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© Joel Heard / unsplash.com

31.10.2021 / ERF Global Hope / Lesezeit: ~ 6 min

Autor: Willi Epp

Eine Reise zum Staunen

Willi Epp war im Sommer in Zentralasien. Er erlebte dort neu, wie wichtig christliche Radioarbeit ist.


Willi Epp hat viele Jahrzehnte lang die Arbeit in Zentralasien (Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan) für den ERF und seinen internationalen Partner TWR koordiniert. Mittlerweile ist Willi im Ruhestand und hat die Verantwortung für die Medienmissionsarbeit an Andre Krahn übergeben. Noch immer ist er beratend für die Teams vor Ort und Andre tätig. In dieser Funktion bereiste er im Sommer mit seiner Frau Maria die Region. Einen kurzen Reisebericht haben wir für Sie zusammengestellt:
 

Von der Klosterruine zum christlichen Radioprogramm

Mitte August waren wir mit Missionsfreunden in Zentralasien unterwegs, um die Gemeinden dort zu besuchen. Auf unserer Reise durchs Land kamen wir an der Karawanserei „Tasch Rabat“ im Gebiet Naryn vorbei. Hier kann man die wiederaufgebaute Ruine eines ehemaligen nestorianisches Klosters entlang der Seidenstraße besichtigen. Der Ort ist circa 50 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Irgendwann im 9 Jahrhundert gab es dort christliche Aktivitäten. Später wurde die Region vom Islam überrannt und das Christentum ausgelöscht.

Klosterruine im Gebiet Naryn
Das ehemalige nestorianische Kloster bei „Tasch Rabat“ (Bild: Willi Epp / ERF)

Wir übernachteten in der Nähe dieses ehemaligen Klosters. Abends holte der Leiter unserer Arbeit sein kleines Radio heraus und wir durften gemeinsam über den hervorragenden Empfang vom PANI- und Seidenstraßen-Sender staunen. Wir waren begeistert! Diese speziellen kleinen Radios hat TWR in großer Stückzahl eingekauft, um es Menschen zu ermöglichen, unsere christlichen Radiosendungen zu hören.

Am nächsten Tag schenkten wir unserem Herbergswirt so ein Radio und erklärten ihm, wie er damit unsere Sendungen empfangen kann. Er hat sich sehr darüber gefreut.

Damals vor einigen Jahrhunderte wurde das Kloster zerstört und die Stimme des Evangeliums erlosch für lange Zeit. Heute ist diese Stimme in der Region wieder klar zu hören, und zwar überall da, wo Menschen ein Radio zur Verfügung haben. Darüber bin ich von Herzen dankbar. Lasst uns dafür beten, dass die Stimme des Evangeliums weiterklingen darf und viele Menschen durch die christlichen Programme den Weg zu Jesus finden.

Damals vor einigen Jahrhunderte wurde das Kloster zerstört und die Stimme des Evangeliums erlosch für lange Zeit. Heute ist diese Stimme in der Region wieder klar zu hören, und zwar überall da, wo Menschen ein Radio zur Verfügung haben.

 

Ein Gottesdienst fast wie Weihnachten

Im weiteren Verlauf der Reise besuchten wir einige Gemeinden, darunter auch eine, die in 2018 von Gegnern der Christen angezündet worden war. Das ganze Gemeindehaus war ausgebrannt. TWR hatte sich damals an den Renovierungskosten beteiligt. Inzwischen können dort wieder Gottesdienste stattfinden.

In dieser Stadt nahmen wir an Gemeindeveranstaltungen teil und konnten einen Gottesdienst in einem Privathaus selbst gestalten. Mein Missionskollege und ich durften predigen. Zwischendurch gab es Fragenrunden, bei denen jeder seine Fragen stellen durfte. Wir beteten füreinander und hatten Gemeinschaft.

Am Ende der Veranstaltung meldete sich unser regionaler Leiter zu Wort und erklärte mit Begeisterung, wie man über Radio unsere Sendungen hören kann. Er holte das kleine Radiogerät hervor und demonstrierte, wie man es einstellt und welche Funktion es hat. Einige erzählten Zeugnisse über ihre Erfahrungen mit den Radiosendungen. Als dann zum Schluss jeder ein Radio bekam, war das wie Weihnachten. Alle Geräte wurden sofort ausgepackt, programmiert und getestet. Radios sind für diese Region immer noch ein besonders wichtiges Instrument, um die Frohe Botschaft zu verbreiten.
 

Ein langer Weg in die Nachfolge

Im gleichen Haus, wo diese Veranstaltung abgehalten wurde, haben wir übernachtet. Das Gastgeber-Ehepaar war sehr herzlich. Wir wurden nicht nur wunderbar mit leckeren Speisen versorgt, sondern ich war auch erneut beeindruckt über ihren Weg zu Jesus. Die Frau kam zuerst zum Glauben und ihr Mann hat sich lange dagegen gewehrt.

Von Beruf aus ist der Mann ein begabter Schmied und hatte viele Kunden. Irgendwann begann er seiner Kundschaft von Jesus zu erzählen, doch selbst wagte er den Schritt, Jesus anzunehmen, noch nicht. Obwohl er wusste, was zu tun ist, verdrängte er die Entscheidung. Er trank viel Alkohol und alles blieb, wie es war. Seine Frau betete jedoch weiter für ihn. Eines Tages war es dann so weit: Er legte die Zigaretten beiseite, schaffte alle alkoholischen Getränke aus der Schmiede und fing ein Leben mit Jesus an. Ab jetzt bekannte er sich zu Jesus, ging mit seiner Frau zum Gottesdienst und schloss sich dem Kreis der Gläubigen an.

Dann kam harter Widerstand von den Einwohnern des Dorfes. Sie gaben ihm eine Frist, sich von Jesus abzusagen. Sie drohten, dass sie ihn umbrächten, wenn er das nicht täte. Aber dieser mutige Mann war nicht bereit, sich von Jesus loszusagen, sondern betete, dass Gott ihm helfe, bis ans Ende standhaft zu bleiben. Der ganze Ort kam zusammen, um ein Urteil über ihn zu fällen. Bei diesem Treffen griff Gott wunderbar ein. Auf einmal war die Gruppe sich uneinig und gab ihr Vorhaben auf. Alle gingen wieder heim. Im Endeffekt hat das Ehepaar dann aber doch ihr Dorf verlassen und ist in eine Stadt gezogen. Hier können sie ihren Glauben freier leben.

Viele Christen haben für diesen Mann gebetet und es hat lange gedauert, aber jetzt ist er eine starke, im Glauben gefestigte Persönlichkeit. Heute gehört er zum Leitungskreis seiner Gemeinde.

Dieses Zeugnis hat mir neu deutlich gemacht, dass wir in der Missionsarbeit – auch in der Medienmissionsarbeit – nicht mit schnellen Ergebnissen rechnen dürfen, sondern weitermachen sollen, selbst wenn wir nicht sofort Frucht sehen.

 

Warum unsere Arbeit so entscheidend ist

Bei unserem Besuch sprachen wir auch mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Radioarbeit. Sie haben eine schwere, stressige Zeit hinter sich. Das Arbeiten in der Corona-Zeit war für sie nicht einfach. Trotz Ausgangssperren mussten die Aufnahmen weitergeführt werden. Dann wurden einer nach dem anderen krank. Die meisten Mitarbeiter haben Kinder und die Schulen waren geschlossen. Unterricht fand nur online statt, manchmal einfach nur über WhatsApp. Dazu kamen Versorgungsprobleme, die Basars waren geschlossen, die Geschäfte leer. Das enge Zusammenleben in den kleinen Wohnungen kam noch dazu.

All diese Belastungen waren für mich ein Anlass, einige Lektionen zum Thema „Umgang mit Stress und Burnout-Gefahren“ vorzubereiten. Wir begonnen damit an einem Samstag. Die Themen waren jedoch so wichtig, dass ich den Eindruck hatte, wir sollten weitermachen. So haben wir den Montag noch an unsere Schulung drangehängt. Insgesamt sind die Schulung und die Betreuung unserer Teams vor Ort eine wichtige und wertvolle Investition in die Zukunft unserer Arbeit.

Oft erklären wir unseren Freunden, dass die Medienarbeit von ERF und TWR „der verlängerte Arm der Gemeinde ist“. Das hat sich am Sonntag dieses Schulungswochenendes gezeigt. Wieder durften wir in einer Gemeinde predigen. Der Pastor dieser Gemeinde ist einer unserer Radio-Verkündiger. Neben seinen Aufgaben in der Gemeinde und seiner großen Familie, hält er jede Woche eine Andacht für unseren FM-Sendeblock. Zu dritt gestalteten wir mit ihm den Gottesdienst.

Am Nachmittag schloss sich ein Frauengottesdienst an, den unsere Mitarbeiterinnen organisiert hatten. Es kamen Schwestern aus unterschiedlichen Gemeinden zusammen, die Bezug zu der „Women of Hope“ Gebetsbewegung haben. Maria hielt ein Referat über Gottvertrauen anhand der biblischen Person der Hanna und nahm Bezug auf die Arbeit von „Women of Hope“. Die Reaktionen der Anwesenden waren sehr positiv, die anschließenden Gespräche bewegend.

Gott hat uns großartige Möglichkeiten geschenkt, die wir nutzen dürfen. Wir wollen mit und durch unsere verschiedenen Medienangebote sowie durch Besuche in den Gemeinden der verlängerte Arm der Gemeinde sein, damit Jesus seine Ziele in Zentralasien erreichen kann.
 

Afghanistan – ein bestimmendes Gesprächsthema

Während unserer Zeit in der Region ereignete sich die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Das war ein großes Thema in unseren Gesprächen. Unsere Glaubensgeschwister in der Region machten sich große Sorgen um die Missionare, die noch im Land waren. Dazu zählten auch Geschwister, die aus Zentralasien waren und keine großen Organisationen hinter sich hatten.

Vor Ort konnten wir erleben, wie Gott unsere gemeinsamen Gebete erhörte. Unsere Glaubensgeschwister konnten aus Afghanistan ausgeflogen werden.

 

Als ERF Medien unterstützen wir die christliche Radioarbeit von TWR in Zentralasien von Anfang an. Ihre Spende hilft uns, die weiterhin zu tun. Erfahren Sie mehr über unsere Projekte in Zentralasien.

Mittlerweile haben die Taliban das Land komplett eigenommen. Seitdem haben die meisten Missionare das Land verlassen, aber die Einwohner sind immer noch da. Sie alle sind Menschen, die das Evangelium brauchen. In Tadschikistan werden Stimmen immer lauter, die zu einem Krieg mit Afghanistan aufrufen. Afghanistan ist ein Viel-Völkerstaat. In dem Land leben Paschtunen, Tadschiken, Usbeken, Hazara und sogar einige Turkmenen. Wie gut, dass wir mit dem PANI- und dem Seidenstraßensender diese Region mit vielfältigen Radioangeboten erreichen können. In der nächsten Zeit wird dieses Angebot noch wichtiger werden.
 

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Kommentare (1)

Rudolf D. /

Europa ist für den Islam sturmreif. Deutschland bekommt eine gottlose Regierung. Die Kirchen werden immer leerer und die Menschen gleichgültiger.

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