© Open Doors

Verfolgten Christen eine Stimme geben

Das christliche Hilfswerk Open Doors veröffentlicht heute den neuen Weltverfolgungsindex.

Mehr als 100 Millionen Christen werden weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt. Aber was sind die Ursachen dieser Verfolgung, und in welchen Ländern sind Christen am meisten betroffen? Um diese Fragen zu beantworten, erstellt das christliche Hilfswerk Open Doors einmal im Jahr den sogenannten Weltverfolgungsindex. Ein Gespräch mit Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland

ERF Medien: Herr Rode, wie entsteht der Weltverfolgungsindex?

Markus Rode: Wir haben mehrere Kriterien aufgestellt, nach denen wir die Situation in den Ländern bewerten: Privatleben, Familienleben, gesellschaftliches Leben, Leben im Staat, kirchliches Leben und physische Gewalt. Zu diesen Bereichen haben wir einen Katalog von 100 Fragen erstellt, den wir an unsere Netzwerke vor Ort weitergeben. Aus den Antworten entsteht in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Analysten eine Rangfolge von 50 Ländern, in denen Christen am meisten verfolgt werden.

M. Rode  © Open Doors

ERF Medien: Was bringt es, so einen Index zu erstellen?

Markus Rode: Verfolgte Christen können nicht von sich aus an die Öffentlichkeit gehen. In dem Moment, wo sie sich zu erkennen geben, müssen sie mit schweren Konsequenzen rechnen – dass sie ins Gefängnis oder Arbeitslager kommen oder sogar umgebracht werden. Daher geben wir ihnen eine Stimme. Damit wollen wir erreichen, dass sich Christen im Gebet für ihre verfolgten Glaubensgeschwister einsetzen. Außerdem wollen wir über die Öffentlichkeit Druck ausüben auf diejenigen, die Christen verfolgen.

Christen geraten weltweit zunehmend unter Druck

ERF Medien: In welchen drei Ländern werden Christen zurzeit am meisten verfolgt?

Markus Rode: Auf Platz eins liegt seit vielen Jahren Nordkorea, dann kommt der Irak und an dritter Stelle Eritrea. Dort hat sich die Situation im letzten Jahr deutlich verschlechtert; zuvor war Eritrea auf Platz neun.

Der Weltverfolgungsindex                             Der Weltverfolgungsindex ist eine jährliche Rangliste von 50 Ländern, die anzeigt, wo Christen wegen ihres Glaubens am stärksten verfolgt und diskriminiert werden. Eine internationale Expertengruppe erstellt diesen Index in Zusammenarbeit mit Christen der betroffenen Länder. Weltweit werden etwa 100 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt.

ERF Medien: Welche Trends beobachten Sie in den letzten Jahren?

Markus Rode: Ein Trend, der sich leider weiter verstärkt, ist der sogenannte islamisch-extremistische Motor der Verfolgung. Weltweit sind Kalifate entstanden, die sich über die nationalen Grenzen ausbreiten – nicht nur der IS, sondern auch Boko Haram aus Nigeria oder die Al-Shabaab-Miliz aus Somalia. Infolgedessen radikalisieren sich Muslime weltweit – sei es aus Überzeugung oder aus Angst vor den extremistischen Gruppen. In Mossul im Irak zum Beispiel haben Christen und Muslime bis zur Ankunft des IS in Frieden miteinander gelebt. Doch nun kommt es dort zu Übergriffen von Muslimen auf ihre christlichen Nachbarn. Diese Radikalisierungstendenzen führen wiederum dazu, dass Regierungen weltweit ihre Religionsgesetze verschärfen. Damit setzen sie aber auch Christen weiter unter Druck.

Informieren, ohne Betroffene zu gefährden

ERF Medien: Wie finden Sie die richtige Balance zwischen Informieren und Freigabe sensibler Informationen?

Markus Rode: Das ist immer unsere große Herausforderung. Wir müssen unsere Informationen sehr stark filtern, deshalb können wir auch beim Weltverfolgungsindex keine uneingeschränkte Transparenz schaffen. Wir werden oft kritisiert, dass wir unsere Methodik nicht vollkommen offenlegen, aber wir haben es mit Menschen zu tun, die in permanenter Gefahr sind. Insofern informieren wir, soweit es geht, ohne die Betroffenen dadurch zu gefährden.

ERF Medien: Open Doors engagiert sich seit über 60 Jahren für verfolgte Christen. Doch aktuell ist die Zahl der Verfolgten so hoch wie nie zuvor. Wie gelingt es Ihnen, an Ihrer Mission nicht zu verzweifeln?


Der Beitrag zum Weltverfolgungsindex auf ERF Plus (Länge: 03:26)

Markus Rode: Wir wissen aus der Bibel, dass Verfolgung zunehmen wird, wenn Menschen zum Glauben an Jesus finden. Wir als Open Doors können diese Verfolgung nicht beenden. Aber wir können den Betroffenen beistehen. Die verfolgten Christen wissen, dass sie im Gebet mit Jesus verbunden sind. Deshalb bitten sie uns, dass wir nicht nachlassen, für sie zu beten. ‚Euer Gebet hilft uns, standhaft zu bleiben‘, sagen sie. Und glücklicherweise hören wir auch immer wieder von Situationen, in denen Gott Christen bewahrt und Wunder bewirkt hat.

ERF Medien: Vielen Dank für das Gespräch.  

Redaktion: Theresa Folger.


Sie wollen die Sendung "Aufgeweckt" oder andere Sendungen bei ERF Plus hören? Hier geht's zum Livestream.

 


Grafik: Rangliste der ersten 50 Länder.

Die ersten 10 Länder des Open Doors Weltverfolgungsindex 2016

Platz 1: Nordkorea

Platz 2: Irak

Platz 3: Eritrea

Platz 4: Afghanistan

Platz 5: Syrien

Platz 6: Pakistan

Platz 7: Somalia

Platz 8: Sudan

Platz 9: Iran

Platz 10: Libyen

Berichtszeitraum 1. November 2014 bis 31. Oktober 2015.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren