Navigation überspringen
© Jeshoots com / unsplash.com

11.06.2021 / Bericht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Andreas Odrich

Auch Afrika muss geimpft werden

...und was diese Woche außerdem wichtig war

Heute ist Freitag! Wir blicken zurück auf die Woche – dies mal mit den Redakteuren Horst Kretschi und Andreas Odrich.

 

ERF Medien: Andreas, was war los in Kirche und Gesellschaft?

Andreas Odrich: In diesen Tagen beginnt ja fast jedes Gespräch mit der Frage „Bist du schon, oder bist du nicht?“ – nämlich geimpft. Horst, wie sieht es bei dir aus?

 

ERF Medien: Die zweite Impfung ist tatsächlich durch. Und bei dir?

Andreas Odrich: Ich bin Astra-Impfling und muss daher noch auf meine zweite Dosis warten. Die ist Mitte Juli fällig. Und dann können wir uns wirklich ganz unbehelligt begegnen. Jenseits des Schutzschilds aus Plastik, das uns hier im Studio im Moment noch trennt.
 

ERF Medien: Wahrscheinlich hat dann jeder von uns auch seinen elektronischen Impfnachweis auf dem Handy, den es seit Donnerstag gibt.

Andreas Odrich:  Ja, man hat den Eindruck, nun können wir einfach zur Tagesordnung übergehen und das Corona-Kapitel hinter uns lassen. Das ist aber eine typische Binnensicht von Menschen in den gut situierten Industrieländern.
 

Afrika als Produktionsstandort für Impfstoff

ERF Medien: Richtig, so hat ja Entwicklungsminister Gerd Müller Anfang der Woche gefordert: Es muss eine gerechte Verteilung der Corona-Impfstoffe geben.

Andreas Odrich: Und er hat dazu auch eine Zahl vorgelegt: In ganz Afrika seien weniger als zwei Prozent der Menschen geimpft, ein Drittel der Entwicklungsländer hat noch keine einzige Impfdosis erhalten. „Es kann nicht sein, dass einige reiche Länder sich vier oder gar acht Impfdosen pro Kopf sichern“, erklärte der Minister. Ich finde, diese Zahlen sprechen Bände und fordern zum Handeln heraus.

ERF Medien: Und da hat Entwicklungsminister Müller auch gleich eine Idee und möchte die Produktion von Impfstoff weltweit ausbauen.

Andreas Odrich: Zum Beispiel in Südafrika. Das Land am Kap der guten Hoffnung könnte zu einem Produktionsstandort für das gesamte südliche Afrika werden. Die deutsche Entwicklungspolitik führt dazu bereits Gespräche und stellt zum Anschub eine Kreditfinanzierung bereit. Schade, dass dieser Minister leider nicht mehr antritt bei der Bundestagswahl diesen September.
 

Syrien – kurz vor der humanitären Katastrophe

ERF Medien: Immerhin könnten die G7-Staaten, die seit heute tagen, diesen Vorschlag aufgreifen. Afrika nicht nur ausbeuten, sondern zu wirtschaftlicher Stärke verhelfen, das wäre geradezu traumhaft. Aber es gibt noch mehr zu tun auf der Welt.

Andreas Odrich: Ja, in einem Monat läuft die Resolution zur grenzüberschreitenden Hilfe nach Syrien aus. Zu Deutsch, die geschundenen Menschen in diesem Spielball-Land der Weltpolitik bekommen keine Hilfe mehr. Deshalb warnen eine ganze Reihe von internationalen Hilfsorganisationen vor einer humanitären Katastrophe. Darunter zum Beispiel CARE, Save the Children und World Vision. Sie warnen: der UN-Sicherheitsrat muss die Resolution verlängern. Sonst wären mehr als eine Million Menschen von der Versorgung mit Nahrungsmitteln abgeschnitten, ebenso von COVID-19 Impfungen, medizinischen Gütern und weiterer humanitärer Hilfe.
 

Leben teilen als Dauerauftrag

ERF Medien: Da ist vielleicht das Motto des Katholikentages, der nächstes Jahr in Stuttgart stattfindet, sehr passend: Leben teilen.

Andreas Odrich: Ja, die Werbelinie ist diese Woche veröffentlicht worden. Der Katholikentag will schwerpunktmäßig darüber nachdenken, wie wir zukünftig zusammenleben können, auf zwischenmenschlicher Ebene aber auch in unserer globalisierten Welt. Hier wollen die Verantwortlichen Zeichen setzen. Vielleicht ist es wichtig, in diesem Zusammenhang dazu zu sagen: Der Katholikentag wird nicht von der katholischen Amtskirche veranstaltet, die sich durch den Missbrauchsskandal in schwerstem Fahrwasser befindet. Sondern: Der Katholikentag ist Sache der sogenannten Laien, also Menschen, die als katholische Christen in Kirche und Gesellschaft unterwegs sind.
 

Jeder kehrt vor seiner eigenen Türe

ERF Medien: Auch die evangelische Kirche ist nicht frei von Missbrauchsvorwürfen.

Andreas Odrich: Ganz richtig. Es gib also keinen Grund, als evangelische Christen mit dem Finger auf „die Katholiken“ zu zeigen. Und da finde ich ist der Standort des Katholikentages sehr gut: Stuttgart. In Württemberg ist nämlich traditionell am Samstag Kehrwoche – sprich: Putztag. Und was macht man bei der Kehrwoche am besten: jeder kehrt vor seiner eigenen Tür.
 

ERF Medien: In diesem Sinne: packen wir’s an.  Fröhliches Ausmisten an einem hoffentlich schönen sommerlichen Wochenende wünschen Andreas Odrich und Horst Kretschi.

 Andreas Odrich

Andreas Odrich

  |  Leiter Redaktion Aktuell
Er leitet die Redaktion Aktuelles und Gesellschaft. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist begeisterter Opa von drei Enkeln. Der Glaube ist für ihn festes Fundament und weiter Horizont zugleich.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren