/ Wort zum Tag
Verständlich und gründlich erklärt
Die Bibelstelle Psalm 85,10.11 – ausgelegt von Herbert Laupichler.
Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Können Sie vielleicht in wenigen Minuten Gottes Güte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden erklären?Verständlich und gründlich?
Das Ganze sollte sprachlich ansprechend, gern sogar poetisch sein. Am schönsten wäre es, wenn man es singen kann auf eine eingängige Melodie. Ist das möglich?
Diese vier Felder – Güte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden – in kurzer Zeit zu erklären?
Der Dichter unter den Söhnen Korahs hat es versucht und aus seinen Gedanken heraus den Psalm 85 gedichtet. Und daraus lese ich die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für heute:
Da heißt es in Psalm 85, die Verse 10 und 11:
Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Der Dichter schaut zurück in die Vergangenheit des Volkes Israels. Er redet nichts schön und erwartet trotzdem in der Zukunft neuen Segen für das Volk und seine Heiligen.
Und dann wird Gott wieder denen nahe sein, die ihn fürchten.
Aber was heißt heute Gott fürchten? Ich denke, das hat mit Ehrfurcht und Respekt zu tun. Wenn ich Gott fürchte, nehme ich ihn ernst. Wende mich ihm zu. Rechne mit seiner Autorität, vertraue seinem Handeln in meinem Leben. Und erfahre dann in dieser Haltung auch Gottes Hilfe.
Der Dichter beschreibt dann dieses schöne Bild: Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Das muss ich noch einmal lesen. Wie vier Pfeiler stehen diese Begriffe da für Gottes Handeln zum Heil der Menschen.
Doch anders als im Deutschen handeln sie wie Personen. Sind nicht etwa nur klar definierte Begriffe.
Da begegnen sich Güte und Treue, gehen aufeinander zu. Die bedingungslose Liebe und Gnade Gottes, zusammengefasst als Güte trifft auf seine Treue als Summe von Zuverlässigkeit und Wahrheit.
Dabei ist es sicher richtig, bei dem Ausdruck Güte an Liebe und Zuneigung zu denken. Aber mit Güte ist auch gemeint, dass Gott gut ist im Sinne von Qualität. Gott ist eben ein Wesen mit absoluter Güte.
Auch Gerechtigkeit und Friede kommen sich sehr nahe und küssen sich.
In der Sprache des Alltags ist Gerechtigkeit oft ein Maßstab zum Beispiel für ein Verhalten. Auch in der Bibel ist das so. Deshalb ist auch ein Mensch gerecht vor Gott, wenn er dessen Ansprüchen genügt.
Doch in der Beschreibung der Gerechtigkeit in Psalm 85 ist nicht nur von einem Kuss zwischen ihr und dem Frieden die Rede. Sondern auch von einer Gerechtigkeit, die vom Himmel schaut. Oder dass sie vor Gott her geht. Weitere Aktivitäten finden sich auch in anderen Texten des Alten Testaments. So heißt es im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 54, Vers 8:
Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit! Die Erde tue sich auf und bringe Heil, und Gerechtigkeit wachse mit auf! Ich, der HERR, erschaffe es.
Gerechtigkeit ist also nicht nur ein abstrakter Maßstab, sondern kann auch Gottes Handeln bezeichnen.
Gerechtigkeit und Frieden auf dieser Erde sind oft schwer zu vereinen. Aber die göttliche Gerechtigkeit kann einen tiefen, heilsamen Frieden schaffen. Einen neuen Anfang, bei dem Gerechtigkeit und Frieden eine untrennbare Einheit bilden.
Dabei heißt das hebräische Wort für Frieden: Schalom. Und bedeutet weit mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Sondern beschreibt einen Zustand, in dem sich ein Mensch rund herum geborgen fühlen kann. Schalom bezeichnet auch Frieden mit Gott und den Menschen.
Der Dichter hat beschrieben, wie Güte, Treue, Gerechtigkeit und Friede, die vier Pfeiler göttlichen Heils sich aufeinander zu bewegen. Auch als Hinweis auf Jesus Christus. Denn der hat am Kreuz von Golgatha diese vier ganz eng miteinander verbunden.
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