© Peter Fuss

Geplatzter Lebenstraum

Peter Fuss muss sich nach einem Unfall neu orientieren

Manchmal sind geplatzte Träume nicht weiter schlimm, wenn sie nur ein Wunschtraum waren. Bei Metallbauer Peter Fuss war es jedoch anders: Ein schwere Unfall zerstörte seinen Lebenstraum. Wie geht man damit um? Ein Interview.

ERF Medien: Herr Fuss, Sie wollte 2008 eine Schiffsreise um die Welt antreten. Das war aber keine Kreuzfahrt, sondern ein soziales Projekt. Was hatten Sie genau vor?

Peter Fuss: Ich wollte mein freiwilliges soziales Jahr sinnvoll nutzen und habe mich bei der christlichen Organisation OM beworben. Ich wollte mit dem Missionsschiff Logos Hope um die Welt reisen, von Jesus erzählen und vor Ort praktisch helfen.

ERF Medien: Kurz vor der Abreise wurde die ganze Planung zunichte gemacht. Was ist passiert?

Peter Fuss: Ich bin begeisterter Motorradfahrer und wollte vor der Abreise eine letzte Spritztour drehen. Dabei hat mir ein Auto die Vorfahrt genommen und wir sind zusammengestoßen. Es war ein schwerer Unfall.  

„Ich habe noch Scherze mit dem Sanitäter gemacht“

ERF Medien: War Ihnen in diesem Moment der Ernst der Lage bewusst?

Peter Fuss: Nein. Ich hatte zum Beispiel einen offenen Schienbeinbruch, den ich gar nicht wahrgenommen habe. Ich habe sogar Scherze mit dem Sanitäter gemacht. Erst viel später hat der Arzt mir gesagt, dass ich in Lebensgefahr war und Blutspenden brauchte. Bis auf das rechte Bein waren alle Gliedmaßen gebrochen oder verletzt.

ERF Medien: Der Schiffsaufenthalt war damit gestorben. Wie ging es Ihnen damit?

Peter Fuss: Das war auf jeden Fall herausfordernd. Ich habe Gott gefragt, warum das passiert ist. Trotz allem war mir aber klar, dass Gott dahinter stand.

„Gott steht auch in dieser Situation hinter mir“

ERF Medien: Wie meinen Sie das – Gott stand dahinter? Hat er den Unfall verursacht?

Peter Fuss: So würde ich das nicht sagen. Aber ich hatte die Gewissheit, dass Gott mich auch in dieser Situation unterstützt und zu mir hält. Selbst, wenn ich wenn ich im Krankenhaus liege und alles anders läuft, als ich geplant habe.

ERF Medien: Haben Sie nicht mit Gott gehadert, dass er diesen Unfall zugelassen hat? 

Peter Fuss: Doch, und ich denke, das ist etwas was ganz Natürliches. Trotzdem habe ich im Verlauf der Genesung Gottes Eingreifen erlebt. Zum Beispiel war gerade in der Woche meines Unfalls ein Spezialist für Nervenkrankheiten im Krankenhaus. Er hat mich behandelt. So etwas kann man nicht beeinflussen, sondern da schenkt Gott die richtigen Leute zur richtigen Zeit.

„Ich wusste nicht, wie gesund ich wieder werde“

ERF Medien: Haben Sie die Unfallverursacherin noch einmal getroffen?

Peter Fuss: Ja, sie hat mich im Krankenhaus besucht und sich entschuldigt. Er war deutlich zu sehen, wie sie damit ringt und dass es ihr wirklich leid tut. Ich habe ihr dann gesagt, dass es für mich okay ist.  

ERF Medien: Die Rehabilitation hat eineinhalb Jahre gedauert. Danach konnten Sie Ihren Beruf als Metallbauer nicht mehr ausüben. Damit ist doch Ihre ganze Lebensplanung in sich zusammengefallen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Peter Fuss: Ganz so dramatisch war es nicht, denn am Anfang wusste ich nicht, wie gesund ich wieder werde. Das wurde bei meiner Wiedereingliederung erst deutlich. Diese musste ich nach 4 Stunden abbrechen. Da ist dann langsam dieser Prozess losgegangen: ‚Wie wird es weitergehen?‘

ERF Medien: Was hat Ihnen geholfen, sich neu zu orientieren?

Peter Fuss: Ich habe zum einen viel ausprobiert. Zum anderen habe ich mich reflektiert und reflektieren lassen. Meine Familie hat mich dabei sehr unterstützt. Letztendlich habe ich eine Umschulung zum Fachinformatiker gemacht.

Neue Aufgabe ohne reguläres Gehalt

ERF Medien: Bald wird sich ein Teil Ihres Traums doch noch erfüllen. Sie werden zwar nicht auf einem Schiff reisen, aber sich auf andere Weise für Gott einsetzen…

Peter Fuss: Ja, die DMG sendet mich als Missionar zu TWR nach Wien. Das ist der internationale Radiopartner von ERF Medien. Als Fachinformatiker werde ich mich um das Büronetzwerk von TWR kümmern. So trage ich dazu bei, dass Menschen in aller Welt von Gottes Liebe hören. Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe.

ERF Medien: Sich für Gott einzusetzen bedeutet zwischen den Zeilen oft: „Ich muss mich selbst um mein Gehalt kümmern.“ Wie wird das bei Ihnen sein?

Peter Fuss: Ja, das kann man so definieren. Ich baue zurzeit einen Spenderkreis auf, der mich im Gebet und finanziell unterstützt.

ERF Medien: Der Unfall ist jetzt knapp acht Jahre her. Wie hat sich Ihr Glaube an Gott durch die vergangenen Jahre verändert?

Peter Fuss: Nach dem Unfall hatte ich viele Fragen, zum Beispiel: ‚Bin ich jetzt noch etwas wert?‘ Ich habe dann einige Monate lang an einer Bibelschule studiert. In dieser Zeit habe ich die Gewissheit  bekommen, dass Gott einen Plan mit mir hat, genauso wie ich bin – auch mit meinen Einschränkungen.

ERF Medien: Vielen Dank für das Interview.

Redaktion: Theresa Folger. Transkription: Joshua O'Regan.

Update: Die Ausreise von Peter Fuss wird sich aus Krankheitsgründen leider etwas verzögern. Außerdem fehlen ihm dringend noch regelmäßige Spender. Wollen Sie Peter Fuss in seiner neuen Aufgabe finanziell unterstützen? Dann melden Sie sich unter [email protected]

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren