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© Jeshoots com / unsplash.com

27.08.2021 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Regina König

Die Lage für Christen im Irak wird immer gefährlicher

...und was sonst noch diese Woche wichtig war.

Terror, Hunger, Menschenrechtsverletzungen – die Lage in Afghanistan spitzt sich nach dem Anschlag von Kabul weiter zu. Das Welternährungsprogramm will eine humanitäre Luftbrücke errichten. Auch die Lage für Christen im Irak wird immer prekärer. Kann das Christentum im ehemaligen Zweistromland überleben?

Arbeitsagentur-Chef Scheele will mehr Zuwanderung. „Doch Integration ist kein Selbstläufer“, sagt Diakoniepräsident Ulrich Lilie. „Hilfe, Beistand und Trost“ für die Opfer der Flutkatastrophe – Spitzenvertreter der großen Kirchen laden am Samstag ein zu einem zentralen ökumenischen Gottesdienst. Und der jüdische Sportverband „Makkabi World Union“ feiert sein 100-jähriges Bestehen – auch in Deutschland. Darüber sprechen Oliver Jeske und Regina König im freitäglichen Wochenrückblick der ERF Aktuell-Redaktion.

 

 

ERF: Regina, wir starten mit einem besorgten Blick nach Afghanistan.

Regina König: Ja, der Anschlag vom Flughafen in Kabul gestern Abend macht auf erschreckende Weise deutlich, in welches Chaos Afghanistan zu versinken droht. Und dazu kommt die ohnehin prekäre Lage im Land. Die Weltgesundheitsorganisation bringt fast täglich neue Meldungen heraus und schlägt Alarm: Ganz abgesehen vom derzeitigen Ausnahmezustand nach dem Abzug der NATO-Truppen, herrsche in Afghanistan ohnehin eine der größten humanitären Krisen der Welt.

Gewalt, eine anhaltende Dürre und die Folgen der Corona-Pandemie hätten verheerende Auswirkungen, rund die Hälfte der Bevölkerung sei auf Nothilfe angewiesen. Es fehlen Medikamente und Lebensmittel. Deshalb will das Welternährungsprogramm eine humanitäre Luftbrücke errichten zwischen der pakistanischen Hauptstadt Islamabad und Kabul.

In Berlin drang das Hilfswerk "Brot für die Welt" darauf, über humanitäre Zugänge nach Afghanistan zu verhandeln. Der Anschlag von gestern Abend hat die Durchführung dieser Vorhaben und Pläne natürlich noch einmal verkompliziert. 

 

Afghanistan und Irak: Religionsfreiheit bedroht

ERF: Terror, Hunger, Menschenrechtsverletzungen - und das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ sieht insbesondere die Religionsfreiheit in Afghanistan bedroht. Und auch im Irak haben Christen einen immer schwereren Stand.

Regina König: Ja, darauf hat in dieser Woche der bayrische Oberkirchenrat Michael Martin hingewiesen. Christen säßen im Irak auf gepackten Koffern. Vor allem im Zentralirak und der Ninive-Ebene, die stark unter dem Einfluss des schiitischen Irans stünden, werde die Situation für Christen und auch für Jesiden immer belastender, sagte der Theologe gegenüber dem epd. Er bezweifelt, dass das Christentum im Irak weiter Bestand haben kann.

 

Arbeitsagentur-Chef Scheele: „Wir brauchen 400 000 Zuwanderer pro Jahr.“

ERF: Die Lage in Afghanistan heizt in Deutschland die Debatte über die   Aufnahme von Flüchtlingen erneut an. Derweil stellt der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, in dieser Woche fest: „Wir brauchen 400 000 Zuwanderer pro Jahr.“ Denn Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus. Doch Integration sei kein Selbstläufer, entgegnet Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.

Regina König:  Und damit fordert Lilie von der Bundesregierung mehr Geld für Deutschkurse, Migrationsberatung und Förderprogramme zur Erwerbsintegration. Von den Menschen, die nach 2015 nach Deutschland gekommen sind, hätten mittlerweile die Hälfte eine Arbeitsstelle, so der Diakonie-Präsident. Das sei zwar ein Erfolg, aber die Bilanz sei ausbaufähig. Klar spricht sich Lilie für eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan aus. Ihnen müsse der Weg in die Berufstätigkeit erleichtert werden.

 

ERF: Bleiben wir in Deutschland – in Aachen soll morgen ein zentraler Gedenkgottesdienst stattfinden für die Opfer der Flutkatastrophe.

Regina König: Dazu laden morgen, am Samstag, die beiden großen Kirchen ein, und zwar in den Aachener Dom. Helferinnen und Helfer sollen zu Wort kommen, Betroffene und Notfallseelsorger.

In einer Pressemitteilung erklären der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing: „Die vielen Toten, die Trauernden und alle, die jetzt vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, sollen nicht vergessen sein. Im Gottesdienst wollen wir sie vor Gott bringen und ihn um seinen Beistand und Trost bitten.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird an dem Gottesdienst teilnehmen so wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Übertragen wird der Gottesdienst vom ZDF morgen um 10h.

 

Gedenkgottesdienst für Flutopfer: Bitte um Beistand und Trost

ERF: Und zum guten Schluss noch eine besondere Meldung aus der Welt des Sports. Und dabei geht es nicht, wie man vermuten könnte, um die Paralympics in Tokio, sondern um das Jubiläum eines ganz besonderen Sportvereins: Der jüdische Sportverband Makkabi World Union feiert 100-jähriges Bestehen.

Regina König: Richtig. Weltweit gehören zu Makkabi World Union 400.000 Mitglieder aus 65 Ländern. Der Verbandssitz befindet sich bei Tel Aviv. In Deutschland gibt es knapp 40 Makkabi-Vereine. Und die feiern ihr großes Jubiläum am Sonntag im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Mit dabei u.a. der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.

Ein Wiederaufleben der Makkabi-Bewegung in Deutschland sei nicht selbstverständlich gewesen, sagt Alon Meyer, Präsident von MAKKABI Deutschland. MAKKABI trage zur Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Deutschland bei und biete Raum für interkulturelle Begegnungen.

ERF: Und damit geht es also sportlich weiter ins Wochenende. Ein behütetes und erholsames Wochenende wünschen damit Regina König und Oliver Jeske.  

 Regina König

Regina König

  |  Reporterin
Für ERF Plus in Mitteldeutschland unterwegs. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

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