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11.11.2009 / Kommentar / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Ingo Marx

Zum Tod von Robert Enke

Der deutsche Nationaltorwart hat sich das Leben genommen. Trifft auch uns Zuschauer die Schuld? Ein Kommentar von Ingo Marx.

Der deutsche Nationaltorwart hat sich das Leben genommen. Trifft auch uns Zuschauer die Schuld? Ein Kommentar von Ingo Marx.


Als Fußballfan kannte ich Robert Enke nur aus dem Fernsehen. Was mich interessierte, war seine sportliche Leistung. War er nun die richtige Nummer 1 für die deutsche Nationalmannschaft? Sollte er bei der WM im Tor stehen? Oder doch lieber Adler? Oder Wiese? Für den Menschen Robert Enke habe ich mich nie interessiert. Nur die Leistung zählte. 

Angesichts seines Suizids schäme ich mich zutiefst dafür. Denn genau unter diesem Leistungsdruck hat Robert Enke, wie erst jetzt erfahren, enorm gelitten. Er hatte Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein. Ganz abgesehen von all dem, was er durch den Tod seiner zweijährigen Tochter 2006 durchlitten hat. In den letzten Monaten hatte er verstärkt mit Depressionen zu tun, erzählt seine Witwe. Nach außen ließ er sich das nicht anmerken. Er fürchtete vor der Reaktion derer, die vor allem seine Leistung interessiert.   

2003 hat mit Sebastian Deisler, einer der talentiertesten deutschen Fußballer, seine Karriere beendet. Er konnte den Druck nicht mehr ertragen. Zu sensibel war er für das harte Fußballgeschäft. Er hat rechtzeitig die Reißleine gezogen. Robert Enke hat das nicht geschafft. 

Stars: Die bestbezahlen Sklaven

Wie gehen wir eigentlich mit unseren Stars um, seien es nun Sportler, Schauspieler oder Musiker? Es scheint, als hätten sie uns für Millionen von Euro ihre Seele verkauft. 

Sie sind die bestbezahlten Sklaven aller Zeiten. Wir haben Anspruch auf ihre Leistung. Es steht uns zu, sie bei jedem ihrer Schritte kritisch zu beäugen, um uns anschließend das Maul über sie zu zerreißen. Man denke nur an Britney Spears oder Michael Jackson. Natürlich tragen sie selbst genau so viel Schuld an diesem Zustand wie wir. Aber auch wir als „Zuschauer“ und Konsumenten können uns nicht aus der Verantwortung stehlen. 

Wer von uns würde diesen Leistungsdruck überleben? Ich sicher nicht. Ich bin so froh, dass Gott so ganz anders ist als wir Menschen. Dass wir ihn mit unserer Leistung nicht beeindrucken können und er einfach stolz auf uns ist, weil wir seine Kinder und er unser Vater ist. Ich wünschte Robert Enke hätte diese Erfahrung machen können.

 

Zum Kondolenzbuch

Bild: hannover96.de

 Ingo Marx

Ingo Marx

  |  Teamleiter

Ingo leitet gemeinsam mit Tobias Schier ERF Jess. Er moderiert das „Talkwerk“ und „Lass uns reden“. Er ist im Rheinland aufgewachsen, hat dort Politikwissenschaft studiert und als Quizautor gearbeitet. Er engagiert sich als Botschafter für die christliche Menschenrechtsorganisation „IJM“, ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Kommentare (27)

Pavlos u. Kathrin Leonidis /

Grüß(t)Gott!
In der Tat ist ein Einzelschicksal greifbarer als die unbekannte Masse. Hier möchte ich auch auf die Schweinegrippegeschichte hinweisen. Hier werden wenige Tote im Vergleich zu mehreren mehr

Gottfried Pendl /

Ein guter Rat für Depressive mit Sekbstmorgedanken.Die Selbstmordgedanken kommen auf einmal sehr starck auf und wie ich es bei mir kenne dauern die ca.20 Minuten,wenn man die mit Gebet und Musik mehr

Reiner Hövel /

Verehrte ERF-User,
Ich brauche heute ein Ventil, um meiner Empörung Ausdruck zu geben!
Wenn ich richtig orientiert bin, dann ereignet sich in Deutschland etwa alle 45 Minuten ein Suicid! Der mehr

Gottfried Pendl /

Bein vielen Menschen haben die Mitmenschen Schuld am Suizid.Von der Verwandschaft wird man als Arbeitsfaul hin gestellt,von einem Arzt als Simmuland von Nachbarn und ehemalige Freunde als mehr

Pavlos Leonidis /

Robert Enke wurde ein Opfer unserer Leistungsgesellschaft - ja ich würde sogar sagen: Ellenbogengesellschaft. Warum muss der MENSCH wie eine Maschine funktionieren?
Ich trauere auch für Mitmenschen, mehr

Gottfried Pendl /

Ich kannte Robert Enke kaum,aber da er an Depressionen gelitten hat, weiss ich das er die Hölle durchgemacht hat,denn bei dieser Krankheit sieht man sehr oft nur mehr den Suizid als Ausweg. Wenn die mehr

Rudi Luz /

Ja Renate, leider ist dies auch eine
Wahrheit. Wenn einer in der Gemeinde nicht den Hans Dampf in allen Gassen spielt, fühlt er sich schnell als Christ 2.Klasse.
Der so völlig unvorhersehbare Tod
von mehr

Renate Kunde /

Nur leider gibt es diesen Leistungsdruck auch in den gläubigen Gemeinden und ich denke, dass wir Christen auch da endlich aufwachen müssen. Hier gilt es neu zu erkennen, dass nicht unsere Leistungsfähigkeit unseren Wert vor Gott ausmacht.

Ruth /

Man möchte nur aufrichtige und herzliche Anteilnahme aussprechen und unseren Herrn Jesus bitten, alle beizustehen, die so sehr trauern und mittrauern...

Siegrid Schnitzspahn /

Die junge Frau tut mir entsetzlich leid. Doch Fußball an sich ist zur neuen Religion in unserem Land geworden, es ist ein richtiger Götzenkult daraus entstanden, der Menschen kaputtmacht.

Miroslaw Adamski /

Die statische Sportarten können psychisch blastend sein.Als ehemaliger Elite Radrennfahrer hatte ich keine Zeit darüber nachzudenken.Ein Rennfahrer kennt nur Asphalt , Kampf mit dem Schweinehund und mehr

Winkel, Klaus /

Die Diagnose des Autors ("...Er hatte Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein...") ist einseitig, möglicherweise gar falsch, denn Depressionen für sich als Krankheitsbild a l l e i n können zum mehr

Charlotte /

Jeder weiß, dass Geld nicht glücklich macht, trotzdem strebt jeder danach, warum das nur so ist.
Ich selbst schimpfe immer wieder auf die völlig überzahlten Fußballer. Aber tauschen möchte ich nicht. mehr

Simon /

Ich finde, du darfst nicht so schnell Leistungsdruck und Zuschauer für Enkes Tod verantwortlich machen. Das ist zu einfach.
Enke war, wie wir nun alle wissen, depressiv. Und ca. 90% aller mehr

Michael /

Bitte betet auch für den Lokführer!

Johann Christoph Krafft /

Man muß hier ganz vorsichtig und mit Bedacht seine Worte wählen, denn niemand weiß, was in ihm abgelaufen ist, bis er zu dieser Entscheidung kam. Denn es war seine eigene Entscheidung und niemand mehr

Gudrun /

Es ist so schade, dass es so viele niedergeschlagene, depressive Menschen gibt, die von Christi Hilfe nichts wissen. Ich schließe mich darin der Ansicht von HeHe an. Ich denke angesichts dieses mehr

Reinhard Schmidt /

Ergänzung zu meinem 1. Leserbrief
In unserem Dorf hatte sich ein Bauer aufgehängt. Dann ging das Getuschel los, ja wie die Frau ihn behandelt hat, kein Wunder etc. Warum brauchen wir immer Schuldige, mehr

HeHe /

Es ist schrecklich, wenn ein Mensch seinem Leben ein Ende setzt, weil er nicht weiter weiß.
Es ist nicht nur das Problem der Prominenz, obwohl dort genau zu sehen. Die Gottlosigkeit in der Welt, die mehr

Astrid /

Ich danke dem Autor für seine realistische Stellungnahme. Einmal mehr ist dieser Vorfall eine Bestätigung dafür, dass es im Sport - insbes. im Leistungssport -nur um Punkte, Fakten und Geld geht. Der mehr

andreasm /

danke für diesen kommentar. er ist mir aus dem herzen gesprochen. auch ich schäme mich, dass ich mich immer wieder mitreissen lasse, nur die leitung, und nicht den menschen zu sehen. nicht nur bei prominenten.
danke für diesen artikel.

uwe aus Bühl Baden /

Hallo Ingo,
mich hat die Nachricht von Tod unseres Torwarts der Nationalmannschaft im Hoten auf einer Dienstreise erreicht.
Leider ist unsere Gesellschaft in vielen Bereichen nur auf Druck, Erfolg mehr

Reinhard Schmidt /

Wir stehen fassungslos vor diesem Geschehen und haben keine Erklärung. Dabei sollte man es belassen, statt hier von Schuld zu faseln. Selig sind, die nichts wissen und trotzdem schweigen.

Nik /

Ich weiß nicht, ob du die Zuschauer so kritisieren darfst.
Ich als Fußballspieler freue mich, wenn der Trainer mich in den Kader aufstellt. Wenn ich jedoch nicht gut genug bin, für die Manschaft oder mehr

Hans-Jürgen /

Danke für die nachdenklichen Worte. Sie gelten allen Menschen, die mit Depressionen geschlagen sind. Besonders die leistungsorienten Männer haben damit ein Problem. Aber auch Frauen. Meine junge mehr

kerstin helmerking /

Lieber Ingo Marx,Dankefür deinen
Kommentar zum Tod von Robert Enke,empfinde es auch so.Liebe Frau,von Robert,fühle mit in deiner Trauer,weil ich mir vorstellen kann,wie schwer jetzt alles für sie mehr

Uwe /

Der Freitod von Robert Enke hat mich tief erschüttert. Ich wünschte, er hätte sich helfen lassen und rechtzeitig die Reißleine gezogen, wie Sie es gesagt haben. Aber es ist halt nicht alles mehr

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