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Der Fremde in Maputo

oder: Wenn Gott in der Not einen Engel schickt. Ein Erlebnisbericht.

Ein Gastbeitrag von Ray Alary, Leiter des ERF Radiopartners TWR Kanada:

Ray Alary    © privat

Haben Sie sich schon mal so sehr verirrt, dass Sie dachten, Sie kommen nie wieder nach Hause? Mir ist das mehrmals passiert. Im Februar 2011 war ich mit einem siebenköpfigen Team dienstlich in Afrika unterwegs, als ich mich in Maputo – der Hauptstadt Mosambiks – verfahren habe. Wie in den Evangelien hat jeder die Ereignisse ein wenig anders in Erinnerung. Deshalb lasse ich hier mehrere meiner Mitreisenden zu Wort kommen, was sie in dieser Nacht gesehen und gehört haben. Sie können sich dann Ihr eigenes Bild davon machen, was in Maputo passiert ist.

„Ich habe einen Fehler gemacht“

Lyle Pennington arbeitet ehrenamtlich für TWR Canada: „Ray war mit uns im Auto unterwegs, um eine Projekt Hannah-Gruppe in Maputo zu besuchen. Der Grenzübertritt nach Mosambik war chaotisch. Alles dauerte viel länger als geplant. Wir kamen mitten in der Nacht in Maputo an, und das ist ziemlich gefährlich. Da drehte Ray sich auf dem Fahrersitz um und sagte: „Ich habe einen Fehler gemacht. Wir müssen beten.“

Stellen Sie sich die Situation vor: Wir haben keine Ahnung, wo wir sind, und keiner von uns spricht Portugiesisch. Wir fahren die Straße entlang und sehen ein Geschäft mit einer Tankstelle. Ray geht hinein und erkundigt sich, ob jemand den Weg zu unserem Hotel kennt. Er kommt mit einem Mann zurück, der in unseren Wagen steigt. Ray sagt, er werde ihn bezahlen, wenn er uns zum Hotel führt. Der Mann erwidert: "Ich bin Christ. Ich weiß, wo das Hotel ist, haben Sie keine Angst." Das wiederholt er während der ganzen Fahrt. Wir haben ihm nicht gesagt, dass wir Angst hatten. Der Mann hat etwas Ungewöhnliches an sich. Er sagt: "Ich muss dort noch jemanden treffen. Ich brauche mir keine Sorgen machen, wie ich zurückkomme.“

Als wir am Hotel ankommen, ist es schon sehr spät. Wir steigen aus, um unser Gepäck aus dem Kofferraum zu holen. Da sagt Ray: "Wo ist der Mann hin? Ich wollte ihn doch bezahlen." Ich habe nicht gesehen, wie der Fremde aus dem Auto gestiegen ist. Er war einfach weg. Das hat mich berührt. Jetzt weiß ich, dass Gott mich beschützt."

„Ray hat einen neuen Freund gefunden“

Jason Brown ist Geschäftsführer von TWR Canada: „Es war meine erste Reise nach Afrika. In den vorhergehenden Tagen waren wir bereits in Johannesburg, Swasiland und Mocuba in Mosambik unterwegs gewesen. Daher war das Thema Sicherheit auf der ganzen Reise bereits ein sensibler Punkt. Während wir durch Maputo fuhren, wurde Ray immer stiller. Dann sagte er uns, dass er keine Ahnung hatte, wo wir waren. Ich glaube, es war zwischen acht und neun Uhr abends, aber es war bereits stockdunkel.

Ray hielt an, um nach dem Weg fragen, und stieg aus. Wir anderen beteten. Dann kam Ray mit einem Mann zurück und ich dachte: Oh, Ray hat einen neuen Freund gefunden. Der Mann erzählte uns, dass er TWR kenne – vielleicht war er einer unserer Hörer.

Die Fahrt war nicht lang, vielleicht 15 Minuten bis zum Hotel. Ich vertraute auf Ray, dass er uns ans Ziel führen würde, deshalb erinnere ich mich nicht an viele Einzelheiten. Ich wusste nicht, dass Maputo so gefährlich ist und einen schlechten Ruf hat. Deshalb habe ich mich nicht groß gefürchtet.

Als wir im Hotel ankamen, ging eine Gruppe von uns mit Ray, um unsere Reservierung zu bestätigen. Wir standen in der Lobby herum und warteten. Ich weiß nicht, wo dieser Mann hingegangen ist. Ich nahm an, dass ihm einer der Hotelangestellten ein Trickgeld zugesteckt hatte.“

„Wir hatten Angst, Sie ins Auto zu lassen“

Ray Alary: Ich habe die Geschichte noch anders in Erinnerung. Als ich ins Zentrum von Maputo fuhr, habe ich mich verfahren. Ich war schon oft in Maputo, aber in der Nacht sah alles ganz anders aus. Ich wusste, dass wir in einen gefährlichen Teil der Stadt geraten waren. Und ich wusste, dass ich für die Sicherheit meiner Mitreisenden verantwortlich war. Ich hatte Angst, dass diese Reise ein böses Ende nehmen würde.

Ich hielt an einer Tankstelle, um mich nach der Richtung zu erkundigen. Einer meiner Teamkollegen kam mit, denn er konnte Spanisch sprechen. Ich hoffte, dass er dann auch Portugiesisch halbwegs verstehen würde. Im Geschäftsraum der Tankstelle war viel los. Da kam ein Mann auf uns zu und sprach uns auf Englisch an. Er sagte, er könne uns zeigen, wo das Hotel ist. Ich führte den Mann zu unserem Auto. Ich habe ihn nicht als Gefahr sehen, sonst hätte ich ihn nicht einsteigen lassen. Das ist das einzige Mal, dass ich so etwas getan habe.

Im Auto habe ich versucht, ihn zum Lachen zu bringen. Ich scherzte, dass wir Angst gehabt hätten, ihn ins Auto lassen. Er sagte, haben Sie keine Angst. Er hatte eine sanfte Art und aus irgendeinem Grund fühlte ich mich wohl in seiner Gegenwart. Es stellte sich heraus, dass wir nur 15 Minuten vom Hotel entfernt waren. Als wir dort ankamen, ging ich hinein, um unsere Reservierung zu bestätigen. Als ich wieder herauskam, war der Mann weg.

Diese Reise hat uns alle sehr geprägt. Der Mann mag ein Engel oder ein barmherziger Samariter gewesen sein. In jedem Fall hat Gott gezeigt, dass er sich um uns kümmert.“


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