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Leben nach dem Trauma

Wie geht es für Überlebende von Naturkatastrophen oder Kriegen weiter?

"In den letzten Stunden, Tagen oder Wochen haben Sie eine Erfahrung gemacht, die Sie vorher noch nie gemacht haben. Alles ist anders, nichts ist mehr so, wie es vorher war. Ihr Lebensumfeld hat sich verändert. Um Sie herum ist vielleicht vieles zerstört, was vorher zu Ihrem Alltag gehörte. Sie sind schockiert, können es noch gar nicht fassen, was Ihnen passiert ist."

So beginnt die Radiosendung "Leben nach dem Trauma", die der ERF in Zusammenarbeit mit einer Psychologin und einer Redakteurin entwickelt. Bis diese Worte geschrieben waren, war es ein langer Weg.

Eine individuelle Betreuung ist unmöglich

Seit mehreren Jahren richtet der ERF in schweren Katastrophenfällen einen Hilfsfonds ein, um die Soforthilfe vor Ort über Partnerorganisationen zu unterstützen. Das betraf unter anderem das Erdbeben auf Haiti 2010, die Dreifachkatastrophe in Japan 2011 und den Tsunami auf den Philippinen 2013. In den ersten Wochen steht die Nothilfe im Vordergrund: Die Betroffenen brauchen Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf und medizinische Versorgung. Wenn sich die Lage aber halbwegs stabilisiert hat, ist für viele Menschen auch psychologische Hilfe wichtig, um das Erlebte zu verarbeiten - zumal die Menschen von einem normalen Alltag noch lange entfernt sind: In Japan leben auch drei Jahre nach dem Unglück noch viele Tausend Menschen in Übergangswohnsiedlungen. In Haiti nennen nach vier Jahren noch 300.000 Menschen ein Zelt ihr Zuhause. Eine individuelle psychologische Betreuung ist in der Regel nicht möglich. Welche Wege gibt es dann, um den Menschen bei der Traumaverarbeitung zu helfen?

Eine langjährige Vision

Unser Partnernetzwerk TWR strahlt Programme in weltweit über 220 Sprachen aus und nutzt die jeweils günstigste Verbreitungsform, darunter Mittelwelle, UKW und Internet. Auch wenn die lokale Infrastruktur zerstört ist, ist Radiohören in vielen Fällen weiterhin möglich. Deshalb hat ERF International seit einiger Zeit die Vision, eine Sendereihe zur Traumabewältigung für Menschen in Katastrophengebieten zu entwickeln.

Kultursensible Entwicklung

Von der ersten Idee bis zur Ausstrahlung gibt es viele Hürden zu überwinden. Einen christlichen Redakteur zu finden, der auf Traumabewältigung spezialisiert ist, ist so gut wie unmöglich. Deshalb wird das Projekt in Zusammenarbeit mit einer christlichen Psychologin durchgeführt. Diese hat viele Interviews in der Traumanachsorge geführt und arbeitet Hand in Hand mit der Redakteurin. Sie achtet zum Beispiel darauf, dass die Hörer nicht als Opfer einer Katastrophe bezeichnet werden, sondern als Überlebende. Auch müssen alle Ratschläge die möglichen kulturellen Normen berücksichtigen: Nicht in jeder Kultur kann eine Frau zur Traumabewältigung singen, tanzen, malen oder spazieren gehen. Deshalb sollte man dem Hörer freistellen, wie er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen möchte. Zudem müssen die Informationen sehr oft wiederholt werden, damit die Hörer sie verinnerlichen können. Deshalb beginnen die Sendungen immer mit den gleichen Worten. Das Programm ist so konzipiert, dass es auch ohne christliches Hintergrundwissen verständlich ist. Jede Sendung endet mit einem Psalm, der die möglichen Gefühle der Hörer widerspiegelt. Diese werden dazu ermutigt, ihre Sorgen bei Gott abzugeben.

Eine Sendung für viele Fälle

Die Informationen in der Sendung sind recht allgemein gehalten, damit sie auf verschiedenen Katastrophenszenarien zutreffen. Dieser Sendungsteil wird durch eine landesspezifische An- und Abmoderation ergänzt. Darin können die jeweiligen Moderatoren die Inhalte mit der Situation vor Ort verbinden und auch regionale Hilfsangebote vorstellen.

Insgesamt sind 15-20 Sendungen von einer Viertelstunde Länge geplant. Die fertigen Sendungsvorlagen werden von unserem Partner TWR Europa auf Englisch übersetzt und von da aus weiter in die Zielsprachen. So kann die Sendung an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Die TWR-Partner auf den Philippinen, in Syrien und in Kenia haben großes Interesse an der Sendung geäußert, erste Sendungen sind in den Philippinen ausgestrahlt worden. Sendungen wie diese: „Suchen Sie nach Hilfe, denn Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Nehmen Sie sich aber auch Zeit für die Menschen in Ihrer Umgebung. Engagieren Sie sich für andere, suchen Sie die Gemeinschaft mit ihnen. Wenn Sie das erlebte Leid teilen, werden Sie entlastet und gegenseitiges Trösten gibt neue Hoffnung.“

Hier können Sie sich einen Eindruck von den Sendungen verschaffen:

Hörbeispiel 1

Hörbeispiel 2

 

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