind in unserer Gegend so wichtig. Was ich bei euch im Radio höre, gebe ich an meine Kinder weiter.

Was ich bei euch im Radio höre, gebe ich an meine Kinder weiter. – Hörerin von Aids Challenge

 

Betroffene suchen Rat und Hilfe

Doch das Team erreichen nicht nur Nachrichten von Zuhörerinnen und Zuhörern, für die HIV eher ein theoretisches Problem ist. Immer wieder melden sich auch Betroffene und bitten um Rat, wie etwa dieser junge Mann:

Ich bin zwanzig Jahre alt und habe gerade erst erfahren, dass ich HIV-positiv bin. Mit meiner Freundin bin ich gerade mal einen Monat zusammen. Ich würde ihr gerne von meinem Testergebnis erzählen. Doch ich habe Angst, was dann passieren könnte. Ich bin dabei, mich ernsthaft in sie zu verlieben, und der Gedanke, dass sie mich deswegen nun verlassen könnte, hält mich nachts wach. Ich weiß nicht, was ich tun soll.
 

Die Ängste dieses jungen Mannes sind keineswegs unbegründet. Selbst wenn es nicht um eine Partnerschaft geht, geschieht es immer wieder, dass HIV-positive Menschen in Afrika quasi ausgeschlossen werden. Ein Grund dafür ist, dass vielen Menschen die genauen Übertragungswege nicht bekannt sind. Auch hier versucht TWR mit seinem Programm Aufklärung zu leisten und Betroffene an Hilfsorganisationen zu vermitteln. Eine junge Frau berichtet davon, wie sie aufgrund ihrer Krankheit von ihrer Familie verstoßen wurde:

Ich habe HIV und bin zwanzig Jahre alt. Meine Familie hat mich verstoßen und seit neun Monaten verkaufe ich mich in unserer Hauptstadt für Geld an Männer, um irgendwie über die Runden zu kommen. Seit neustem besuche ich die Gruppentreffen einer lokalen Hilfsorganisation. Aber ich habe dort noch niemandem erzählt, dass ich HIV-positiv bin. Ich wünschte mir, ich könnte jemandem von meiner Situation erzählen. Doch ich weiß nicht, wo ich beginnen sollte. Ich habe Angst, dass ich dann auch von meinen Freunden wegen meines HIV-Status abgelehnt werde.
 

Auch sexuelle Gewalt wird gemeldet

Doch nicht nur Betroffene von HIV melden sich beim Team, zum Teil berichten Hörerinnen sogar von sexueller Gewalt und Übergriffen – wie diese Frau aus der Elfenbeinküste:

Ich lebe in Abidjan und mein Boss verhält sich mir gegenüber sexuell übergriffig. Ich habe ihm klar gesagt, dass ich seine Aufmerksamkeiten nicht wünsche und die Übergriffe aufhören müssen, aber es geht immer weiter. Soll ich eine Beschwerde einreichen oder einfach die Firma verlassen? Was kann und sollte ich jetzt tun? Ich brauche dringend Rat und Wegweisung.
 

Die Zuschrift dieser Frau zeigt, dass die Programme von „Aids Challenge“ für viele Menschen in Afrika eine wichtige Anlaufstelle sind, wenn sie Rat für intime Lebensthemen suchen. Etliche wenden sich wie diese Frau persönlich an das Team, das bemüht ist, wo irgend möglich, Rat und Hilfe zu bieten und zu geeigneten anderen Organisationen zu vermitteln – sowohl HIV-Betroffene als auch Opfer sexueller Gewalt.

Die Programme von Aids Challenge sind für viele Menschen in Afrika eine wichtige Anlaufstelle, wenn sie Rat für intime Lebensthemen suchen.

 

Der ERF unterstützt die Sendereihe aktuell in den Sprachen Bambara und Französisch, die in Westafrika ausgestrahlt werden. Außerdem beteiligen wir uns an Programmen für Zulu-Kinder in Südafrika, von denen viele als Aidswaisen leben. Ihre Spende hilft uns, weiterhin in diesem Bereich engagiert zu bleiben.

 Rebecca Schneebeli

Rebecca Schneebeli

  |  Redakteurin

Sie schätzt an ihrem Job, mit verschiedenen Menschen und Themen in Kontakt zu kommen. Sie ist verheiratet und mag Krimis und englische Serien.

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