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Präsident Duterte „räumt auf“

Ein Missionarsehepaar berichtet von fragwürdigen Säuberungsaktionen auf den Philippinen.

Der folgende Bericht stammt von einem Missionarsehepaar, das seit Anfang 2015 auf den Philippinen arbeitet. Aus Sicherheitsgründen möchten die beiden anonym bleiben.  

Seit dem 30. Juni 2016 ist Rodriguo Duterte amtierender Präsident der Philippinen. Der 71-jährige wurde für sechs Jahre gewählt. Sein Wahlspruch lautet „Change is coming” - Veränderung naht. Seine Werbesticker kleben überall an Gebäuden, Fahrzeugen und Gegenständen, auch mitten in der Landschaft. Viele Filipinos tragen Armbändchen mit seinem Namen oder T-Shirts mit seiner Silhouette.

Viele von Dutertes Anhängern sind Arbeiter und ärmere Menschen. Duterte selbst stammt aus bürgerlichen Verhältnissen und wuchs in Davao auf, einer Stadt der im südlichen Teil gelegenen Inselgruppe Mindanao.  Es ist eine strukturschwache, ländliche Region. Diese Herkunft lässt den Präsidenten besonders volksnah erscheinen.

Für Recht und Ordnung sorgen

Duterte                  © s.u.

In seinem Wahlkampf hat Duterte versprochen, für Recht und Ordnung zu sorgen. Das hat er als Bürgermeister der Stadt Davao bereits unter Beweis gestellt. Durch ihn, so sagt man, wurde diese Stadt gewalt-, drogen-, korruptions-, und müllfrei. Heute gilt Davao als sicherste und sauberste Stadt auf den Philippinen.

Gleiches hat Duterte nun mit dem ganzen Staat vor – allerdings sind seine Umsetzungsmethoden fragwürdig. Denn der Präsident hat offen dazu aufgerufen, mit Dealern und Drogenabhängigen kurzen Prozess zu machen. Seit seinem Antritt wurden etwa 3.200 Menschen auf offener Straße getötet, weil sie angeblich in Drogengeschäfte verwickelt waren.                                                                                                                                               

Viele unschuldige Opfer

Leider befinden sich darunter auch Polizisten, zivile Opfer und anderweitig Kriminelle, die teils unbeabsichtigt in diese Konflikte geraten sind. Die Täter sind nicht selten Drogenbosse, die Angst davor haben, bei der Verhaftung ihrer Mittelsmänner aufzufliegen.

Über 700.000 Menschen aus dem Drogenmilieu sollen sich von selbst der Polizei gestellt haben, damit sie nicht umgebracht werden. Die Zahlen steigen täglich an. Folglich laufen die Gefängnisse nun über, was die Haftbedingungen drastisch verschlechtert.

Wie geht es weiter?

Straßenkinder             © privat

Wie wird sich die Präsidentschaft Dutertes langfristig auswirken? Viele Bürger haben sich nach einem Präsidenten gesehnt, der „mal so richtig durchgreift“ und für Ordnung sorgt.

Und nicht alles, was Duterte tut, ist schlecht. Es heißt, dass er keine korrupten Geschäfte billigt, wie es vielen seinen Vorgänger nachgesagt wird. Im Alltag finden deutlich mehr Verkehrskontrollen statt; auf den Straßen und in der Luft patrouilliert die Polizei. Die Müllabfuhr kommt plötzlich zwei bis dreimal Mal in der Woche bei uns vorbei (vorher nur aller 14 Tage). Auch politisch will Duterte für Frieden sorgen: Bereits vor seinem Amtsantritt hat er ein Treffen mit islamistischen Rebellengruppen aus dem Süden des Landes vereinbart. Diese kämpfen seit 40 Jahren für eine autonome Region.

Andere fürchten, dass sich die Philippinen zu einer Diktatur entwickeln. Schließlich will Duterte die Todesstrafe wiedereinführen und hat einige paramilitärische Gruppen auf seiner Seite. Und auch der Kampf gegen Drogen ist kein rechtsstaatlicher Prozess. Für Minderjährige hat er eine Ausgangssperre ab 22 Uhr erlassen. Wir haben uns gefragt: Was machen die ganzen Straßenkinder?

Beten für den Präsidenten

Wir als Team hoffen und beten nun, dass sich die Lage auf den Philippinen eher zum Guten wendet. Außerdem beten wir, dass Duterte die Umsetzung seiner Ziele nochmal überdenkt. Seine Methoden im Kampf gegen Drogen schockieren uns immer wieder sehr. Wir beten, dass ihm gottesfürchtige Regierungsmitglieder zur Seite stehen, die ihn gut beraten.

Unsere Arbeit ist davon bis jetzt nicht betroffen und wir beten, dass dies so bleibt.

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