/ Wort zum Tag
Es hat keinen Wert
Die Bibelstelle Jakobus 5,7 - ausgelegt von Jens Brakensiek.
Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.
„Es hat keinen Wert. Es wird sich bei mir nichts ändern. Ich kann mich nicht ändern. Ich bin und bleibe halt so, wie ich bin.“ Das war der erste Gedanke, der mir nach dem Gespräch durch den Sinn ging. Dabei wollte ich mir wirklich Mühe geben. Ich wollte ruhig bleiben und zuhören. Ich wollte nicht vorschnell meine Argumente vorbringen. Ich wollte Verständnis aufbringen. Aber kaum hatte der andere seinen ersten Satz vollendet, ging es mit mir durch: „So kann man doch nicht denken! So kann man sich doch nicht verhalten!“ Das Gespräch ging also daneben. Und ich gab mir danach die Schuld dafür, vermutlich zu Recht.
Als ich darüber weiter nachdachte, erkannte ich, dass mein Problem letztlich gar nicht meine schlechte Gesprächsführung war, sondern mein Weg, mit mir selbst umzugehen: „Ich bin halt so!“ Dabei machte es mir meine Umwelt leicht: „Jeder Mensch ist anders, und du bist halt so: manchmal etwas aufbrausend und rechthaberisch. Aber das ist ok!“ Nur leider half mir das im Konflikt mit meinem Gegenüber nicht weiter. Im Gegenteil: Ich habe mich mit anderen verglichen und wurde dadurch immer unglücklicher: „Immer wieder die gleichen Fehler, das gleiche Versagen, die gleiche Schuld. Ich kann mir das nicht mehr verzeihen.“
Im Jakobusbrief im Neuen Testament entdecke ich: Jakobus hat es auch mit Konflikten zu tun, zum Beispiel mit reichen und selbstsicheren Leuten. Da gebraucht er das Bild von einem Landwirt, der Saatgut in den Boden einbringt und dann geduldig wartet, dass Regen die Saat zum Keimen bringt, das Getreide heranwächst und Frucht bringt. Dazu meint Jakobus dann: So wie das Saatgut im Boden muss sich auch das Herz des Menschen entwickeln und ausreifen. Und Gott wie so ein Landwirt. Er hat so viel Geduld mit jedem Menschen. Geduld ist ein Wesenszug Gottes.
Schon vor 2000 Jahren hat Gott das grundlegende Menschheitsproblem gelöst, dass die Menschen von ihm nichts wissen wollen. Darum hat er seinen Sohn Jesus Christus bei uns leben und für uns sterben lassen. Doch so viele Menschen konnten oder wollten davon nichts wissen. Wäre Gott ungeduldig, dann hätte er dem Treiben auf der Erde ein Ende machen können! Aber Gott wartet geduldig, damit Menschen immer noch umkehren können und sich das, was er in sie hineingelegt hat, entwickeln und ausreifen kann.
Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele mit sich selbst viel weniger Geduld haben als Gott und die Hoffnung aufgeben. Dabei ist es so wichtig mit sich selbst Geduld zu haben. Dann können wir vielleicht auch mit den eigenen Schwächen, dem eigenen Mangel, und den eigenen Fehlern besser umgehen. Und wer nicht ständig mit sich selbst ins Gericht gehen muss, der wird auch für andere genießbarer.
Dabei geht es nicht um billige Selbstentschuldigung. Kein Mensch kann sich seine Sünden selbst vergeben. Aber wer sie sich selbst eingesteht und Gott bekennt, dem wird Gott vergeben, ganz gewiss! Wer das erkennt und annimmt, der kann von Gott Geduld lernen, auch mit sich selbst. Jakobus sagt es so: „Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.“
Manchmal bin ich wie ein Kind, das am Grashalm zieht, damit er schneller wächst. Aber damit erreiche ich nur das Gegenteil von dem, was ich eigentlich will. Jakobus lädt Sie darum im Namen Gottes ein: Lass dir die Zeit, die Gott dir gönnt.
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